Migros mitten im Bio-Clinch

In Deutschland streiten sich Einzelhändler um die Marke Alnatura. Mittendrin steckt die Migros Zürich. Sie ist mit den Streithähnen verbandelt.

Die Migros hat im Bio-Markt gegenüber Coop an Boden gutgemacht. Foto: Gaetan Bally (Keystone)

Die Migros hat im Bio-Markt gegenüber Coop an Boden gutgemacht. Foto: Gaetan Bally (Keystone)

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Sie wollten sich für eine bessere Welt einsetzen. Jetzt streiten sich die Vorzeige-Anthroposophen um die Rechte an einer Bio-Marke. Die Rede ist von drei deutschen Einzelhändlern. Auf der einen Seite stehen der Gründer von Drogeriemarkt DM, Götz Werner (72 Jahre), und der Gründer von Biosupermarktkette Tegut, Wolfgang Gutberlet (72 Jahre). Auf der anderen Götz Rehn (66 Jahre), Chef von Alnatura, die Bio-Produkte herstellt und vertreibt. Die drei Alphatiere mit den grauen Schläfen hatten vor rund 30 Jahren die Marke Alnatura ins Leben gerufen und in den jeweils eigenen Läden verkauft – bis sie eben gegeneinander vor Gericht zogen. Die Gründer von DM und Tegut wollen gewisse Markenrechte zurück.

Der Krach unter den deutschen Einzelhandelsurgesteinen zieht Kreise bis in die Schweiz. Denn Alnatura ist hierzulande bestens bekannt – dank der Migros. Vor drei Jahren lancierte die Migros-Genossenschaft Zürich eine Zusammenarbeit mit Alnatura. Heute betreibt der orange Riese sechs Alnatura-Geschäfte und verkauft die Lebensmittel in den eigenen Supermärkten. Er hat damit im Rennen um die Nummer eins im Bio-Markt gegenüber Konkurrentin Coop an Boden gutmachen können. Alnatura erzielte letztes Jahr in der Schweiz 15 Prozent mehr Umsatz.

Schaden für Alnatura

Und auch die Biokette Tegut ist hier­zulande ein Begriff – ebenfalls seit drei Jahren. Damals hat die gleiche Migros-Genossenschaft Zürich den serbelnden Einzelhändler übernommen.

Heute sitzt da zwar nicht mehr der Gründer und Mitkläger auf dem Chef­sessel, aber das Unternehmen wird immer noch von der Familie Gutberlet geführt – dessen Sohn Thomas leitet inzwischen die rund 280 Supermärkte in Deutschland.

Wie die Migros mit dem Gezänk der in die Jahre gekommenen Detailhandels-Alphatiere umgeht, sagt die Händlerin nicht. Von der Klage sei die Migros Zürich sowie Tegut nicht betroffen, sagte gestern ein Sprecher. Klar ist: Der Streit unter Anthropo­sophen schadete bisher vor allem Alnatura. Die Produzentin von Bio-Produkten hat im bisher wichtigsten Absatzkanal Umsatzverluste hinnehmen müssen; die Drogeriemarktkette DM hat inzwischen eine eigene Bio-Linie auf den Markt gebracht.

Und was die drei Streithähne angeht: Sie werden sich demnächst erneut vor Gericht treffen. Nachdem eine erste Instanz die Klage von DM- und Tegut-Gründer abgelehnt hat, haben diese Berufung eingelegt, wie das deutsche «Handelsblatt» schreibt.

(Tages-Anzeiger)

(Erstellt: 01.02.2016, 23:48 Uhr)

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