Miserabler Saisonstart in den Skigebieten

In einigen Regionen ging die Gästezahl um bis zu 30 Prozent zurück. Andere konnten sogar profitieren.

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Was vielerorts bereits gemutmasst wurde, ist nun auch amtlich. Die Schweizer Bergbahnen haben einen katastrophalen Saisonstart erlebt. Zwar stieg die Zahl der Gäste per Ende Dezember um 1,5 Prozent, der Transportumsatz ging aber um markante 11,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr zurück.

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Diese Entwicklungen erscheinen laut einer Mitteilung des Verbandes der Schweizer Seilbahnbranche vom Mittwoch in noch schlechterem Licht, wenn man berücksichtigt, dass bereits die Vergleichsperiode vor einem Jahr infolge des späten Wintereinbruchs deutlich unterdurchschnittlich war.

Damals lag das Gästeaufkommen zum Start der Wintersaison bereits mit 28,2 Prozent im Minus, und der Verkehrsumsatz war damals schon um deutliche 12,9 Prozent zurückgegangen.

«Grüne» Weihnachten

Als Hauptursache für die schlechte Entwicklung in der diesjährigen Wintersaison gibt der Verband den ungewöhnlich schneearmen Dezember 2015 an. Zwar sei der erste Schnee bereits im November gefallen. Danach sei das Wetter jedoch aussergewöhnlich mild gewesen, und bis Ende des Jahres sei auch kein Niederschlag mehr gefallen. Generell galt, dass Skifahren ohne technische Beschneiung nirgends möglich war.

Viele Seilbahnen haben vermehrt Ausflugsgäste mit Einzeltickets befördert und weniger umsatzträchtige Tageskarten verkauft. Das ist neben vereinzelten Preisnachlässen auch der Hauptgrund, weshalb die Zahl der Gäste zwar leicht zugelegt hat, der Umsatz für die Benutzung der Seilbahnen aber deutlich gesunken ist.

Einbruch der Gästezahlen

Die Waadtländer und die Freiburger Alpen mussten einen Einbruch bei den Gästezahlen von fast 30 Prozent hinnehmen. Vielerorts lag für eine Aufnahme des Skibetriebes einfach zu wenig Schnee. Der Verkehrsumsatz ging als Folge der fehlenden Kundschaft um rund 10 Prozent zurück.

In der Region Graubünden nutzten rund 4 Prozent weniger Gäste die Seilbahnen. Die Einnahmen gingen sogar um 14 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum zurück. Im Wallis sackten die Gästezahlen um 3,4 Prozent ab und der Umsatz gab sogar um markante 17,3 Prozent nach.

Andere Regionen hatten dagegen Glück: Die Gästezahlen stiegen etwa in der Ostschweiz um fast 30 Prozent und im Berner Oberland waren rund 22 Prozent mehr Kunden zu verzeichnen. Als Grund für das positive Abschneiden in diesen Regionen gab der Verband an, dass diverse Bergbahnen dieser Gegend vom frühen Schnee im November profitiert haben und an Wochenenden den Betrieb aufnehmen konnten, was vor einem Jahr nicht möglich gewesen war. Die Umsätze sackten in der Ostschweiz allerdings um 5 Prozent ab. Nur das Berner Oberland verzeichnete ein leichtes Plus; die Einnahmen stiegen um 0,2 Prozent.

Hoffen auf Hilfe vom Staat

Der generelle Fehlstart in die Wintersaison lässt auch auf eine angespannte Situation in den Seilbahnbetrieben schliessen. Wie die Zeitung «Südostschweiz» in ihrer Ausgabe vom Mittwoch berichtet, haben zum Beispiel bereits zehn Bergbahnen in Graubünden bei den kantonalen Behörden Gesuche eingereicht, um Entschädigungen wegen Schneemangels zu erhalten. Solche Gelder können Tourismusbetriebe beantragen, wenn sie Kurzarbeit infolge wetterbedingter Kundenausfälle haben. Für die Löhne der Angestellten springt dann die Arbeitslosenversicherung ein.

Zur Beschäftigungslage bei den Schweizer Seilbahnen wollte der Verband auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda keine Angaben machen. Sicher sei allerdings, dass deutlich weniger Aushilfspersonal in der diesjährigen Wintersaison eingestellt wurde.

Einziger Trost bei alldem ist, dass der Schneemangel im Dezember kein Schweizer Phänomen war. In den Skigebieten von Deutschland und Österreich fehlte zum Saisonauftakt das begehrte «Weiss» ebenfalls.

Schneekanonen sorgten in Arosa schon Anfangs Saison für Pistenunterlagen. (sda)

(Erstellt: 06.01.2016, 12:20 Uhr)

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