Wirtschaft
Massiver Preisaufschlag ärgert Postfinance-Kunden
Von Romeo Regenass. Aktualisiert am 03.12.2012 250 Kommentare
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Der Ärger des TA-Lesers ist gross: «2013 wird Postfinance zur Bank. Offenbar will sie sich auch verhalten wie eine Bank.» Auch in der Radiosendung «Espresso» liessen Hörerinnen und Hörer ihrer Entrüstung über die höheren Gebühren freien Lauf: «unchristlich» und «willkürlich» seien diese.
Es ist nicht der erste Aufschrei, den die Post erlebt: 1999 führte sie auf dem zuvor kostenlosen gelben Konto eine monatliche Gebühr von 3 Franken ein. 2004 kamen Sets mit unterschiedlichen Bedingungen: das Privatset mit Privat- und Sparkonto für 4 Franken pro Monat, das Onlineset für 2 Franken und das Privatkonto für 3 Franken. Damals argumentierte die Post, man woll die Kosten verursachergerecht verteilen.
Damit ist es jetzt vorbei: «Mit dem neuen Kontoangebot stellen wir alle Kunden gleich», sagt Postfinance-Sprecher Marc Andrey. «Es gelten die gleichen Preise, egal ob Papier- oder Online-Kunden.» Ab 2013 gibt es für Normalsterbliche nur noch ein Privatkonto. Kostenpunkt: 60 Franken im Jahr. Ausser, man hat 7500 Franken oder mehr bei der Post. Dann bleibt die Kontoführung kostenlos. Erklärtes Ziel von Postfinance ist schliesslich, für immer mehr Kunden zur Hauptbank zu werden.
Geht die Rechnung auf?
Ob die Rechnung aufgeht? Die Preispolitik jedenfalls ärgert so manchen – am meisten die Onlinekunden. Sie nehmen der Post schon lange die Arbeit ab und verursachen weder Druck- noch Versandkosten. Eine Kooperation, die der Post wenig wert zu sein scheint: Zuerst schlug das Onlineset von 2 auf 3 Franken pro Monat auf. Nun steht der Sprung auf 5 Franken bevor – ein Plus von 66 Prozent.
Postfinance-Sprecher Andrey begründet die Preiserhöhung einerseits mit einer massiven Zunahme der regulatorischen Kosten, andererseits mit neuen Zusatzleistungen, auch für Onlinekunden. «Unsere App kann innert Sekunden Geld auf das Konto eines Empfängers transferieren – kostenlos. Einzahlungsscheine werden gescannt, das Eintippen der Daten fällt weg.» Seit Jahren sei Postfinance zudem rund um die Uhr erreichbar, eine kostenlose Finanzplanungssoftware gehöre zum Angebot. Schliesslich sei auch die Postfinance Debitcard weiterhin gratis.
Extragebühren im Ausland
Daran ist nichts falsch. Nur: Was nützt das einem, der davon nichts nutzt? 2004, als Postfinance noch das Prinzip der Verursachergerechtigkeit bemühte, waren laut Unternehmensangaben in der «Basler Zeitung» 60 Prozent der Kunden nicht kostendeckend. Heute gibt man sich zugeknöpft: «Das sind interne Zahlen, die wir nicht bekannt geben», heisst es. Auch über die Zusatzeinnahmen ist nichts in Erfahrung zu bringen. «Budgetrechnungen geben wir ebenfalls nicht bekannt.» Laut Andrey hat Postfinance aktuell 2,6 Millionen Privatkunden. «Für viele ergibt sich eine Preiserhöhung von 1 oder 2 Franken. Für viele wird es aber auch günstiger.» In den 5 Franken pro Monat seien Dienstleistungen inbegriffen, die vorher kostenpflichtig waren.
Wie viele Privatkunden unter 7500 Franken auf dem Konto haben, gibt das Unternehmen ebenfalls nicht bekannt. Konservativ geschätzt fliessen Postfinance aber mindestens 10 Millionen zusätzlich zu. Der Finanzarm der Post ist bereits heute hochprofitabel: In den ersten neun Monaten stieg das Betriebsergebnis von 464 auf 497 Millionen.
Postfinance baut nicht nur das Kontoangebot um, sie erhöht auch die Gebühren für Auslandschweizer massiv. Zusätzlich zur Kontoführung zahlen diese ab Januar 2013 eine vom Wohnsitz abhängige Extragebühr: In Nachbarstaaten macht sie 60 Franken pro Jahr und Konto aus, im restlichen Ausland gar 120 Franken pro Jahr und Konto. Insgesamt zahlt zum Beispiel eine in Dänemark wohnhafte Schweizerin 180 Franken – auch wenn sie alles online macht.
Ausland ist nicht gleich Ausland
Laut Postfinance haben die Kosten, die Kundinnen und Kunden mit Domizil im Ausland verursachen, vor allem aus regulatorischen Gründen stark zugenommen. «Dieser zusätzliche Aufwand war bisher nicht gedeckt», heisst es. Das im Inland abgeschaffte Verursacherprinzip kommt hier also wieder zum Zug.
Die unterschiedlichen Preise erklärt Andrey damit, dass das benachbarte Ausland zum erweiterten Marktgebiet von Postfinance gehört. «Der Rest der Welt gehört hingegen nicht dazu.» Der regulatorische Aufwand für Nachbarstaaten könne darüber hinaus auf viel mehr Kunden verteilt werden als jener im restlichen Ausland. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 03.12.2012, 06:36 Uhr
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