Wirtschaft

Mit dem Klebeband-Trick gegen den 2010-Fehler

Die 30 Millionen defekten Bankkarten machen deutschen Banken und ihren Kunden weiter zu schaffen. Der Austausch würde Monate dauern. Kurzfristige Lösung: Mit einem Trick lässt sich der Fehler aushebeln.

Pannenanfällige Bankkarten: Bis zu 30 Millionen Giro- und Kreditkarten machen Probleme.

Pannenanfällige Bankkarten: Bis zu 30 Millionen Giro- und Kreditkarten machen Probleme.
Bild: Keystone

Es werde versucht, die falsch programmierten Chips mit einem Software-Update zu reparieren, sagte die Sprecherin des Zentralen Kreditausschusses (ZKA), Michaela Roth. Ein kompletter Austausch der Karten komme als letzte Möglichkeit in Betracht. Ein Austausch der betroffenen Karten wäre schwierig, sagt der Sprecher des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands (DSGV), Christian Achilles, gegenüber «Spiegel Online». Das Ausmass sei zu gross: «Der Austausch würde sich über Monate hinziehen.»

Der Chip-Hersteller Gemalto übernahm unterdessen die Verantwortung für die Panne. Der wirtschaftliche Schaden ist noch nicht abzuschätzen, dürfte aber gigantisch sein. «Wir konzentrieren uns ganz darauf, die Unannehmlichkeiten für die Kartenbesitzer gering zu halten», teilt Gemalto-Vorstandschef Olivier Piou mit. Das niederländisch-französische Unternehmen mit Hauptsitz in Amsterdam versuche zu verhindern, dass die betroffenen Karten ausgetauscht werden müssten. Möglichweise können die defekten Chips beim Einführen in Geldautomaten umprogrammiert werden. In den nächsten Tagen werde entschieden, wie die Banken das Problem lösen könnten.

In der Schweiz streiken die deutschen Karten

Grund für die Panne ist ein Programmierfehler auf dem goldenen Chip, der aus Sicherheitsgründen auf neuere Karten geprägt ist. Lesegeräte an Bankautomaten und Kassen können bei den betroffenen Chips die Jahreszahl 2010 nicht verarbeiten. Lediglich die Maschinen, die noch den Magnetstreifen auslesen, und damit viel unsicherer sind, funktionieren noch problemlos.

Auch in der Schweiz streiken die deutschen Karten, wie Bernhard Wenger vom Zahlungsverkehrsdienstleister Six Group gegenüber Tagesanzeiger.ch/Newsnetz sagt. In der Schweiz ausgegebene Karten sind nach bisherigen Erkenntnissen nicht betroffen, da sie mit anderen Chips ausgestattet sind.

Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner fordert die Banken auf, den Kunden entstandene Kosten zu erstatten. Dem «Tagesspiegel» sagte sie: «Wenn Kunden jetzt gezwungen sind, am Bankschalter Bargeld zu holen, dürfen dafür keine Gebühren berechnet werden.»

Fehlerhafte Karten überlisten

Als Zwischenlösung sind in Deutschland derzeit alle Geldautomaten so umgestellt worden, dass sie bei einer fehlerhaften Karte den Magnetstreifen anstelle des Chips auslesen. Das gilt allerdings nicht für die Schweiz und das übrige Ausland. Dort könnten die Karten noch länger Probleme bereiten, weil die Umstellung Zeit braucht, wie Lars Hofer vom Bundesverband deutscher Banken erklärte. Es bleibt auch das Problem an den Kassen in Supermärkten.

Viele Einzelhändler überlisten jetzt aber die fehlerhaften Karten. Sie überkleben den Chip einfach per Hand mit Klebeband. Dadurch greifen manche Bezahlterminals automatisch auf den Magnetstreifen zurück, bei dem keine Probleme auftreten.

Verbraucherschützer betrachten diese Vorgänge mit Sorge. Denn das Absurde an der Situation ist: Eigentlich soll der Chip, der für den Ausfall der Karten sorgt, mehr Sicherheit garantieren. «Der Magnetstreifen ist erheblich unsicherer als der Chip», sagt der Leiter des Fachbereichs Finanzdienstleistungen beim Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv), Manfred Westphal. Die Magnetstreifen könnten Betrüger so einfach kopieren wie ein Tonband, und dann eine Kopie der Karte erstellen.

Am einfachsten geht es mit Bargeld

Anfang kommender Woche soll dann aber auch das Bezahlen in Geschäften wieder reibungslos funktionieren. Nach Angaben des Hauptverbands des Deutschen Einzelhandels sind rund 200'000 der etwa eine Million Kartenterminals betroffen.

Den Verbrauchern in Deutschland bleibt derweil nichts anderes übrig, als Geduld zu bewahren und bei Problemen etwa am Geldautomat mehrere Maschinen auszuprobieren. Denn ob diese den Chip oder die Magnetkarte auslesen, ist von aussen nicht ersichtlich. Bei Reisen ins Ausland empfiehlt es sich genügend Bargeld oder Reisechecks mitzuführen. (bru)

Erstellt: 07.01.2010, 08:54 Uhr

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12 Kommentare

Sven Beer

07.01.2010, 18:40 Uhr
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Laut dem Bericht «Klebeband auf den Kreditkarten hätte fatale Konsequenzen», «Würden die Bancomaten in der Schweiz [...] ohnehin nie auf die Magnetstreifen zugreifen, wenn der Chip nicht mehr funktioniert.» ich habe bei der ZKB die Erfahrung gemacht dass die Karte bei defektem Chip bei Fremdbanken nicht mehr funktionierte, bei den ZKB Automaten konnte ich jedoch weiterhin Problemlos Geld beziehen. Antworten


Heidi Tonazzi

07.01.2010, 18:20 Uhr
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Nun wundere ich mich nicht mehr über das, was mir kürzlich passiert ist: meine praktisch neue, tadellos funktionierende EC-Karte wurde am Kartenleser eines Supermarktes trotz dreimaliger korrekter Codeeingabe gesperrt bzw. "abgeschossen". Vermutlich war der Kartenleser defekt, es war ein uraltes Modell. Ein Irrtum meinerseits ist ausgeschlossen, der eingegebene Code war richtig! Antworten


Alexander Stohr

07.01.2010, 18:10 Uhr
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Die Angabe man könne den Magnetstreifen einfach so kopieren und damit ein Duplikat erstellen ist einerseits wie eine Anleitung zum Missbrauch und andererseits ist sie wiederum ziemlich unzutreffend, wenn man sich mal kundig macht was sich im Bereich der nicht-chip-basierten Kartenprüfung incl. der Magnetstreifen-Technik innerhalb der letzten 30 Jahre an Dingen getan haben. Geht nicht. Falle! Antworten


Thomas Häfliger

07.01.2010, 17:54 Uhr
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Aus dem anderen Artikel: "Die Bancomaten in der Schweiz greifen laut Wenger ohnehin nie auf die Magnetstreifen zu, wenn der Chip nicht mehr funktioniert. [...] Funktioniert der Chip nicht, wird automatisch der Magnetstreifen gelesen." Hm, ich bin verwirrt. Antworten


igor neuffer

07.01.2010, 17:12 Uhr
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@ Werner Christen Lesen hilft. Die Migrosbank hat ihr gesamtes System umgestellt und dann die neuen Karten ausgegeben. Nix von Fehler, nix von wegen klangheimlich. Das wurde in Briefen angekündigt, auf der Webseite steht es und auch Pressemitteilungen gabs. Antworten


Christian Schenk

07.01.2010, 10:20 Uhr
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Na besser die Karten geben gar kein Geld aus als umgekehrt, Geld durch einen anderen Fehler (etwa ohne Pin-Abfrage) auf meine Kosten an Dritte. Antworten


Peter Houppermans

07.01.2010, 10:12 Uhr
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Kleine Frage: wer bezahlt die Reparatur wenn Klebeband im Geldautomat stecken bleibt? Antworten


Anthony Bleuer

07.01.2010, 10:01 Uhr
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@ Herr Meyer Die Banken sind ja nicht die Herausgeber der Karten! Dafür verantwortlich sind die Produzenten. Das ist wie wenn man im Supermarkt die Verkäuferinnen beschuldigt, weil man abgelaufene Ware gekauft hat. Zudem denken Sie mal daran, was "diese Karten" alles vereinfachen! Dadurch leben Sie mehr als 1 Monat länger - ein solcher Luxus sollte man nicht gleich bei jedem Fehler verurteil Antworten


Ronald Lack

07.01.2010, 09:43 Uhr
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Bei einem unberechtigten Karteneinzug sollte die Bank dem Kunden wie bei einem Diebstahl Fr. 100.-- als Entschädigung zahlen müssen. Sämtliche Gebühren und Kosten müssen gesenkt werden, da betreiben viele Banken Nepp am Kunden. Preis und Leistung stehen in keinem Verhältnis. Antworten


Felix Meyer

07.01.2010, 08:44 Uhr
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Schöne Zeit! Mit lausiger Arbeit kann unsere gesamte Wirtschaft zerstört werden! Einfach Chipkontakte überkleben, dann kann man den Magnetstreifen kopieren und beliebig viele Kreditkarten herstellen. Dies ist die Anleitung, wie sie aus diesem Fall vervorgeht. Dies schreibe ich als Ingenieur, der bei IBM vor über 30 Jahren als Projektleiter die ersten doeser Systeme entwickelte! Antworten


werner Christen

07.01.2010, 08:34 Uhr
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Auch in der Schweiz scheinen die Karten nicht fehlerlos zu sein. Hat doch die Migrosbank kürzlich ihre Magnetkarten sang und klanglos ausgewechselt und mit einem Chips versehen. So gut, doch die Karte meiner Frau wurde nach 3 richtigen, überlegten Versuchen entwertet. Zwei weitere neue Karten führten auch nicht zu Geld. Meine neue Karte jedoch funktionierte auf Anhieb. Weiter nächster Kommentar. Antworten


Andreas Hägele

07.01.2010, 08:26 Uhr
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Wie abhängig wir von dem Plastikgeld sind, merkt man erst, wenn es mal nicht funktioniert. Da Lob ich mir Banken, welche noch in fast jedem Ort eine Filiale haben. Da kann man an den Schalter gehen und Geld abheben. Was machen jetzt die Banken, die ihre Dienste nur übers Internet anbieten? Da möchte ich nicht Kunde sein wollen, auch wenn es günstiger sein sollte. Arme Deutsche... Antworten



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