Matura abgebrochen und dann durchgestartet

Sein Ego ist gross, genau wie sein Erfolg. Er gewinnt einen Filmpreis, reist nach LA und New York, doziert und berät CEOs. Wer ist der Berner Nino Ruef?

«Die Zeiten haben sich geändert»: Multitalent Ruef an seinem Arbeitsplatz in der heimischen Wohnung.

«Die Zeiten haben sich geändert»: Multitalent Ruef an seinem Arbeitsplatz in der heimischen Wohnung. Bild: Manuel Geisser

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Nino Ruef ist ein meisterhafter Verkäufer. Und er verkauft am liebsten sich selbst. Als Filmemacher. Als Moderator. Als Musiker. Besucht man seine Website, findet man spektakuläre Bilder, findet seine Videoberichte von «hinter den Kulissen der Entertainment-Industrie» und wenn man ihn schliesslich trifft, erwartet man einen jener neuen Internetstars, die es ohne Produktionsfirma im Rücken nach oben geschafft haben.

Man sitzt ihm gegenüber, und er sagt Sätze, die mit «Ich musste auch lernen, dass . . .» anfangen oder mit «Ich komme ja eher aus der Unterhaltungsbranche, aber . . .». Und man pendelt zwischen dem Drang, ihn als arrogantes Bürschchen abzustempeln, und der Bewunderung darüber, wie unorthodox er seine Ziele erreicht.

Der Erfolg gibt ihm recht

Nüchtern betrachtet ist Nino ­Ruef ein 19-Jähriger mit Bart und langen Haaren, er ist aufgewachsen in Oberried am Brienzersee und hat bis im Sommer in Bern gelebt. Die Matura hat er abgebrochen, seither macht er dies und das, moderiert Anlässe, produziert Werbefilme und Musik­videos, berät Firmen im Umgang mit Social Media. Wie es angefangen hat? Ruef weiss es selber nicht so genau.

Über Beziehungen wurde er Videoproduzent beim Berner Onlinemagazin Journal B. Der Band «Eluveitie» gefielen seine Filme – sie engagierte ihn. Es folgten«77 Bombey Street» und auch «The Baseballs». Heute tritt Nino Ruef meist mit seiner Freundin, Schauspielerin Shannon Staller, auf.

Die neue Wohnung der beiden wirkt noch uneingerichtet, bis auf Ruefs Arbeitsplatz, der umrahmt ist von vier Bildschirmen. Der Vorhang zeigt die Skyline von New York und verdeckt eine graue Fassade von Zürich. Wer sagt, das sei doch kein seriöser Werdegang, dem antwortet Nino Ruef: «Sorry, but the time has changed.» (Die Zeiten haben sich geändert).

Und der Erfolg gibt ihm recht. Nicht nur, weil seine Aufträge immer grösser werden. Ruef hat seine Beratungsfirma, die Nino Ruef Group, und die kleine Produktionsfirma Time Studios Entertainment. Ruef trat zuletzt als jüngster CEO beim Finanzforum CFO auf, wo er den Firmenchefs Facebook und Youtube erklärte.

Und im vergangenen November stieg er bei der grössten europäischen Horrorfilm-Convention auf die Bühne, um ein angerostetes Sägeblatt entgegenzunehmen. Mit dem Film «Lonely Weekend» haben er und Staller in der Kategorie Kurzfilm den ersten Platz geholt. Ruef kramt das Skript für den Film hervor, das seine Freundin während eines Flugs auf zwei Kotztüten gekritzelt hat.

«Man weiss halt nie, wo man die besten Ideen hat», sagt er. Im Haus von Stallers Eltern haben sie den Film an einem Wochenende gedreht. Die Jury war überzeugt, und Ruef unterhielt sich lange mit Tobin Bell, dem Hauptdarsteller in den Saw-Filmen: «Es hilft, frech zu sein.»

Normal ist nicht sein Ding

Aber was will er eigentlich? Wohin führt sein Weg? «Ich kann und will das noch nicht definieren», sagt Nino Ruef. Gerade das sei doch der Vorteil der heutigen Zeit: Man könne bei so vielen Projekten gleichzeitig involviert sein und müsse sich nie entscheiden. Spezialisieren? Das ist vollkommen out.

Ruef und Staller planen ihren nächsten Horrorfilm, «dieses Mal steht das Skript auf richtigem Papier». Und auch eine Single («Elektro-Pop») möchte Ruef veröffentlichen. Er will nach Los Angeles ziehen, sie lieber nach London. «Ich habe mal versucht, etwas Normales zu machen», sagt er. «Aber das hat irgendwie nicht funktioniert.» (Berner Zeitung)

(Erstellt: 04.01.2016, 07:56 Uhr)

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