Wirtschaft

Medienfusion: «Eine Schweizer Lösung ist für unser Land viel besser»

Interview: David Vonplon. Aktualisiert am 03.03.2009 3 Kommentare

In der Schweizer Medienbranche kommt es zur Elefantenheirat: Tamedia übernimmt Edipresse. Laut Pietro Supino, VR-Präsident der Tamedia, folgt der Zusammenschluss der industriellen Logik: Nur so könne man ausländischen Unternehmen die Stirn bieten.

«Befürchtungen sind unbegründet»: Pietro Supino, Verwaltungsratspräsident der Tamedia.

«Befürchtungen sind unbegründet»: Pietro Supino, Verwaltungsratspräsident der Tamedia.

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Herr Supino, das Medienhaus Tamedia scheint unersättlich: Nach der Espace Media Group hat es sich nun auch Edipresse einverleibt. Ist Ihr Hunger damit gestillt?
Der Zusammenschluss von Tamedia und Edipresse hat eine industrielle Logik. Er soll unsere wirtschaftliche Basis stärken, um unser Geschäft mit den traditionellen Medien weiterzuentwickeln. Bei den neuen Medien, wo wir uns in einem harten Konkurrenzkampf befinden, eröffnen sich uns damit ebenfalls neue Perspektiven und Angebote.

Kann ein Unternehmen eine so rasche Expansion überhaupt verkraften?
Das ist in der Tat eine sehr grosse Herausforderung. Deshalb sind wir froh, dass der Zusammenschluss mit Edipresse nicht jetzt stattfindet, sondern in Etappen. Die Fusion wird erst in vier Jahren abgeschlossen sein. Das gibt uns Zeit, den Zusammenschluss sorgfältig zu realisieren. Und auch das Medienhaus noch besser kennen zu lernen.

Politiker von links bis rechts sehen nun die Meinungsvielfalt in Gefahr.
Die Befürchtungen sind unbegründet. Die redaktionelle Unabhängigkeit der einzelnen Titel wird selbstverständlich weiterhin gewahrt. Zumal die Organisation unserer Medien dezentral bleiben wird.

Fürchten Sie nicht, dass die Wettbewerbskommission Ihnen einen Strich durch die Rechnung machen wird?
Nein. Wir gehen davon aus, dass der Zusammenschluss genehmigt wird. Aus politischer Sicht gilt es zu bedenken, dass die Alternative eine Übernahme durch ein ausländisches Unternehmen gewesen wäre. Eine Schweizer Lösung ist für unser Land viel besser.

Weshalb?
Nur wenn Schweizer Unternehmen eine kritische Masse erreichen, sind sie in der Lage im neuen Medienangebot mit Internet und Fernsehen der ausländischen Konkurrenz die Stirn zu bieten. Im Onlinemarkt besitzen die Schweizer Medienunternehmen aber für sich allein nicht die kritische Masse, um nachhaltige Angebote zu entwickeln.

Werden nun die Zürcher in Lausanne das Sagen haben?
Nein. Die Idee hinter dem Zusammenschluss ist die Schaffung eines nationalen Medienunternehmens. Tamedia wird sich verändern: Erst waren wir ein Zürcher Unternehmen, dann nach dem Zusammenschluss mit Espace Media Group und der Übernahme der Thurgauer Zeitung ein Deutschschweizer Unternehmen, und in Zukunft wird Tamedia ein nationales Unternehmen sein. Ein Symbol in diese Richtung ist, dass wir Edipresse-Verleger Pierre Lamunière eingeladen haben, dem Verwaltungsrat beizutreten. Und längerfristig werden wir weitere Vertreter aus der Romandie in den Verwaltungsrat aufnehmen.

Der Medienmarkt in der Westschweiz funktioniert ganz anders als der Deutschschweizer.
In der Tat herrscht in der Romandie eine andere Kultur. Die kulturelle Distanz zwischen Zürich und Lausanne ist nicht zuletzt wegen der Sprachbarriere weit grösser als zwischen Zürich und Bern. Es bestehen aber auch viele Gemeinsamkeiten. So gibt es zwischen Edipresse und der Tamedia eine glückliche Komplementarität: Wir sind weitgehend in den selben Mediengattungen engagiert, bewegen uns aber nicht in den selben Märkten.

Das Tamedia-Gratisblatt «20minutes» hat es nie geschafft, den Edipresse-Titel «Le Matin bleu» zu überholen. Nun wird «Le Matin bleu» eingestellt – ganz nach dem Motto «If you can't beat them, buy them» (Wenn du sie nicht schlagen kannst, kauf sie auf).
Beide von ihnen angesprochenen Titel waren im Lesermarkt erfolgreich. «Le Matin bleu» hat leicht mehr Leser erreicht, was damit zu tun hat, dass Edipresse für die Leser mehr Aufwand betrieb. Auf dem Anzeigenmarkt aber ist es keinem der beiden Titel gelungen, eine ausreichende Basis zu schaffen. Es ist heute ausgeschlossen, dass es in der Westschweiz Platz hat für zwei Gratiszeitungen.

Ein gutes Argument für die Fusion.
Nein. Der Westschweizer Pendlermarkt ist wohl interessant. Aber die Fusion zwischen Tamedia und Edipresse ist von einer ganz anderen Tragweite. Dem gegenüber sind die Gratiszeitungen in der Westschweiz unbedeutend.

Was passiert mit den Zeitungen «24heures», «Tribune de Genève», Le Temps etc. Beabsichtigen Sie dort eine Mantelzeitung herauszugeben?
Zwischen «24heures» und «Tribune de Genève» bestehen bereits Kooperationen in den Mantelressorts. Im Übrigen aber sind dies Titel, die im Markt als Konkurrenten auftreten – das wird auch in Zukunft so sein.

Dem Vernehmen nach soll das Verlagshaus Edipresse beträchtliche Probleme im In- und Ausland haben. Wird die Tamedia nun radikal restrukturieren?
Wie alle in unserer Medienbranche kämpft auch Edipresse mit der aktuellen wirtschaftlichen Situation. Aber mittel- bis langfristig wird sich dies wieder ändern. Es ist sicherlich nicht unsere Motivation, für unseren Schritt von einer so grossen Tragweite. Edipresse ist kein Sanierungsfall.

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 03.03.2009, 17:08 Uhr

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3 Kommentare

Samuel Wanitsch

03.03.2009, 17:21 Uhr
Melden

A propos Meinungsfreiheit und sogenannte Pressefreiheit in unserem Land: Haben wir nun vielfältige Medieneinfalt oder einfältige Medienvielfalt? Antworten


George Schmidlin

03.03.2009, 19:36 Uhr
Melden

Gute Nacht! Jetzt wird der Einheitsbrei noch grösser! Wenn ich jetzt schon, in den verschiedenen Zeitungen und auch Online die gleiche Meinung mit demselben Wortlaut vorgefuttert bekomme. Die Clevere versteckte Propaganda, a la USA, Monsanto, etc. lässt sich nun noch besser gezielter Platzieren! Und die übrige Schweiz wird nun noch mehr von Zürich aus genötigt! Gute Nacht Antworten



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