Neue Migros-Herkunftsangabe: «Ostjerusalem, israelisches Siedlungsgebiet»

Der orange Riese kennzeichnet künftig Produkte, die von jüdischen Siedlern in Palästinensergebieten hergestellt wurden. Der Entscheid der Migros wird kritisiert.

Produkte aus israelischem Siedlungsgebiet sollen gekennzeichnet werden: Gemüseregal in der Migros. (Archivbild)

Produkte aus israelischem Siedlungsgebiet sollen gekennzeichnet werden: Gemüseregal in der Migros. (Archivbild) Bild: Keystone

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Wie andere Grossverteiler führt auch die Migros eine Reihe von Produkten, die aus den von Israel besetzten palästinensischen Gebieten stammen. Darunter sind etwa Datteln, Kartoffeln, Früchte, Küchenkräuter oder Soda Club-Geräte. Deren Herkunft soll in Zukunft deklariert werden. Sprich es soll klar gemacht werden, dass die Produkte von Israelis stammen, die ihre Produkte auf Palästinensergebiet vertreiben oder herstellen, wie Migros-Mediensprecherin Monika Weibel gegenüber Tagesanzeiger.ch/Newsnet klar macht.

Heute stammen solche Produkte gemäss Herkunftsangabe schlicht aus «Israel». Tatsächlich kommen einzelne Artikel jedoch aus palästinensischen Gebieten, die von Israel besiedelt sind, etwa in der Westbank oder in Ostjerusalem, wie es in einer Meldung des «Migros-Magazins» vom Montag heisst. Die betreffenden Siedlungen werden von der UNO und vom Bundesrat als völkerrechtswidrig beurteilt.

Kritischer Israelitischer Gemeindeverbund

Herbert Winter, Präsident des Schweizerischen Israelitischen Gemeindebundes (SIG), beurteilt die Massnahme der Migros gegenüber Tagesanzeiger.ch/Newsnet kritisch: «Es ist sehr fragwürdig, wenn die Migros nur Produkte aus der Westbank in dieser Form deklarieren möchte, dagegen Podukte aus anderen Konfliktgebieten keine spezielle Deklaration von der Migros erhalten.»

Bisher konnten die Kunden nicht feststellen, ob die Migros-Produkte aus den illegalen Siedlungen stammen. Darum sollen diese nun mit «Westbank, israelisches Siedlungsgebiet» oder «Gaza, israelisches Siedlungsgebiet» gekennzeichnet werden. Die Migros plant, die neue Deklaration Mitte 2013 einzuführen.

Entscheid beim Kunden

«Wir sorgen damit für Transparenz, damit der Kunde selber entscheiden kann, ob er das Produkt kaufen will oder nicht», sagte Migros-Sprecherin Monika Weibel. Die Produkte ganz aus dem Sortiment zu nehmen, ist für den Grossverteiler jedoch kein Thema. «Die Migros verhält sich politisch neutral. Wir wollen den Kunden die Wahl lassen», sagte Weibel. Schliesslich gebe es kein Verbot, Produkte aus Israel zu importieren.

Für die Erklärung von Bern (EvB) ist die Deklaration von Produkten aus den israelischen Siedlungsgebieten grundsätzlich ein Schritt in die richtige Richtung. Es liege in der Verantwortung der Konsumentinnen und Konsumenten, darauf zu achten, woher ein Produkt komme, und einen bewussten Kaufentscheid zu fällen, sagte Andrea Hüsser von der EvB auf Anfrage. Allerdings müssten diese beim Kauf ohnehin schon zu viele Informationen verarbeiten. Hüsser sieht die Hauptverantwortung darum bei den Unternehmen, ihre Handelspartner auszuwählen und für eine vertretbare Herkunft ihrer Produkte zu sorgen.

Die Gesellschaft Schweiz-Palästina begrüsst den Entscheid der Migros ebenfalls. Die israelischen Siedlungen seien eines der wichtigsten Hindernisse für einen Frieden zwischen den Palästinensern und Israel, heisst es in einer Mitteilung. Gleichzeitig ruft die Organisation die Konsumenten dazu auf, die Transparenz zu nutzen und keine Güter aus israelischen Siedlungen im besetzten Gebiet zu kaufen.

Krisengebiete ausblenden

Sara Stalder, Geschäftsleiterin der Stiftung für Konsumentenschutz (SKS), hält die von der Migros geplante Deklaration hingegen für fragwürdig. Es sei für den Konsumenten verwirrend, nur Produkte aus einem bestimmten Krisengebiet zu deklarieren und alle anderen auszublenden. Stalder spricht sich dafür aus, die Herkunft aller Produkte exakt anzugeben. «Wer sich politisch interessiert, kann seinen Kaufentscheid darauf abstützen», sagte sie der sda.

Coop ist in Sachen Deklaration nach eigenen Angaben schon weiter als die Konkurrenz. Kräuter aus dem Westjordanland würden als solche bezeichnet, sagte Coop-Sprecher Urs Meier auf Anfrage. Ebenso die Soda Club-Geräte, die ausschliesslich im Westjordanland hergestellt würden. Aber auch Meier betont, dass Coop keine Aussenwirtschaftspolitik betreibe und die Kundschaft nicht bevormunde. (mrs/sda)

(Erstellt: 29.05.2012, 12:37 Uhr)

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