Marlboro und Chesterfield werden 10 Prozent billiger

Von Romeo Regenass. Aktualisiert am 19.12.2009

Im Kampf gegen Billigzigaretten und rückläufigen Konsum senkt Philip Morris die Preise.

Szene im Zürcher Nachtklub St.Germain: Die Zigarettenpreise halten die jungen Frauen nicht vom Rauchen ab.

Szene im Zürcher Nachtklub St.Germain: Die Zigarettenpreise halten die jungen Frauen nicht vom Rauchen ab.
Bild: Keystone

Seit Jahren bewegen sich Zigarettenpreise nur in eine Richtung: nach oben. Nach diversen Aufschlägen, die mit höheren Steuern und Rohstoffkosten begründet wurden, kosten einige Marken über 7 Franken pro Päckli. «Da fängt es an, wehzutun», sagen Raucher.

Nun gibt Philip Morris (PM) Gegensteuer: Ab 1. Januar senkt der US-Tabakgigant die Preise um 70 Rappen pro Päckli; das sind rund 10 Prozent. «Die Preisänderung betrifft sämtliche Varianten der Marken Marlboro und Chesterfield», bestätigt Sprecher François Thoenen Recherchen des «Tages-Anzeigers». Die übrigen Produkte des Marktleaders, der für 45 Prozent der Schweizer Zigarettenumsätze steht, sind von der Preissenkung nicht betroffen.

Billige Eigenmarken als valable Alternativen

Eine Begründung für die Preissenkung gibt PM nicht. Insider sagen, der Konzern reagiere damit auf sinkende Umsätze und die Konkurrenz durch Billigzigaretten. Eigenmarken Aldi, Coop, Denner oder Valora stellen für Leute mit knappem Budget eine valable Alternative zu den etablierten Marken dar. Die Preise liegen zwischen 4 und 5 Franken. Ihr Marktanteil belief sich 2008 allerdings auf unter 5 Prozent.

Dennoch bläst den Tabakmultis ein eisiger Wind entgegen: Verkauften sie 1998 noch 15 Milliarden Markenzigaretten, waren es 2008 nur noch 12 Milliarden. Bis Ende November sind die Verkäufe laut Oberzolldirektion nochmals um rund 4,5 Prozent gesunken.

Dauerhaft billiger

Bisher haben die Konzerne mit zeitlich befristeten Discount-Angeboten auf die sinkende Nachfrage reagiert. Die zeitliche Befristung existiert allerdings primär auf dem Papier: Aktionen für Zigaretten zu 5 Franken die Packung gibt es bei PM und Japan Tobacco International (JTI) praktisch das ganze Jahr über. British American Tobacco (BAT) wiederum verkaufte zum Dumpingpreis von 5.50 Franken einfach drei unterschiedliche Verpackungen nacheinander: zuerst Parisienne Budget, dann Parisienne Kompost und schliesslich Parisienne Amateur.

Nun werden Marlboro und Chesterfield also dauerhaft billiger. Durch die Preissenkung muss PM dem Bund allerdings prozentual mehr Steuern pro verkaufte Marlboro abliefern: Die Steuerbelastung steigt von rund 64 auf 68,5 Prozent. Philipp Morris nimmt also eine beträchtliche Reduzierung seiner Marge in Kauf.

Interpellation für Mindestverkaufspreis

Im Bundesamt für Gesundheit ist man über die Preissenkung wenig erfreut: «Billigzigaretten oder starke Senkungen des Verkaufspreises von Markenzigaretten untergraben die Bemühungen der Prävention», sagt Amtssprecherin Mona Neidhart. Der Preis sei das wirksamste Präventionsinstrument: «Preissenkungen unterlaufen den positiven Effekt eines hohen Zigarettenpreises auf Raucher, die aufhören wollen, sowie auf Jugendliche, welche aufgrund des Preises nicht mit dem Rauchen beginnen.»

Billige Zigaretten waren vor knapp einem Monat auch Thema im Ständerat, wo die Zürcher Ständerätin Verena Diener in einer Interpellation einen Mindestverkaufspreis angeregt hatte. Diener hatte darauf hingewiesen, dass Rabattaktionen in den meisten europäischen Ländern aus gesundheitspolitischen Gründen verboten sind. Selbst ihr Obwaldner Ratskollege Hans Hess sprach sich als Präsident der Schweizer Tabakhändler gegen Aktionen aus: «Reisserische Preise passen nicht zu diesem Produkt, bei dem sich die Konsumenten der damit verbundenen Gefahren bewusst sein müssen.»

Konkurrenz setzt auf Aktionen

In seiner Antwort wies Bundesrat Hans-Rudolf Merz darauf hin, dass für die Festsetzung eines Mindestverkaufspreises die Gesetzesgrundlage fehle. Eine solche müsse man zuerst über eine Initiative schaffen – mit ungewissen Aussichten auf Erfolg. Ein Verbot von Rabattaktionen wiederum könnte vermehrt dauerhafte Preissenkungen auslösen, was aus Sicht der Prävention kontraproduktiv wäre.

BAT Switzerland, mit 42 Prozent Marktanteil die Nummer zwei in der Schweiz, will die Preise nicht dauerhaft senken. «Es ist nicht unsere Strategie, Produkte unter 6.50 Franken zu verkaufen, die als Basis für den Mindeststeuersatz gelten», sagt Sprecherin Audrey Guibat. Der Wettbewerb sei deutlich härter geworden, BAT schütze seine Marktanteile mit Promotionen.

Bei der Nummer drei JTI (15,5 Prozent Marktanteil) stellt man fest, dass die Krise die Preissensitivität erhöht habe. «Der Konkurrenzkampf spielt sich aber vor allem bei den Marken ab, wo die Hersteller um eine kleinere Zahl von Raucherinnen und Rauchern kämpfen», sagt Sprecher Sadi Brügger.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 19.12.2009, 08:18 Uhr

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