Wirtschaft

Merkel zum Opel-Chef: «Dann strengen sie sich mal an»

Angela Merkel macht eine klare Ansage: Opel bekommt in den nächsten 60 Tagen jede Unterstützung des Staates, um einen Investor zu finden. Eine direkte Beteiligung des Bundes sei aber unwahrscheinlich.

Die deutsche Bundeskanzlerin ist verhalten beeindruckt: Angela Merkel besucht die Opel-Zentrale in Rüsselsheim.

Die deutsche Bundeskanzlerin ist verhalten beeindruckt: Angela Merkel besucht die Opel-Zentrale in Rüsselsheim.
Bild: Keystone

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Angela Merkel verspricht Hilfe bei der Suche nach einem Investor (Quelle: Reuters)



«Wir sollten keinen Weg voreilig ausschliessen»

Zur Rettung des Autoherstellers Opel muss sich die Bundesregierung nach Auffassung von Aussenminister Frank-Walter Steinmeier auch die Option einer direkten Staatsbeteiligung offen halten. «Wir sollten keinen Weg voreilig ausschliessen», warnte Steinmeier am Dienstag am Rande einer Afghanistan-Konferenz in Den Haag. Der SPD-Kanzlerkandidat wandte sich damit gegen Bundeskanzlerin Angela Merkel. Die CDU-Vorsitzende hatte zuvor ihre Vorbehalte gegen eine Staatsbeteiligung bekräftigt.

Zum Abschluss ihres Besuchs in der Rüsselsheimer Opel-Zentrale kommt Angela Merkels burschikose Art durch. Gerade hat Opel-Chef Hans Demant der Kanzlerin die Vorzüge des neuen Elektroautos Ampera erklärt, da will sie wissen, ob das Unternehmen die Batterie des Wagens selbst entwickelt. Zusammen mit General Motors, lautet die Antwort. «Na ja», sagt Merkel skeptisch. Und 2011 solle der Wagen auf den Markt kommen, beteuert Demant. «Dann strengen sie sich mal an», entgegnet Merkel forsch.

«Der Blitz, der Blitz, er gibt uns Kraft»

Management und Belegschaft haben nichts unversucht gelassen, um die Kanzlerin bei ihrem Besuch der Opel-Zentrale zu beeindrucken. Der Europachef des Opel-Eigners General Motors, Carl-Peter Forster, führte Merkel durch das Opel-Stammwerk, um ihr die hochmodernen Produktionsanlagen zu zeigen. Ein Kinderchor trat auf, um von den Vorzügen der Marke mit dem Blitz zu singen: «Der Blitz, der Blitz, er gibt uns Kraft, damit ihr Opels Zukunft schafft.»

Rund 3000 Opel-Arbeiter klatschten Beifall, als Merkel in die ehemalige Werkshalle K48 einzog, um eine kurze Ansprache zu halten. «Wir sind Opel» ist auf zahllosen T-Shirts zu lesen. Rund 91'000 Unterschriften, die sich für den Erhalt des Unternehmens aussprechen, kann der Rüsselsheimer Oberbürgermeister Stefan Gieltowski überreichen.

Rettungssignal bleibt aus

Doch das von vielen erhoffte Rettungssignal bleibt aus. Merkel verspricht an diesem Tag nicht, dass die Bundesregierung den Autobauer auf jeden Fall vom Untergang bewahren wird. Immer wieder verweist die Kanzlerin auf die 60-Tage-Frist, die die US-Regierung der Opel-Mutter GM für ein zukunftsfähiges Restrukturierungsprogramm gesetzt hat: «So wie in den nächsten 60 Tagen die Weichen für GM gestellt werden, so muss Opel auch auf Füsse gestellt werden, die am Ende nicht zusammenbrechen wie ein Kartenhaus.»

Der Staat werde «in diesen 60 Tagen Opel unterstützen, wo immer das nötig wird», betont Merkel. Sie hat sich die vom hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch entworfenen Lösung zu eigen gemacht: Ein privater Investor soll bei Opel einsteigen und das Unternehmen so retten. Dieses private Investment könnten Bund und Länder für mehrere Jahre über Bürgschaften absichern. Eine direkte Beteiligung des Staates wie ihn die SPD, aber auch der Opel-Betriebsrat fordern, kommt darin nicht vor. Offen liess Merkel, was passiert, wenn innerhalb der nächsten 60 Tage kein privater Investor gefunden wird.

Koch macht am Dienstag erneut deutlich, dass er überzeugt ist, einen privaten Investor für Opel finden zu können. Die Lösung lasse sich nicht in Verstaatlichung, sondern nur in einer freien Wirtschaftsordnung finden: «Ich bin sicher, dass wir es schaffen können.»

«Die Mitarbeiter fühlen sich anerkannt»

Am Ende ihrer Rede wird Merkel mit stehendem Applaus von den Beschäftigten verabschiedet. «Die Mitarbeiter fühlen sich anerkannt», erklärt Nicole Mey, die Sprecherin der Vertrauensleute im Rüsselsheimer Opel-Werk. Die Kanzlerin habe ihr Gespür für die Sorgen der Mitarbeiter deutlich gemacht: «Sie hat deutlich gemacht, dass wir ihre Unterstützung haben, wenn auch leider nicht in Form einer Beteiligung.»

Enttäuscht äussert sich der Frankfurter IG-Metall-Bezirksleiter Armin Schild nach Merkels Auftritt: «Es ist gut, dass sie hier war», sagt Schild. Er habe sich aber ein klareres Bekenntnis zur Rettung von Opel auch durch eine staatliche Beteiligung gewünscht. Schild, der auch im Opel-Aufsichtsrat sitzt und derzeit mit dem Management über schmerzhafte Lohneinschnitte für die Beschäftigten verhandeln muss, will nicht so recht an die Rettung aus der Privatwirtschaft glauben: «Die Christdemokraten zieren sich, den Neoliberalismus aus ihren Köpfen zu verbannen.»

Als «Galgenfrist» bezeichnet Opel-Gesamtbetriebsratschef Klaus Franz die von der US-Regierung eingeräumte Zeit von 60 Tagen, in denen über die Zukunft von GM und damit auch von Opel entschieden werden muss. In diesen Wochen dürften die beteiligten Regierungen nun vor allem einen Fehler nicht machen: «Den Schwarzen Peter hin und her schieben.» (bru/Guido Rijkhoek/ap/)

Erstellt: 31.03.2009, 17:06 Uhr

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4 Kommentare

Daniel Landwehr

01.04.2009, 14:46 Uhr
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Hahaha: Merkel und Co. tragen die Hauptverantwortung für das Desaster und die Arbeiter klatschen schön brav in die Hände wenn die Totengräber auf Betriebsausflug waren... Antworten


Hans Müller

31.03.2009, 18:18 Uhr
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«Dann strengen sie sich mal an» Nett, und sicher stilvoll, wenn man sich mit wenig zufrieden gibt. Da wundern mich die anderen Kakophonien auch nicht mehr. Antworten


Franz Schuler

31.03.2009, 17:48 Uhr
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Hätte Frau Merkel etwas Pioniergeist liesse Sie eine der besten Autonationen der Welt entscheiden auf welche Form von Alternativantrieb man sich einigt um als Staat eine lückenlose Versorgungskette dafür bauen, in Abmachung mit der Privatindustrie die die Fahrzeuge dafür herstellt. Wie John F. Kennedy der anfangs der 60er Jahre auch von der Mondlandung im selben Jahrzehnt durch die USA sprach. Antworten


Peter Waldner

31.03.2009, 17:40 Uhr
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Was - besonders von links - oft verkannt wird ist die Tatsache, dass unabhängige Investoren sich nicht besonders gerne mit dem (meist schwerfälligen, ideologisch belasteten) Staat ins gleiche Boot setzen. Ganz abgesehen davon, dass staatlich geführte oder dominierte Betriebe sich höchst selten mit Ruhm bekleckert haben. Um Opel wär's schade - hoffentlich kriegen sie von GM ihre Patente zurück! Antworten



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