Wirtschaft

Merck Serono: Streit um die Liegenschaft

Von Philippe Reichen. Aktualisiert am 08.12.2012 5 Kommentare

Neben dem Milliardär Ernesto Bertarelli feilscht auch der Luzerner Immobilieninvestor Mobimo um das Serono-Areal in Genf. Er hätte den Biotechcampus gern als Mieter.

Umkämpfter Standort: Der Sitz von Merck Serono in Genf. (Archivbild)

Umkämpfter Standort: Der Sitz von Merck Serono in Genf. (Archivbild)
Bild: Keystone

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Am nächsten Freitag wird der deutsche Pharmakonzern Merck (MRK 35.505 0.19%) Serono voraussichtlich informieren, wem er seinen Genfer Sitz verkauft. Der TA hat diese Woche aufgedeckt, dass die Investoren Ernesto Bertarelli und Hansjörg Wyss das Serono-Areal erwerben wollen, um dort gemeinsam mit der ETH Lausanne (EPFL) und der Universität Genf einen Biotechcampus einzurichten, auf dem 100 bis 150 Wissenschaftler arbeiten würden. Bertarelli und Wyss knüpfen das an die Bedingung, dass sie auch den Zuschlag für das Areal erhalten.

Das stösst dem Luzerner Immobilieninvestor Mobimo (MOBN 212.9 0.38%) sauer auf. So sauer, dass der Konzern selbst zum Kaufinteressenten wird. Die Unternehmensspitze von Mobimo befürchtet, dass die Aussagen der Investoren Merck Serono unter Druck setzen und den Wettbewerb verfälschen könnten – was Merck Serono weit von sich weist. «Merck Serono versichert, dass der Verkaufsprozess fair ist und alle Interessenten Zugang zu denselben Informationen haben und denselben Regeln unterworfen sind», sagt Konzernsprecherin Bénédicte Bogh.

Mobimo-Chef Christoph Caviezel hält es für einen Fehler, dass Wyss und Bertarelli ihre Engagements an die Übernahme des Gebäudes knüpfen: «Das Campusprojekt ist interessant und darf nicht davon abhängen, ob die Investoren das Areal kaufen können.» Caviezel versichert: Falls Mobimo das Gelände bekäme, wäre der Campus als Mieter willkommen. In Lausanne arbeite man mit der EPFL schon heute erfolgreich zusammen. Für die Luzerner wäre das Serono-Areal nach dem Flon, einem 55'000 Quadratmeter grossen Lausanner Szenequartier, die zweite grosse Immobilie in der Romandie.

Campus braucht Sicherheit

Der ehemalige Serono-Besitzer Ernesto Bertarelli und Hansjörg Wyss rücken nicht von ihrer Haltung ab: «Den Campus gibt es nur, wenn wir auch das Areal kaufen können.» Bertarellis Sprecher Jörg Neef sagt: «Wir brauchen für das Projekt Biotechcampus langfristig Sicherheit. Die Investoren wollen Areal und Forschungszentrum bewusst aus einer Hand finanzieren, um die Infrastruktur mit der EPFL und der Universität Genf möglichst rasch und nachhaltig nutzen zu können – zu einem über Jahre hinaus tragbaren Mietzins.» Neef bekräftigt, dass Bertarelli und Wyss als «der angewandten Forschung verpflichtete Philanthropen» auftreten würden und mit dem Campus kein Geld verdienen wollen, während ein kommerziell ausgerichteter Immobilienkonzern gegenüber seinen Aktionären verpflichtet sei.

Offiziell kennen die am Serono-Gelände interessierten Investoren ihre Mitkonkurrenten nicht. Allerdings ist die Branche der Schweizer Immobilieninvestoren gut vernetzt. Unklar ist nur, welche Angebote aus dem Ausland abgegeben wurden. Die mit dem Verkauf beauftragte SPG Intercity dürfte die Interessenten demnächst darüber informieren, ob sie auf der Shortlist figurieren. Obschon die Angebote unter Verschluss gehalten werden, können Bieter ihre Offerten bis zuletzt nachbessern. Gemäss TA-Recherchen dürfte der Verkaufspreis für das Serono-Areal bei rund 300 Millionen Franken liegen. Für Bertarelli ist sicher nicht von Nachteil, dass der einstige Serono-Kadermann François Naef heute als Verwaltungsratspräsident für die Schliessung der Merck-Tochter verantwortlich ist und beim Verkauf des Areals wenn nicht entscheiden, so doch zumindest mitreden wird. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 08.12.2012, 08:52 Uhr

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5 Kommentare

René Kocher

08.12.2012, 11:28 Uhr
Melden 21 Empfehlung 1

Es dürfte verständlich sein,dass zwei Investoren mit dem notwendigen Geld für die Immobilien-Investition und einem konkretem Projekt nicht noch einem dazwischengeschalteten Immobilienkonzern eine anständig fette Marge abliefern will,nur um die Liegenschaft nutzen zu dürfen.So fliesst eine unnötige Marge direkt zu Gunsten des Projekts.Das ist eben gerade der Markt,er schaltet Unnötiges aus. Antworten


René Müller

08.12.2012, 11:30 Uhr
Melden 21 Empfehlung 2

Wenn ich Immobilieninvestor lese, läuten bei mir alle Glocken. Also die nette Immobilienfirma würde das Gebäude kaufen, und ohne jeglichen Gewinn an das Campusprojekt vermieten. Und die Aktionäre verzichten grosszügig auf Dividende. Der Weihnachtsmann kam doch am Donnerstag. Antworten



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