Wirtschaft
«Man zieht immer den Kürzeren»
Interview: Markus Diem Meier. Aktualisiert am 10.11.2010 51 Kommentare
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Wie beurteilen Sie die Abgeltungssteuer? Von Seiten der Bankiervereinigung wird sie immerhin als Lösung erachtet, um das Bankgeheimnis bewahren zu können.
Die Details dazu sind noch unklar. Unterlagen dazu habe ich noch nicht erhalten. Doch schon jetzt ist klar: Es wird damit keinen Schutz geben vor einem späteren automatischen Informationsaustausch. Selbst schwarze Listen sind weiter möglich.
Sie haben laut Medienberichten gesagt, durch die Abgeltungssteuer seien viele kleine Banken gefährdet.
Das wurde zum Teil falsch wiedergegeben. Ich habe vor allem die Gefährdung von Filialen an der Grenze oder in Tourismuszentren angesprochen, wo die ausländische Kundschaft eine besonders grosse Bedeutung hat.
Welche Alternative zur Abgeltungssteuer hätte es gegeben?
Am besten geht man gar nie auf solche Verhandlungen ein, man zieht immer den Kürzeren.
Nun laufen allerdings die Verhandlungen bereits…
Genau. Der Schaden wurde bereits angerichtet durch die Ankündigung der neuen Steuer. Was würden Sie als ausländischer Kunde tun, wenn Sie befürchten müssen, dass Ihnen noch einmal 20 Prozent von Ihren Erträgen weggenommen werden, immerhin haben Sie bereits Zahlstellensteuern darauf bezahlt. Kein Wunder sind daher bereits im laufenden Jahr 62 Milliarden Franken abgeflossen. Seit dem Höchststand gingen bereits 459 Milliarden Franken an ausländischen Privatkundengeldern und 111 Milliarden Franken von ausländischen Kommerzkunden - darunter vielleicht auch Stiftungen - verloren.
Was soll man Ihrer Meinung denn jetzt tun?
Am besten, man verzögert die Verhandlungen so lange wie möglich und wenn unsere Forderungen nicht akzeptiert werden, sollte man die Übung abbrechen.
Welche Forderungen?
Zum Beispiel ein Gegenrecht. Das heisst, auch ausländische Banken müssten uns eine entsprechende Abgeltungssteuer überliefern – das muss neu auch für die Zahlstellensteuer gelten. Ausserdem muss der Marktzugang für Schweizer Fonds in Europa gesichert sein. Die Schweizer Bankberater müssen freien Zugang zu ausländischen Kunden haben können und die Schweizer Verrechnungssteuer muss beibehalten werden.
Die ausländischen Regierungen haben sich bisher nicht sehr kompromissbereit gezeigt.
Von der Drohung mit einer schwarzen Liste hätte man sich nicht derart beeindrucken lassen sollen. Die Bedeutung des Geldes von ausländischen Kunden auf Schweizer Konten für fremde Regierungen wird ohnehin überschätzt: Aktuell beläuft sich die Summe auf rund 619 Milliarden Franken, das reicht in den USA gerade zur Deckung des Budgetdefizits von zwei bis drei Monaten. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 10.11.2010, 13:20 Uhr
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51 Kommentare
Aha, vom EU-Raum profitieren wollen, aber sich aktiv beteiligen? Nö. Diese Politik wird nie aufgehen, wir würden uns auch nicht auf ein solches Spielchen einlassen. Den Fangschuss für unser Land hat seine Partei vorbereitet und das Beste daran ist, dass sie noch Jahre davon profitieren werden. Antworten
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