Wirtschaft

Malev gegroundet – Ausfälle auch in Zürich

Aktualisiert am 03.02.2012 11 Kommentare

Aus nach 66 Jahren: Die seit Jahren angeschlagene ungarische Fluggesellschaft Malev hat ihren Betrieb eingestellt. Auf dem Budapester Flughafen Ferihegy bildeten sich lange Schlangen.

Blieben heute am Boden: Jets der Fluggesellschaft Malev am Flughafen Budapest.

Blieben heute am Boden: Jets der Fluggesellschaft Malev am Flughafen Budapest.
Bild: Reuters

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Nach dem Subventionsverbot der EU-Kommission waren die Geldquellen der Airline Malev versiegt. Die wirtschaftliche Lage des staatlichen Unternehmens sei «unhaltbar» geworden, begründete Malev-Generaldirektor Lorant Limburger auf der Internetseite des staatlichen Unternehmens den Schritt.

Der ungarische Ministerpräsident Viktor Orban erklärte im Radio, seine Regierung strebe einen Neustart der Airline an. Die Budapester Regierung hatte bereits am Montag Konkursschutz über die Malev verhängt.

Aus nach 66 Jahren

Meldungen über den nahenden Konkurs hätten die Liquiditätsschwierigkeiten der Malev verschärft, erklärte Limburger. Lieferanten hätten «von einem Tag auf den anderen» auf Voraus-Inkasso bestanden.

Die Direktion des Unternehmers habe entschieden, den Betrieb einzustellen. «In diesem Sinne steigen seit dem 3. Februar, 6.00 Uhr, nach 66-jährigem fortwährendem Betrieb, keine Malev-Flugzeuge mehr auf», heisst es in der Stellungnahme.

Das Grounding führte dazu, dass auch die beiden für Freitag vorgesehenen Verbindungen von Budapest nach Zürich und zurück gestrichen wurden, wie eine Flughafensprecherin sagte. Zuletzt flog Malev pro Woche neunmal zwischen diesen Städten hin und her. Betroffene Passagiere konnten Tickets der Swiss kaufen, die dreimal täglich nach Budapest fliegt.

Auf dem Budapester Flughafen Ferihegy bildeten sich vor den Informationsschaltern lange Schlangen. Viele Passagiere versuchten, ihre Flüge umzubuchen. Nach einem Bericht der Nachrichtenagentur MTI verhielten sich die Wartenden ruhig und gefasst.

Orban sieht Chancen für Neustart

Die ungarische Regierung hatte bereits am Dienstag einen Fonds im Wert von 2 Milliarden Forint (8,2 Millionen Franken) für die Entschädigung von gestrandeten Malev-Passagieren eingerichtet. Der ungarische Ministerpräsident Orban erklärte in seinem wöchentlichen Radio-Interview am Freitagmorgen: «Ein Neustart ist möglich, wenn wir uns einigen können.» Einzelheiten nannte er nicht.

«Zu einer Volkswirtschaft des 21. Jahrhunderts gehört eine gut funktionierende, nationale Fluggesellschaft», sagte er lediglich. Für die Malev würden allerdings «die Investoren nicht Schlange stehen».

Die Fluggesellschaft hatte seit Jahren mit Finanzierungsschwierigkeiten gekämpft. Kritisch wurde die Lage Anfang des Jahres. Die EU-Kommission hatte entschieden, dass der ungarische Staat mehrere Millionen Euro zurückzahlen muss, die von 2007 bis 2010 zur Unterstützung der Malev geflossen waren. Seither stellte die Regierung jegliche Hilfe an die Malev ein.

Die Airline beschäftigt 2600 Mitarbeiter. Sie transportiert jährlich rund 3 Millionen Passagiere. Nach der demokratischen Wende vor 22 Jahren wurde sie zweimal privatisiert und wieder verstaatlicht. Sie sorgt für 40 Prozent des Verkehrsaufkommens am Flughafen Ferihegy, der von der deutschen Hochtief betrieben wird. Zuletzt hatte die Malev Schulden von 74,6 Milliarden Forint angehäuft. (bru/sda)

Erstellt: 03.02.2012, 12:26 Uhr

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11 Kommentare

Fredy Saxer

03.02.2012, 13:06 Uhr
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Ein weiteres Beispiel, dass Ungarn als EU-Mitgliedstaat nur Nachteile zu tragen hat. Systematisch werden wichtige, auch staatliche Firmen wie Malev zum grounding genötigt, da diese finanziell von der EU unter Druck gesetzt werden. Starke EU-Mitgliedstaaten wie Deutschland und Frankreich werden danach die Malev als "Häppchen" unter den Nagel reissen und somit marktbeherrschend werden.=EU-System Antworten


Stefan Hans

03.02.2012, 12:50 Uhr
Melden 17 Empfehlung

Ich wünsche allen Angestellten dort viel Kraft und Zuversicht für die Zukunft. Wir bei Swiss haben diese Situation zum Glück hinter uns und wissen, wie man sich in einem solchen Fall fühlt. Antworten



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