Wirtschaft
Migros sorgt für rote Köpfe bei Gewerkschaft
Von Patrik Berger. Aktualisiert am 06.08.2010 30 Kommentare
Urs Peter Naef nahm in der gestrigen Tagesschau auf SF kein Blatt vor den Mund – und fiel seinem Personal in den Rücken. «Wir können unsere Leute schulen, soviel wir wollen. Eine Woche später finden wir schon wieder Früchte und Gemüse mit falschen Herkunftsangaben», sagte der Sprecher der Migros. Er nahm damit Stellung zur Kritik der Kantonschemiker an der schlechten Deklaration von Obst und Gemüse. Dem Personal würden immer wieder Flüchtigkeitsfehler unterlaufen. Zu den meisten Verwechslungen kommt es laut Naef beim Einräumen der Ware.
Reto Moosmann von der Gewerkschaft Unia stehen bei dieser Argumentation die Haare zu Berge. «Das Vorgehen der Migros ist einfach nur billig», sagt er. Die Verantwortung für die Qualität liege ganz klar beim Arbeitgeber. Er müsse das Personal richtig schulen. Für Moosmann haben die Probleme bei der Deklaration von Früchten und Gemüse einen einfachen Grund: «Weil die Migros immer noch billiger verkaufen will, spart der Grossverteiler beim Personal.» Statt mit ausgebildeten Vollzeitkräften würde vermehrt mit Teilzeitlern und Personal auf Abruf gearbeitet. «Diese Leute sind billiger. Die Zeche zahlt der Kunde, die Qualität sinkt», sagt der Gewerkschafter.
«War nicht böse gemeint»
Migros-Mediensprecherin Monika Weibel beschwichtigt: «Die Aussagen meines Kollegen waren nicht böse gemeint.» Wo Menschen in grosser Hektik arbeiten, würden immer wieder Fehler passieren. «Wir schieben die Schuld an den falschen Deklarierungen nicht auf unsere Mitarbeiter», sagt sie. Meistens funktioniere ja alles tiptop. Man könne nichts anderes machen, als das Personal immer wieder darauf hinzuweisen. Zudem werde im Rahmen von anonymen Testkäufen darauf geachtet, dass die Herkunftsangaben in den Auslagen stimmen.
Die Kantonschemiker kontrollierten in einer landesweiten Aktion, wie gut Früchte und Gemüse deklariert werden. Von Februar bis Mai nahmen sie 500 Läden, darunter 104 Migros-Filialen, 105 Coop-Läden, 53 Denner, 42 Volg-Läden und 30 Aldis unter die Lupe. Insgesamt machten sie fast 7000 Stichproben. Die Beamten entdeckten im Offenverkauf von Gemüse und Früchten «grosse Mängel». In zwei von drei Läden mussten sie «Fehler» beanstanden. Bei jedem sechsten Produkt fehlte die Herkunftsangabe. In 96 Fällen war die Bezeichnung ungenau oder ungenügend. In 496 Fällen war das Ursprungsland «falsch» angegeben. Und 333-mal war die mündliche Auskunft des Verkaufspersonals über die Herkunft der Ware nicht überprüfbar. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 06.08.2010, 12:31 Uhr
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30 Kommentare
Das billigste, die faulste Ausrede, dass Personal sei schuld. Die Migros-Verantwortlichen kaufen ein und so verantwortlich Deklarationsvorschriften einhalten. Migrosführung wieder mal versagt. Bin seit vielen Jahren kein Migroskunde mehr. Migros holt in der Saison Früchte/Gemüse aus dem Ausland, z.B, Kirschen aus Ch/DE, es seien Schweizer, im Herbst Aepfel aus Florida oder Neuseeland. Antworten
Hallo Migros? So eine Schuldzuweisung hätte ich nie und nimmer erwartet. Das Profit-Denken hat bei Migros schon lange Grenzen überschritten, welche genau in solchen statements enden! Wenn die Citrone nicht mehr weiter auspressbar ist, flüchtet sich der Grossverteiler in faule Ausreden..... Da hilft selbt die frivolste TV-Werbung nicht mehr für Mehrumsatz. Sozial hat Potential! Antworten
Stellen beim Staat sind krisensicher und wohl bezahlt ! Die Frage ist nur, wie lange der schweizerische Steuerzahler noch gewillt ist, solch absolute unnötige Posten zu finanzieren. Die Hauptsache ist doch, dass "Gemüse und die Früchte" frisch sind, Dem Konsumenten ist es zuzutrauen, dass Dieser die Qualität selbst beurteilen kann und dazu brauchen er keine staatlichen „Schnüfälär“. Antworten
Tiptop dieser Meinung bin ich auch , wenigstens unsere Migros in Buchrain. Gewerkschafter können nicht verstehen dass einer Fachfrau etwas passieren kann? Wo Menschen arbeiten, werden Fehler gemacht. Übrigens als Kundin habe ich Augen im Kopf. Gewerkschafter nicht, haben rote Köpfe (wie spanische Tomaten) an denen man sie erkennen kann..Kaufen nicht, kritisieren nur. In der Tasche keine Lösung. Antworten
Entsetzlich, dieses unqualifizierte Geschwafel dieses Herrn Naef auf Kosten des Personals. Wer hat die Eingangskontrolle vorzunehmen und die Ware zu identifizieren? Wer bestimmt, welche Ware in die Regale kommt bzw. aufgestellt wird? Wer hat die Pflicht und die Kompetenz, Etiketten und Beschriftungen zu erstellen? - Immer die Ware begleitend, versteht sich! Da ist die Leitung eindeutig gefordert. Antworten
Wenn etwas falsch läuft ist immer der kleine Angestellte schuld, nie das Management. Aber halloo???? Wenn trotz Schulungen "soviel wir wollen" regelmässig Falschdeklarationen vorkommen, ist das Schulungspersonal unfähig. Wenn dieses unfähig ist, sind die für das Schulungspersonal verantwortlichen Leute unfähig, usw. Ich weiss, weshalb ich Gemüse seit Jahren nur noch direkt beim Bauern kaufe! Antworten
Da liegt das Problem sicher nicht bei der Geschäftsleitung der Migros. Das Personal, egal wo, ist generell überhaupt nicht mehr motiviert, eine befriedigende Arbeit zu leisten. Inkompetente Beratung und absoluter Minimalismus in Sachen Bedienung ist die Regel. Aber, wer kann wem was verübeln;- wir leben doch in einer Spassgesellschaft ! Antworten
Die Geschäftsleitung der Migros soll sich mal schämen. Sie stellt das falsche Personal ein und gibt dem kleinen Angestellten die Schuld. Was ist das für eine Haltung? Eine Firma kann ihre Leute nicht schulen und nimmt hin, dass Produkte falsch deklariert werden? So schwierig kann das ja nicht sein. Da muss es personelle Konsequenzen geben. Hoffentlich wird nochmals getestet. Da muss was passieren! Antworten
Was Urs Peter Naef da von sich gab, ist ungefähr das Billigste und die bequemste, faulste Ausrede, die gebracht werden kann. Das Personal ist schuld - so so! Interessant wäre zu wissen, wie das Personal geschult wird, und wie die vorgegebenen Deklarationsvorschriften lauten, respektive gehandhabt werden müssen. Hoffentlich nimmt ein/e Personalvertreter/in dazu noch Stellung, das wäre angebracht. Antworten
Solche Probleme gibt es nur in einem sinnlos entfremdeten Wirtschaftssystem. Das kapitalistische Profit- und Konkurrenz-Faustrecht führt zu immer grösseren und unübersichtlichen Strukturen, die das Individuum logischerweise nicht beherrschen kann. Nicht anders als in einer Zentralplan-Diktatur. Lösung: Wirtschaft kleinräumig und direktdemokratisch gestalten. Antworten
Glücklicherweise gibt's auch den Früchte/Gemüse-Markt - dort sind die Produkte frisch und während der Saison von lokalen Erzeugern. Die Grossverteiler haben meist unreif gepflücktes Obst und oftmals "zweifelhafte" Frischprodukte. "Who feeds peanuts gets monkeys" - wer vorallem uninteressierte, sprachunkundige Mitarbeiter anstellt und schlecht entlöhnt, braucht sich über die Folgen nicht wundern. Antworten
Dass die Gewerkschaften über diese Aussage aufregen, kann ich nachfühlen. Und dass das Personal schuld daran ist, glaube ich sowieso nicht. Das wird ganz klar von den Geschäftsleitungen so gewollt! Da die Kunden gerne auf Inland oder nahes Ausland gehen und diese Produkte nicht immer zur Verfügung stehen (oder zu teuer sind...), wird ungenau oder nicht beschildert! Antworten
Falsche/Fehlende Herkunftsangaben sind das Eine. Noch schlimmer finde ich jedoch eine kleine Schale Erdbeeren für 7 Franken, in denen dann zahlreiche angeschimmelte Früchte drin sind. Ich bin bereit 7 Franken zu bezahlen, aber nicht, wenn die Marktleitung dafür sorgt, dass Verdorbenes aussortiert wird. Nur gute Qualität darf teuer sein! Antworten
Dass Migros ihr Personal schlecht behandelt, ist nichts Neues. Dass die Angestellten aber so direkt und unverschämt in die Pfanne gehauen werden wie durch UP Naef in der Tagesschau, ist schlicht daneben und geschmacklos. Als anständige Konsumentin bleibt mir da weiterhin nur der Migros-Boykott! Zum Glück gibt es Alternativen. Antworten
Einmal mehr schiebt die Migros auf eine sehr billige Art und Weise ein internes Problem auf dem Mitarbeiter im untersten Rang ab. Ableiten kann man: a) Der Mitarbeiter hat mehr Verantwortung als sein Chef bewusst ist. b) Schlechte Führung und Vorgesetzte. c) Interne Prozess-Kontrolle fehlen. d) Vorgesezte sind ihr Geld nicht wert. Antworten
Schulung = Information, ABER auch Erklärungen,warum,Wer,was,wann und wo getan werden muss. Das einfache,ES MUSS EINFACH SO SEIN, reicht nicht. Viele MitarbeiterInnen können dies und jenes nicht verstehen und andere wollen nicht. Von den zweit genannten MUSS man sich trennen, sie schaden mehr als sie nützen. Früher wurde GUTEN MITARBEITERN, unter dem Jahr, DER LOHN ERHÖHT geringfügig aber er wurde. Antworten
Früher musste man sich den Markt nur mit Coop teilen und heute gibt es, zum Glück, noch Andere. Die Schuld des beispiellosen Lohndumpings auf die schlecht bezahlten Mitarbeiter abzuschieben, ist eben BILLIG. Ich KMU zahle gut und vor allem gerne für Qualität. Antworten
Mein Favorit in der Migros sind immer noch die aus der Region für die Region Produkte, die häufig schon auf der Verpackung falsch deklariert sind, z.B Kartoffeln aus Israel. Das Kader haftet für die Untergebenen, für ihren Lohn sollen sie auch Verantwortung übernehmen Antworten
Wie so oft liegt die Wahrheit wohl irgendwo dazwischen. Auf der einen Seite hat der Sprecher von Migros Recht: Es gibt immer mehr unzuverlässiges Personal im Lebensmittel Verkauf. Auf der anderen Seite verlangen wir und der Markt auch immer nach "billigen" Produkten. Irgendwo muss eingespart werden. Würde die Migros dieselbe Personalpolitik wie z.B. ein Aldi durchsetzen geäbe es auch wieder Häme! Antworten
Es ist etwas wahres daran -es sind nicht alle Mitarbeitende die Zuverlässigkeit in Person. Da ändert auch eine dauernde Schulung des Personal nicht sehr viel daran, wenn die Bedeutungen des geschulten nicht erkannt werden. Wobei wir unter einer solchen Auflage -und Vorschriftsflut leiden, dass eben dies alles begreifbar ist . Der Hunger wird eh gestillt -mit Früchten aus Spanien oder der CH. Antworten
wer nichts bezahlen will erhält umgehend die entsprechende Gegenleistung in Form von minderer Qualität/schlechterem Service. So einfach ist das. Wir wollen immer den grossen "Deal" machen und glauben dabei noch, dass die Gegenpartei (sprich Verkäufer der Waren) uns dann noch Top Ware resp. einen super Service bieten. Wie blöd kann eigentlich der Mensch sein um sowas zu glauben ? Antworten



Hans Drill
Was als weiters und eines der wichtigsten Themen für den Konsumenten von interesse wäre: ist wirklich alles BIO was mit BIO deklariert ist??? .........jedoch mir fehlt der Glaube. Oder haben Sie schon einmal BIO-Steinpilze gesehen (COOP) oder auf einen Salatfeld 3 Ernten in einem Jahr gesehen ohne chem. Dünger-und Treibmittel?? . Antworten