Wirtschaft

Mit Riesenverlust in die Frühpension

Von Romeo Regenass. Aktualisiert am 21.12.2011 28 Kommentare

Acht von zehn ältere Flugbegleiter der Airline Swiss erhalten nach der Zwangspensionierung mit 58 Jahren nur noch 60 Prozent ihres Lohns. Der Verein Porfavor wehrt sich nun für ihre Rechte.

Weniger Beiträge, längere Rente: Zahlreiche Angestellte der Fluggesellschaft Swiss fürchten um ihre finanzielle Sicherheit.

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Bild: Keystone

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Anfang Woche hat die Swiss einen Flug nach Kairo annulliert. Nachdem eine Kabinenbesatzung sich geweigert hatte, Überstunden zu leisten, die klar über den Vereinbarungen im Gesamtarbeitsvertrag liegen, hat die Airline keinen Ersatz gefunden. Am Freitag erst hatte die Swiss dem Personal mitgeteilt, dass dieses Jahr die freiwillige Weihnachtszulage entfällt. Dies hat vor allem Flugbegleiter erzürnt (TA vom Samstag).

Die Swiss sieht zwischen dem Verhalten des Kabinenpersonals und der ausgefallenen Weihnachtszulage allerdings keinen Zusammenhang; das sei «reine Spekulation». Offensichtlich ist die Stimmung zwischen der Swiss und den Flugbegleitern aber mehr als nur getrübt.

Pension mit finanziellen Einbussen

Äusserst schlecht auf ihren Arbeitgeber zu sprechen sind derzeit viele Flugbegleiter zwischen 50 und 57 Jahren. Da das Kabinenpersonal mit 58 pensioniert wird, steht die Alterskategorie vor dem Austritt aus dem Erwerbsleben. Dieser Austritt wird für viele mit grossen finanziellen Einbussen verbunden sein. Wegen der Frühpensionierung kommen sie auf weniger Beitragsjahre; gleichzeitig muss ihre Rente länger reichen.

In den Gesamtarbeitsverträgen (GAV) 2002 und 2006 hatte die Swiss (wie zuvor die Swissair) zur Finanzierung der vorzeitigen Pensionierung, die von der Airline gewollt ist, eine einmalige Zahlung zugesichert, mit der auch eine AHV-Überbrückungsrente abgegolten war. Sie betrug bei Vollpensum und 22 Dienstjahren zwischen 186 480 und 279 720 Franken oder fast ein Drittel des Altersguthabens bei der Pensionierung. Im GAV von 2009 fehlt die Einmalzahlung. Laut der Gewerkschaft des Kabinenpersonals Kapers legte die Swiss das Geld aber in höhere Arbeitgeberbeiträge um; sie sparte also kein Geld. Die Summen reflektierten zudem eine Börsenlage, die es gar nicht mehr gibt.

Neuverhandlung des GAV nicht erwünscht

Rund 300 Flugbegleiter haben sich im Verein Porfavor organisiert und wehren sich laut Angaben im Internet gegen die ersatzlose Streichung. Diese verursache in der Altersvorsorge vieler Flugbegleiter eine gravierende Lücke. Kapers hat für Porfavor unter 300 Betroffenen eine Erhebung durchgeführt. Laut Porfavor ergab sie, dass 80 Prozent der älteren Flugbegleiter bei der Pensionierung mit 58 eine Rente erhalten werden, die weniger als 60 Prozent des zuletzt erzielten Bruttolohnes beträgt. Ein Drittel der älteren Flugbegleiter erhält gar unter 50 Prozent des letzten Lohns. Damit müssen während bis zu sieben Jahren Lebensunterhalt und AHV-Beiträge bezahlt werden. Angesichts der relativ tiefen Bruttolöhne reicht dies laut Porfavor nicht für ein existenzsicherndes Ersatzeinkommen. Flugbegleiter, die nicht Maître de Cabine sind, verdienen gegen Ende ihrer Karriere minimal 42'600 und maximal 83'268 Franken im Jahr – und eine Gewinnbeteiligung, die 12 Prozent des Jahressalärs ausmachen kann. Kapers-Geschäftsführer Georg Zimmermann wendet ein, dass zu den genannten Einnahmen der Frühpensionäre eine Überbrückungsrente komme, die durch Vorfinanzierung aus der eigenen Pensionskasse bezogen werden kann. Sie schmälert allerdings die spätere Rente.

Die Swiss steht mit der Mitarbeitergruppe Porfavor in Kontakt, verweist ansonsten aber auf den Gesamtarbeitsvertrag, der von der grossen Mehrheit des Personals angenommen worden sei. 2009 hatte die Zustimmung 76 Prozent betragen. Hannes Schläppi, Präsident des Vereins Porfavor, wollte den Stand der Gespräche mit der Swiss nicht kommentieren.

Gegen eine Änderung des Vorsorgemodells will sich Kapers-Geschäftsführer Zimmermann nicht a priori stemmen. «Ich kann die Enttäuschung dieser Leute verstehen, und es gibt sicher auch Härtefälle. Eine Änderung würde aber eine Neuverhandlung des GAV mit der Swiss bedingen.» (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 21.12.2011, 08:20 Uhr

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28 Kommentare

Maximilian-F Bloechlinger

21.12.2011, 08:46 Uhr
Melden 40 Empfehlung

Was macht die SVP dagegen? Überall wo es um Arbeitsplätze und Gerechtigkeit geht, macht sie nichts. Nur dort wo es um weniger Steuern für die Reichen geht ist sie aktiv. Antworten


Kurt Holzwarth

21.12.2011, 09:26 Uhr
Melden 24 Empfehlung

Wer kann sich die Pensionierung mit 58 bereits leisten? Bei den handwerklichen Berufen kommt niemand mit 58 auf eine Pension von über 50% des Lohnes. Acht von zehn Flugbegleiter kommen auf 60% ihres Lohnes, also kein Grund zum Jammern. Man ist sich gewöhnt, dass beim Flughafen gejammert wird. Antworten



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