Mit dem Car für 1 Franken auf die Piste

Von Romeo Regenass. Aktualisiert am 09.01.2009

Carunternehmer fahren Snöber und Skifahrer für ein Trinkgeld in den Schnee. Auf die Skipässe gewähren ihnen die Bergbahnen Rabatte von bis zu 30 Prozent.

Bequem und ausgeruht ins Skigebiet: Wer mit dem Car anfährt, profitiert von grosszügigen Rabatten der Skigebiete.

Bequem und ausgeruht ins Skigebiet: Wer mit dem Car anfährt, profitiert von grosszügigen Rabatten der Skigebiete.
Bild: Peter Lauth

Mit Halbtax zum halben Preis essen

Auch den SBB gewähren die Skigebiete Rabatt auf den Tagespässen. Kein Wunder: Mit ihrem Programm Snow`n`Rail beförderte die Bahn 2008 über 155'000 Snöber, Skifahrer, Schlittler oder Spaziergänge in die Berge. Gegenüber 2007 entspricht das einer Steigerung von 40 Prozent.

Im vermeintlichen Krisenmonat Dezember 2008 verzeichnete Snow`n`Rail sogar den besten Monatsabschluss in seiner zehnjährigen Geschichte: 41'700 Personen kauften ein Package – 41 Prozent mehr als im Dezember 2007.

Praktisch alle Skiorte geben den SBB eine Ermässigung von 20 Prozent auf dem 1-Tages und dem 2-Tages-Skipass, sagt Sprecher Roman Marti. Die SBB und ihre Partnerunternehmen im öffentlichen Verkehr ermässigen die Hin- und Rückreise zudem um 30 Prozent. Daraus entsteht ein interessantes Paket.

Für einen Skitag in Lenzerheide zahlt ein Erwachsener mit Halbtaxabo zum Beispiel 82.40 Franken. Wer mit dem Auto anfährt, zahlt vor Ort für die Tageskarte 62 Franken. Also kostet einen die Bahn- und Postautofahrt einen Zwanziger. «Die SBB machen für uns Kampagnen und bringen grosse Volumen», sagt Susanne Jörger von Lenzerheide-Bergbahnen. Ein Exklusivvertrag bringe eine Win-win-Situation für beide Partner. Die Umsätze mit den SBB wurden im Dezember gegenüber dem bereits guten Vorjahr verdoppelt.
Rucksacktouristen in die Beiz geholt

Lenzerheide trumpft zudem mit einem einzigartigen Angebot auf: Wer ein Halbtax oder GA hat, kann in den Selbstbedienungsrestaurants zum halben Preis essen – egal, ob mit dem öffentlichen Verkehr angereist oder nicht.

Der Umsatz in diesen Restaurants, die alle den Bahnen gehören, sei dadurch erheblich gestiegen, sagt Jörger – und das nicht zulasten der Restaurants mit Bedienung. «Es ist uns gelungen, die Rucksacktouristen ins Restaurant zu holen. Und über den Mehrkonsum hat sich die Werbeaktion erst noch selbst finanziert.»

Ein Solothurner, der zum Skifahren mit dem Auto nach Meiringen-Hasliberg fährt, zahlt dort für die Tageskarte 54 Franken. Nimmt er den Car der Aare Seeland Mobil, kostet ihn das als Erwachsenen 55 Franken, inklusive Tageskarte. Er reist also für einen Franken und kann dabei erst noch Zeitung lesen.

Bei anderen Angeboten fällt der Aufschlag gegenüber der Tageskarte höher aus. Dennoch fragt sich manch ein Vollzahler, der den Tagespass vor Ort löst: Subventioniere ich all jene, die mit dem Car oder Zug anreisen?

Nein, heisst es bei den Marketingchefs der Bergbahnen. Denn Cars bringen viele Gäste, darunter viele Jugendliche, und sie machen auch Werbung fürs Skigebiet. Zudem braucht ein Car viel weniger Parkplatz pro Gast als ein Auto, und die Cars kommen erst noch bei jedem Wetter.

«Carunternehmer sind für uns ein Vertriebskanal», so Stefan Schneider von den Bergbahnen Meiringen-Hasliberg. Jeder Reiseveranstalter und Carunternehmer erhalte deshalb einen fixen Rabatt. Der Carverband Bern-Solothurn, zu dem Aare Seeland mobil gehört, zahle noch weniger, weil das Volumen besonders gross sei.

Und der Aufpreis von nur einem Franken gegenüber der Tageskarte, stört ihn das nicht? «Nein», so Schneider, «wenn die Carfirma mit ihren Kosten klar kommt, ist das okay. Den Endpreis kann ich nicht bestimmen.» Kurt Rüttimann von Aare Seeland Mobil garantiert, dass er mit den gut gebuchten Cars trotz Schleuderpreis noch Gewinn macht: «Ich bin ja sozial eingestellt, aber zum Vergnügen der Leute bewegen wir die Fahrzeuge nicht.»

Anders als Hasliberg interessiert sich Carolina Rüegg von Sörenberg Bahnen auch für den Endpreis. «Es kann ja nicht sein, dass das Paket am Schluss gleich viel kostet wie die Tageskarte.» Da müsse ein bestimmtes Verhältnis sein. Gerber Reisen aus Roggwil BE fährt für 58 Franken nach Sörenberg, für die Tageskarte zahlt man dort 45 Franken.

Coop bindet Kunden mit Carfahrt

Wie hoch der Rabatt ist, den Carfirmen erhalten, ist ein gut gehütetes Geheimnis. Nur ein Carunternehmer legt die Karten offen auf den Tisch, wenn auch anonym: Statt 63 zahlt er in Davos-Parsenn für die Tageskarte 44 Franken – macht 30 Prozent Rabatt. Die Fahrt mit ihm kostet nur eine Zehnernote mehr als der Skipass allein. Dennoch hat der selbstständige Unternehmer einen schweren Stand. Der Grund: Coop fährt ab Winterthur und Amriswil jedes Wochenende mit 10 bis 15 Bussen rund 600 Leute nach Davos-Parsenn – zu einem unschlagbaren Preis. Snöber und Skifreaks zahlen nur 59 Franken. Der Skipass allein kostet 63 Franken. Rechne!

Coop Ostschweiz fährt den Skiexpress seit 25 Jahren und bezeichnet ihn als Kundenbindungsmittel. Man erhalte von Bahnen und Carunternehmen sehr gute Preise und gebe diese an die Kunden weiter. Der Skiexpress fahre bei jedem Wetter und garantiere dem Skigebiet und der Carfirma somit eine gewisse Auslastung.

Nicht jedes Skigebiet ist interessiert

«Coop erhält den gleichen Rabatt wie jede Carfirma», sagt Britta Schnewlin von den Davos-Klosters-Bergbahnen. Dass dieser 30 Prozent beträgt, will sie nicht bestätigen, aber auch nicht dementieren. Wenn dem so wäre, würde Coop den Skiexpress subventionieren. Der Grund: Für 15 Franken pro Person fährt kein Carunternehmer die Sammeltour nach Davos.

Wie viel Rabatt ein Skigebiet dem Carunternehmer gibt, hängt davon ab, wie wichtig dem Betreiber der Skilifte und Bahnen die Carfahrten sind. Davos setzt auf sie, weil man hofft, dass die vielen Jugendlichen unter ihnen später auch als Erwachsene ins Skigebiet kommen. Nicht so Flims-Laax: «Wir verfolgen eine Wachstumsstrategie, die klar international ausgerichtet ist und nicht auf Tagestourismus und Carreisen abzielt», sagt Britta Kaula von der Weissen Arena. Man arbeite mit wenigen, ausgewählten Partnern, der Rabatt richte sich nach der Zahl der Gäste, die ein Partner ins Skigebiet bringt.

Ab Zürich ist Laax für Junge attraktiv

Die Vergünstigung fällt auf jeden Fall geringer aus als anderswo, wie zwei Beispiele aus der Region Zürich zeigen: Bei Kosten von 66 Franken für die Tageskarte fährt Hürzeler Reisen für 88 Franken nach Laax, bei Eurobus kostet der Laax-Express ab Aarau oder Zürich gar 95 Franken.

«Davos oder die Lenzerheide laufen eindeutig besser als Laax», sagt Franz Zihlmann von Hürzeler. Das habe sicher auch mit dem Preis zu tun. Nur bei den Jugendlichen sei Laax mit 53 Franken wirklich konkurrenzfähig.

Auch Ruth Knecht von Eurobus gibt zu, dass der Laax-Express für Erwachsene recht teuer sei. «Die meisten Fahrgäste seien allerdings Jugendliche, und die fahren für 55 Franken fast gratis nach Laax.» Die Tageskarte allein würde sie 44 Franken kosten. Eurobus weiss auch, wie man an die Jugend rankommt: Das Aargauer Unternehmen wirbt mit Flyern und SMS bei den jungen Snöbern und Skifahrern. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 09.01.2009, 23:07 Uhr

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