Kunden zweifeln Mediapulse-Zahlen an

Die Kunden der Mediapulse AG sind wütend: Sie wollen verhindern, dass die noch nicht publizierten TV-Zuschauerzahlen veröffentlicht werden, bevor externe Experten sie überprüft haben.

Seit Januar warten mehrere Sender auf die Quoten von Mediapulse: Eine Person schaltet durch Fernsehsender. (Archivbild)

Seit Januar warten mehrere Sender auf die Quoten von Mediapulse: Eine Person schaltet durch Fernsehsender. (Archivbild) Bild: Keystone

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Die Umstellung auf ein neues Messsystem für TV-Zuschauerzahlen und ähnliche Daten hat sich für die Mediapulse AG als Debakel entpuppt. Die Kunden zweifeln die für sie zentralen Zahlen an. Nun analysieren Experten die Art und Weise der Messungen von Grund auf.

Das bisherige, auf analoges Fernsehen ausgerichtete Messsystem musste mit einem zeitgemässen neuen System ersetzt werden. Es berücksichtigt auch zeitversetztes Fernsehen und TV-Konsum via Internet. Anfang Jahr erfolgte die Umstellung.

Verwendet wird nun ein Messsystem, das bereits «in 50'000 Haushalten in 30 Ländern» verwendet wird, wie Mediapulse-Verwaltungsratspräsident Marco de Stoppani am Dienstag vor den Medien sagte. In der Schweiz seien 2100 Haushalte angeschlossen.

Probleme mit Datenzuordnung

Die Probleme tauchten mit den ersten Daten auf. Die «Zuordnung der Daten zu den einzelnen Sendern führte zu Ungereimtheiten», so Stoppani. Konkret unterschieden die Messungen also nicht richtig, wenn beispielsweise die gleiche Sendung auf TeleZüri und auf TeleBärn ausgestrahlt werde.

Die Fehlerquelle sei entdeckt und behoben worden, alles wurde in aufwendiger Kleinarbeit nochmals nachgerechnet. Aber noch immer klappte offenbar etwas nicht: Zwischen den Daten von 2012 und jenen von 2013 gab es laut Stoppani «zum Teil erhebliche Unterschiede». Externe Fachleute wurden mit der Analyse des neuen TV-Panels beauftragt.

«Wesentlich stärkere» Reaktion der Kunden

Für die TV-Sender und ihre Werbekunden sind die von Mediapulse erhobenen Zahlen enorm wichtig. Unter anderem aufgrund von diesen Angaben wird über Werbepreise sowie über Beibehalten oder Absetzen von Sendungen entschieden.

Die Reaktionen der Kunden fielen «wesentlich stärker aus als erwartet», drückte Stoppani es aus. Auf Dienstag war die Publikation der ersten Zahlen angekündigt – das kam für die Kunden von Mediapulse aber nicht in Frage.

Am (gestrigen) Montag verlangten sie, damit zuzuwarten, bis das Resultat der externen Expertise vorliege. Wer konkret ein Publikationsverzicht verlangte, sagte Stoppani nicht. Die Forderung sei «von verschiedenen Quellen, mündlich und schriftlich und auch von Anwälten» gekommen. Rechtliche Schritte seien noch nicht eingeleitet, aber in Aussicht gestellt worden.

Experten an der Arbeit

Seit zwei Wochen sind nun zwei international anerkannte Experten an der Arbeit. Sie müssen beurteilen, ob Aufbau und Betrieb des Mediapulse-Panels den internationalen Standards genüge, wie Mediapulse-Geschäftsführer Manuel Dähler erklärte.

Ein dritter, noch nicht bestimmter Experte wird abklären, ob die Abbildung der regionalen Eigenheiten der kleinräumigen Schweiz sachgerecht ist. Die beiden Berichte sollen in der ersten Märzwoche vorliegen. Dann haben die Kunden Gelegenheit, sie zusammen mit den Experten zu begutachten. Bis zur Publikation der Berichte dürfte es Ende März werden, so Stoppani.

Bis die Expertisen vorliegen, wird laut Stoppani weiterhin täglich gemessen, und die Daten werden den Kunden zur Verfügung gestellt. Ob alle sich an die Weisung halten, die Zahlen vorderhand unter Verschluss zu halten, ist fraglich. Stoppani ist sich «der Gefahr, dass die Zahlen doch rausgehen, im Klaren».

Dem Mediapulse-VR-Präsident war es sichtlich peinlich, mit den schlechten Neuigkeiten vor die Medien zu treten. Er nannte es «unangenehm und unpopulär». Zum wiederholten Verschieben von Publikationsterminen in den letzten Wochen räumte Stoppani ein, man habe «suboptimal gehandelt und kommuniziert». Er zeigte sich aber zuversichtlich, dass man «jetzt auf dem richtigen Weg» sei. (kpn/sda)

(Erstellt: 19.02.2013, 10:17 Uhr)

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Keine rechtlichen Schritte

Weder die Fernsehsender noch die Aufsichtsbehörde wollen derzeit rechtliche Schritte gegen Mediapulse einleiten. Angesichts der Probleme bei der Erhebung der TV-Zuschauerzahlen warten sie vorerst die Expertenberichte ab.

Das Bundesamt für Kommunikation (Bakom) steht als Aufsichtsbehörde mit der Mediapulse zur Zeit in intensivem Kontakt, wie Bakom-Sprecherin Caroline Sauser sagte. Es müsse abgeklärt werden, «was gelaufen ist, und wie es weitergeht». Es sei unabdingbar, dass die Messungen funktionierten.

Unbestritten ist für das Bakom die Notwendigkeit, das alte System durch ein neues, zeitgemässes zu ersetzen. Nachdem alle Gremien das sei Anfang Jahr angewendete als gut befanden und es auch bereits im Ausland eingesetzt werde, sei man davon ausgegangen, dass es sich eigne. Man habe aber «nicht die nötigen Fachkenntnisse», um zu beurteilen, ob es das beste sei.

Es gelte nun, auf die angekündigten Expertisen zu warten. Dann zeige sich, wo die Probleme lägen, so Sauser. Je nachdem schaue man dann, was zu tun sei. Zurzeit stehe ein Verfahren gegen Mediapulse nicht zur Diskussion. (sda)

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