Wirtschaft

«Martin Gloor wirkte wirr»

Von Vincenzo Capodici. Aktualisiert am 09.12.2011 3 Kommentare

Der Chef eines Internet-Start-ups erzählt, wie er vom mutmasslichen Millionenbetrüger Martin Gloor und seiner Firma Core Capital kontaktiert wurde. Es war ein seltsames Erlebnis.

1/4 Martin Gloor, suspendierter Präsident des Rennvereins Zürich (RVZ) und Chef der Private-Equity-Firma Core Capital Partners in Zürich.

   

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Der Fall Gloor

Untersuchungshaft für Gloor – noch mehr Geschädigte

Martin Gloor, CEO von Core Capital in Zürich und Präsident des Rennvereins Zürich, ist heute in Untersuchungshaft genommen worden. Er steht im Verdacht, Gelder, die in Start-up-Firmen fliessen sollten, für eigene Zwecke abgezweigt zu haben. Dabei soll Gloor die Investoren arglistig getäuscht haben. Die fragwürdigen Transaktionen seien über ein Konstrukt namens CC PEP getätigt worden, berichtete die «Neue Zürcher Zeitung» in der gestrigen Ausgabe. Zu den Konti von CC PEP, die auf Bermuda gemeldet seien, habe lediglich Gloor Zugang gehabt. Core Capital beziehungsweise CC PEP sollen zurzeit an sieben Start-up-Unternehmen in der Schweiz beteiligt sein.

In seiner Selbstdarstelllung war Gloor gar nicht bescheiden. Dies zeigt zum Beispiel das Firmenporträt im Finanzmarkt-Führer von CTI Invest, einer Stiftung zur Förderung des Unternehmertums. Darin preist Gloor seine Firma als «A glamorous location for HNWI» an. HNWI bedeutet «High Net Worth Individual» und steht für besonders finanzkräftige Personen.

Einer der Rechtsanwälte der mutmasslich geschädigten Investoren nannte Anfang Woche eine Deliktsumme von mindestens zehn Millionen Franken. Laut Informationen von Tagesanzeiger.ch/Newsnet haben sich inzwischen weitere Geschädigte gemeldet. Anlässlich der Festnahme von Gloor war noch von einem halben Dutzend Geschädigten die Rede gewesen. Die vorgeworfenen Unregelmässigkeiten betreffen nur die Geschäftstätigkeit des Financiers. Der Rennverein, den er seit März 2011 präsidierte, war nicht betroffen.

Die Zürcher Oberstaatsanwaltschaft wollte auf Anfrage weder zum laufenden Verfahren noch zu Medienberichten Stellung nehmen. Im mutmasslichen Betrugs- und Veruntreuungsfall ist derzeit nur Gloor selber im Gefängnis. Laut NZZ befragte die Staatsanwaltschaft den Finanzchef von Core Capital. Nach anfänglichem Verdacht, in die umstrittenen Transaktionen verwickelt zu sein, wurde aber von einer Festnahme abgesehen. (vin)

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Der Gründer und Chef eines bekannten Schweizer Internet-Start-ups ist vor knapp vier Jahren von der Zürcher Private-Equity-Firma Core Capital telefonisch kontaktiert worden. Der Anrufer war der am Montag verhaftete Martin Gloor, CEO von Core Capital, Financier und Präsident des Rennvereins Zürich (RVZ). «Martin Gloor wirkte wirr», wie der Internet-Unternehmer Tagesanzeiger.ch/Newsnet erzählt.

Den Eindruck anderer Leute, dass Gloor überzeugend wirke, könne er überhaupt nicht teilen. Auch sei das grossspurige Auftreten von Gloor aufgefallen: «Unter fünf Millionen Franken wollte er gar nicht investieren.» Der Internet-Unternehmer, der seinen Namen nicht veröffentlicht haben will, und Core Capital kamen jedenfalls nicht ins Geschäft.

Vorbestrafter Topmanager im Verwaltungsrat

Einen Monat nach dem Telefongespräch mit Gloor meldete sich die Core Capital nochmals beim Chef des Internet-Start-ups – diesmal mit einem E-Mail. Der Absender war MM (Name der Redaktion bekannt). MM fungierte als Verwaltungsrat der im Februar 2007 gegründeten Core Capital, die heute ihren Sitz an bester Lage an der Zürcher Bahnhofstrasse hat. MM war einst Topmanager bei der renommierten Beratungsgesellschaft Ernst & Young. Diesen Job musste MM abgeben, nachdem er wegen des Verdachts des Insiderhandels ins Visier der Justiz geraten war. MM soll im Zusammenhang mit dem Börsenrückzug eines Konzerns dank Insiderwissen Geld gemacht haben. Das Zürcher Bezirksgericht verurteilte MM zu einer bedingten Gefängnisstrafe von zwei Monaten.

In der Firma Core Capital waren also mit MM und Gloor zwei Geschäftsleute zusammengekommen, die mit dem Gesetz in Konflikt geraten waren und bestraft wurden. Wie das TV-Nachrichtenmagazin «10vor10» anlässlich der Festnahme von Gloor berichtete, war dieser bereits zweimal wegen Betrugsdelikten verurteilt worden – in Monaco und in Zug. MM, der im Februar 2007 zu Core Capital gestossen war, trat im Januar 2009 aus dem Verwaltungsrat der Private-Equity-Firma von Gloor zurück.

Ex-Verwaltungsrat mag nicht über Fall Gloor sprechen

«Wir hatten strategische Unstimmigkeiten», sagte MM am Donnerstag auf Anfrage von Tagesanzeiger.ch/Newsnet zu seinem Abschied von der Gloor-Firma. Weshalb Gloor verhaftet worden sei, könne er sich nicht erklären. Weitere Fragen mochte der einstige Verwaltungsrat von Core Capital nicht beantworten. Abrupt brach MM das Telefongespräch ab.

Welche Rolle spielte MM bis zu seinem Ausscheiden vor knapp zwei Jahren in der Firma von Gloor? Der eingangs erwähnte Gründer eines Schweizer Internet-Start-ups, der 2008 eine E-Mail von MM erhalten hatte, zitiert aus dem damaligen Schreiben. «In der internen Arbeitsteilung betreue ich persönlich die Kunden bis zur Investmentdurchführung», liess MM wissen. Auch diese Kontaktaufnahme führte zu keinem Geschäftsabschluss zwischen dem Internet-Unternehmer und Core Capital.

Auch hochrangige UBS-Kaderleute im Umfeld von Gloor

Neben MM, der als gewiefter Investor bei Start-up-Unternehmen gilt, standen der Core Capital auch andere einflussreiche Leute aus der Finanzwelt nahe, so zum Beispiel ein hochrangiger Kadermann der UBS. Der Jurist CL war bis Ende 2010 im Verwaltungsrat der Gloor-Firma, dem er eineinhalb Jahre angehört hatte. Die Finanznews-Webseite «Inside Paradeplatz» beleuchtet in einem heute veröffentlichten Artikel die «UBS-Connection des Pferde-Bankers». Dabei gibt es auch personelle Verbindungen zum Rennverein Zürich (RVZ), der Gloor im letzten März zu ihrem Präsidenten wählte.

Gemäss den bisherigen Erkenntnissen haben die früheren Verwaltungsräte von Core Capital nichts mit den Vorwürfen gegen den einstigen Geschäftspartner Gloor zu tun.

Ehemaliger Staatsanwalt verteidigt Gloor

Dem 43-jährigen Gloor wird vorgeworfen, er habe jeweils Investoren für die Unterstützung von Start-up-Firmen gesucht, die zur Verfügung gestellten Gelder dann aber in seine eigene Firma fliessen lassen. Der frühere Amateurrennreiter und Financier ist inzwischen in Untersuchungshaft genommen worden. Der Haftrichter hat dies auf entsprechenden Antrag des Staatsanwalts angeordnet. Der Grund für die maximal dreimonatige U-Haft ist Kollusionsgefahr, wie die Staatsanwaltschaft mitteilte.

Gloors Verteidigung hat Arno Thürig übernommen, ein früherer Staatsanwalt des Kantons Zürich, der inzwischen eine eigene Anwaltskanzlei in Luzern betreibt. Thürig kennt sich in Fragen der Wirtschaftskriminalität bestens aus. Von 1999 bis 2008 wirkte er als Staatsanwalt für Wirtschaftsdelikte, unter anderem führte er die Ermittlungen in der Swissfirst-Affäre. Dann wechselte Thürig für zwei Jahre als Forensic-Direktor zur Beratungsgesellschaft KPMG.

Als Staatsanwalt und Ankläger hatte Thürig vor sechs Jahren am Zürcher Bezirksgericht schweizweit die erste Verurteilung in einem Insiderfall erreicht. Der Verurteilte war MM, zuvor Topmanager bei Ernst & Young und später Verwaltungsrat der Gloor-Firma Core Capital. Für Gloor gilt weiterhin die Unschuldsvermutung. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 09.12.2011, 16:08 Uhr

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3 Kommentare

Alfred Schuster

09.12.2011, 16:31 Uhr
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