Wirtschaft

Bericht sorgt für Panikverkäufe bei Commerzbank-Anleger

Aktualisiert am 22.11.2011

Die Aktie der Commerzbank hat innerhalb weniger Stunden 15 Prozent an Wert verloren. Grund ist die Spekulation um eine Verschärfung der Bankenregulierung. Der deutschen Grossbank würden Milliarden fehlen.

Würde eine Erhöhung der Eigenkapitalquote kaum verkraften: Hauptsitz der Commerzbank in Frankfurt.

Würde eine Erhöhung der Eigenkapitalquote kaum verkraften: Hauptsitz der Commerzbank in Frankfurt.
Bild: Keystone

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Schwarzer Tag für Commerzbank-Aktionäre: Nach einem Bericht der Nachrichtenagentur Reuters über Kapitalbedarf in Milliardenhöhe hat die Aktie der zweitgrössten deutschen Bank heute massiv an Wert verloren. Bis zum Börsenschluss stürzte das DAX-Papier um rund 15 Prozent auf 1,15 Euro ab.

Heute waren Spekulationen aufgekommen, wonach die Europäische Bankenaufsicht EBA die Stellschrauben für die grossen Kreditinstitute noch einmal anziehen könnte. «Es wird erwartet, dass die EBA ihre Regeln zum Rekapitalisierungsbedarf der Banken noch einmal verschärfen wird», sagte Konrad Becker, Analyst bei Merck Fink, der Nachrichtenagentur AFP. Erst im Oktober hatten die Aufseher die Anforderungen an die grossen Banken erhöht und die geforderte Eigenkapitalquote auf neun Prozent angehoben.

Bis 5 Milliarden Euro im Minus

Die Commerzbank war davon ausgegangen, für diesen Risikopuffer noch 2,9 Milliarden Euro beschaffen zu müssen, wie sie im Oktober mitgeteilt hatte. Sie hatte geplant, dieses Geld ohne Kapitalerhöhung oder staatliche Hilfen zusammenzubekommen. Sollte die EBA aber die Anforderungen an das harte Kernkapital verschärfen, könnten der Bank bis zu fünf Milliarden Euro fehlen, lauteten heute die Gerüchte.

Dass sie fünf Milliarden Euro ohne Kapitalerhöhung zusammenbekommen könne, sei «schwer vorzustellen», sagte ein Analyst, der nicht namentlich genannt werden wollte, der Nachrichtenagentur AFP. Auch Merck-Fink-Analyst Becker bestätigte «Befürchtungen, dass die Bank das nicht allein schafft» und eine neue Kapitalerhöhung in Angriff nehmen müsse - «eventuell auch wieder mit Hilfe der Bundesregierung». Die Commerzbank selbst wollte sich zu den Vorgängen nicht äussern.

Der Finanzexperte der FDP-Bundestagsfraktion, Frank Schäffler, forderte im «Tagesspiegel», die Bank im Zweifel zu zerschlagen, «wenn sie ihre Probleme nicht lösen kann». Es fehle an einer Strategie, wie das teilverstaatlichte Institut wieder vollständig in private Hände komme. Neuerliche Staatshilfen seien da der falsche Weg. «Das entwickelt sich zu einem Fass ohne Boden», sagte Schäffler.

Erst im Juni hatte die Commerzbank erfolgreich eine Kapitalerhöhung abgeschlossen und damit elf Milliarden Euro eingenommen. Mit dem Geld zahlte sie einen Grossteil ihrer Verbindlichkeiten beim Staat zurück. Der Bund war Anfang 2009 mit 18,1 Milliarden Euro an stillen Einlagen bei der Commerzbank eingestiegen. Er hält darüber hinaus noch immer 25 Prozent plus eine Aktie an dem Unternehmen.

Bei einer Kapitalerhöhung geben Banken zusätzliche Aktien aus, um sich so am Markt mit mehr Geld zu versorgen. Das einzelne Papier «verwässert» aber dadurch, das heisst, es verliert an Wert.

(mrs/AFP/dapd)

Erstellt: 22.11.2011, 18:17 Uhr

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