Malus statt Bonus

2016 wurden Mitarbeitern der Credit Suisse wegen Fehlverhaltens erstmals rückwirkend die Boni zusammengestrichen.

Hauptgebäude der Credit Suisse am Paradeplatz in Zürich. Foto: Keystone

Hauptgebäude der Credit Suisse am Paradeplatz in Zürich. Foto: Keystone

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Es war kein gutes Jahr für die Credit Suisse. Die Bank schrieb 2016 einen Verlust von 2,7 Milliarden Franken. Es war das zweite tiefrote Jahr in Serie. Dennoch erhielt CS-Chef Tidjane Thiam 2016 ein stattliches Salär von 11,9 Millionen Franken.

Die Bank definiert den Erfolg ihrer Spitzenleute derzeit nicht nur über das Unternehmensergebnis. Der Verwaltungsrat der CS stellt Thiam nämlich für 2016 ein gutes Zeugnis aus. So lobt das Aufsichtsgremium im Vergütungsbericht seine Leistung. Die Bank habe unter seiner Führung die Kosten gesenkt. Zudem habe er dafür gesorgt, dass sie über eine stärkere Kapitalbasis verfüge. Damit komme das Institut mit der Umsetzung der Strategie voran.

Thiam selbst sagte kürzlich gegenüber der «Finanz und Wirtschaft», dass es kein guter Anreiz wäre, das Management von heute für die Fehler der früheren Chefs bezahlen zu lassen. Auf sich bezogen stimmt das. Thiam hat sein Amt 2015 mit dem Auftrag angetreten, das Institut von seinen teuren Altlasten zu befreien und in ruhigere Bahnen zu lenken. Die grössten Baustellen wurden ihm von seinem Vorgänger Brady Dougan hinterlassen. Thiams Leistung lässt sich daher nicht am Verlust der Credit Suisse messen – zumindest noch nicht. 2016 sei ein Übergangsjahr. Ob es 2017 besser wird, lässt er offen.

Teure Vergangenheit

Für die schlechten Zahlen waren zuletzt vor allem teure Justizverfahren verantwortlich. Die Bank hat etwa Ende des letzten Jahres mit dem US-Hypothekenverfahren ihren grössten Rechtsstreit abgeschlossen. Strafzahlungen und Entschädigungen für US-Hausbesitzer belaufen sich auf mehr als 5 Milliarden Franken. Das fraglicheHypothekengeschäft lief bis 2007. Damals erzielte die Bank einen Jahresgewinn von fast 8 Milliarden Franken. Der damalige CS-Chef Dougan erhielt für 2007 ein Salär von mehr als 22 Millionen Franken. Frühere Spitzenmanager konnten dank der riskanten Geschäftspraktiken hohe Gewinne einfahren, heute verursachen die Verfahren der CS aber hohe Kosten.

Für die verantwortlichen Mitarbeiter blieb dies oft folgenlos. Dabei kennt die CS schon länger sogenannte Malus­klauseln. Sie erlauben es der Bank, aufgeschobene Boni zu kürzen oder sogar ganz zu streichen. Malusklauseln greifen unter anderem, wenn das Handeln der Person «eine bedeutende Reduktion des finanziellen Ergebnisses oder der regulatorischen Kapitalausstattung der Gruppe oder einer Division oder Region der Credit Suisse» zur Folge hatte.

Im letzten Jahr hat die Klausel offenbar zum ersten Mal gegriffen. «Im Jahr 2016 sind Malusbestimmungen zur Anwendung gekommen.» So der vielsagende Satz im Vergütungsbericht der Bank. In früheren Jahren lässt sich keine derartige Aussage finden. Die CS gibt aber keine Auskunft da­rüber, in welchem Umfang oder in welchen Abteilungen die Malusbestimmung zur Anwendung kam. Spitzenmanager der Bank waren aber nicht betroffen, wie aus gut unterrichteten Kreisen zu erfahren war. Auch trifft es keine ehemaligen Topmanager.

Das Salär von CS-Chef Thiam ging im Vergleich zum Vorjahr deutlich zurück. Damals verdiente er 18,9 Millionen Franken, allerdings weil ihn die Bank für versprochene Boni seines früheren Arbeitgebers Prudential entschädigte. Nach der Einbusse verdiente Thiam zuletzt auch weniger als sein UBS-Kollege Sergio Ermotti. Der Tessiner kam im letzten Jahr auf ein Salär von 13,7 Millionen Franken. Doch hat die UBS auch ein solides Jahr hinter sich gebracht. Zwar halbierte sich der Gewinn der grössten Schweizer Bank gegenüber 2015, doch belief er sich 2016 noch immer auf rund 3 Milliarden Franken. Interessant ist, dass Ermotti ein deutlich tieferes Grundgehalt als Thiam bezieht. Beim UBS-Chef macht dieses 2,8 Millionen Franken aus, bei Thiam sind es rund 3,7 Millionen Franken. Die variable, sprich erfolgsabhängige Komponente des Lohns ist also bei Ermotti deutlich höher.

Deutsche-Bank-Chef verzichtet

Ganz anders sieht es bei John Cryan aus. Der Chef der Deutschen Bank und ehemalige Finanzchef der UBS hat jüngst ganz auf seinen variablen Lohn verzichtet. Er erhält «nur» einen Fixlohn von 3,8 Millionen Euro. Damit geht er mit gutem Beispiel voran. Denn der Bank geht es schlecht, und Cryan soll dafür sorgen, dass sie bald wieder solider dasteht. Die Deutsche Bank hat im vergangenen Jahr einen Verlust von 1,4 Milliarden Euro geschrieben. Erst vor wenigen Tagen lancierte sie eine Kapitalerhöhung, mit der sie 8 Milliarden Euro frische Mittel aufnehmen will. Jüngst nahmen auch bei der CS die Gerüchte Fahrt auf, dass eine Kapitaler­höhung bevorstehe. Ein Zeichen dafür, dass eine entsprechende Ankündigung bald folgen könnte. Für die Aktionäre ist das keine gute Nachricht.

Die Vergütung von CS-Präsident Urs Rohner ist 2016 auf rund 4 Millionen Franken angestiegen. Im Vergleich zum Vorjahr ist dies ein deutliches Plus. Damals verdiente er rund 3,2 Millionen Franken. Im letzten Jahr erhielt Rohner sein Salär komplett in bar. Er verzichtete damals auf 1,5 Millionen Franken, die ihm in der Form von Aktien zugestanden wären. Dieses Jahr werden ihm die zusätzlichen 750 000 Franken als CS-­Aktien ausbezahlt. Er hätte weitere 750'000 Franken in der Form von CS-Aktien beziehen können, verzichtete aber.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 24.03.2017, 23:28 Uhr

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