Misstöne bei EMI
Von Andreas Oldag. Aktualisiert am 05.09.2010 6 Kommentare
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Die neuen Alben schriller Rock- und Popsternchen wie Lily Allen, Katy Perry und Lady Antebellum sind Hits. Sie füllen die Kassen des britischen Musikkonzerns EMI. Unternehmenschef Roger Faxon setzt gezielt auf junge Talente, um die angeschlagene Traditionsfirma aus der Krise zu führen. Doch es ist ein Rennen gegen die Zeit. Die Kreditgeber des Eigners Guy Hands, der EMI zur Boomzeit der Private-Equity-Akquisitionen 2007 für mehr als 6,5 Milliarden Franken übernommen hatte, werden unruhig.
Eine neue Hiobsbotschaft kommt jetzt von der britischen Pensions-Aufsichtsbehörde: Berichten zufolge schätzt sie das Defizit in der Pensionskasse für ehemalige EMI-Mitarbeiter auf bis zu 350 Millionen Franken. Die Behörde will in den kommenden Wochen über entsprechende Massnahmen entscheiden, um EMI gegebenenfalls auch dazu zu zwingen, die Deckungslücke kurzfristig zu schliessen.
Hunderte Millionen gespart
Im vergangenen Geschäftsjahr, das am 31. März endete, schrieb der Musikkonzern einen Verlust von 980 Millionen Franken; im Jahr zuvor belief sich dieser auf 2,75 Milliarden. Konzernchef Faxon will deshalb am harten Sanierungskurs festhalten. Seit 2007 hat die Musiksparte etwa 300 Millionen an Kosten eingespart, 2000 Stellen wurden gestrichen.
Das Überleben der Traditionsfirma hängt aber auch von neuen Finanzspritzen ab. Nachdem Hands’ Beteiligungsgesellschaft Terra Firma bereits zu Jahresbeginn mit 165 Millionen aushelfen musste, kündigte das EMI-Management vor kurzem an, dass für dieses Jahr weitere 40 Millionen notwendig seien. Das Geld werde gebraucht, um Anforderungen des Hauptgläubigers, der US-Bank Citigroup, zu erfüllen, heisst es.
Illegales Herunterladen von Musikdateien
EMI stehe vor beachtlichen finanziellen Herausforderungen, räumte Stephen Alexander ein, Chef der Terra-Firma-Tochter Maltby Holding, unter deren Dach EMI seit 2007 geführt wird. In den Jahren 2014 bis 2017 müssen 4,5 Milliarden an Schulden zurückgezahlt werden. EMI hat in den vergangenen Jahren viele prominente Künstler verloren. So verliessen beispielsweise die Rolling Stones das Label – EMI-Eigentümer Hands beklagte sich darüber, dass viele der unter Vertrag stehenden Musiker faul seien.
Das eigentliche Problem sind jedoch die strukturellen Verschiebungen am Markt. Illegales Herunterladen von Musikdateien im Internet und der Preisverfall beim Tonträgergeschäft machen der gesamten Branche zu schaffen. Hands’ Schätzung zufolge sind 95 Prozent aller weltweiten Musik-Downloads illegal.
Erschwerend hinzu kommt, dass Terra Firma mit dem EMI-Hauptgläubiger Citigroup in einen Rechtsstreit über die Kreditlinien verwickelt ist. Terra Firma behauptet, die Bank habe den Preis beim Bieterwettbewerb um EMI künstlich in die Höhe getrieben. Nun fordert Hands eine finanzielle Kompensation. In den kommenden Wochen soll zunächst vor einem New Yorker Gericht versucht werden, einen Vergleich zwischen den Parteien zu erzielen. Scheitert dieser, steht EMI ein langer Gerichtsprozess bevor. Dadurch könnte Hands noch stärker unter Druck geraten, EMI eventuell an einen Konkurrenten zu verkaufen, um einer Zahlungsunfähigkeit zuvorzukommen. Laut Presseberichten gab es bereits erste Verhandlungen. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 05.09.2010, 17:17 Uhr
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6 Kommentare
Ja, ja, der illegale Download soll schuld sein. Aber dass man für ganz normales Drucker-Papier, CD oder DVD-Rohlinge oder mp3-Player und auch bei Handy und zu guter Letzt auch bei Recordern eine Gebühr zahlen muss, halte ich für illegal! Die fetten Jahre sind wohl vorbei, nun wird es mal Zeit bessere Musik zu produzieren und auch ältere Bands einen Vertrag zu unterbreiten! Antworten
Natürlich, es sind immer die bösen Downloader, die Schuld sind. Die Musikindustrie hat nach 10 Jahren Kampf immer noch nicht begriffen, dass man nicht gegen, sondern mit dem Kunden arbeiten muss; iTunes machts vor. Aber es ist ja einfacher, einen Sündenbock zu finden, als selber innovativ zu sein (was die Musikindustrie noch nie war). Antworten
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