Mit dem Klebeband-Trick gegen den 2010-Fehler

Aktualisiert am 07.01.2010 12 Kommentare

Die 30 Millionen defekten Bankkarten machen deutschen Banken und ihren Kunden weiter zu schaffen. Der Austausch würde Monate dauern. Kurzfristige Lösung: Mit einem Trick lässt sich der Fehler aushebeln.

Pannenanfällige Bankkarten: Bis zu 30 Millionen Giro- und Kreditkarten machen Probleme.

Pannenanfällige Bankkarten: Bis zu 30 Millionen Giro- und Kreditkarten machen Probleme.
Bild: Keystone

Es werde versucht, die falsch programmierten Chips mit einem Software-Update zu reparieren, sagte die Sprecherin des Zentralen Kreditausschusses (ZKA), Michaela Roth. Ein kompletter Austausch der Karten komme als letzte Möglichkeit in Betracht. Ein Austausch der betroffenen Karten wäre schwierig, sagt der Sprecher des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands (DSGV), Christian Achilles, gegenüber «Spiegel Online». Das Ausmass sei zu gross: «Der Austausch würde sich über Monate hinziehen.»

Der Chip-Hersteller Gemalto übernahm unterdessen die Verantwortung für die Panne. Der wirtschaftliche Schaden ist noch nicht abzuschätzen, dürfte aber gigantisch sein. «Wir konzentrieren uns ganz darauf, die Unannehmlichkeiten für die Kartenbesitzer gering zu halten», teilt Gemalto-Vorstandschef Olivier Piou mit. Das niederländisch-französische Unternehmen mit Hauptsitz in Amsterdam versuche zu verhindern, dass die betroffenen Karten ausgetauscht werden müssten. Möglichweise können die defekten Chips beim Einführen in Geldautomaten umprogrammiert werden. In den nächsten Tagen werde entschieden, wie die Banken das Problem lösen könnten.

In der Schweiz streiken die deutschen Karten

Grund für die Panne ist ein Programmierfehler auf dem goldenen Chip, der aus Sicherheitsgründen auf neuere Karten geprägt ist. Lesegeräte an Bankautomaten und Kassen können bei den betroffenen Chips die Jahreszahl 2010 nicht verarbeiten. Lediglich die Maschinen, die noch den Magnetstreifen auslesen, und damit viel unsicherer sind, funktionieren noch problemlos.

Auch in der Schweiz streiken die deutschen Karten, wie Bernhard Wenger vom Zahlungsverkehrsdienstleister Six Group gegenüber Tagesanzeiger.ch/Newsnetz sagt. In der Schweiz ausgegebene Karten sind nach bisherigen Erkenntnissen nicht betroffen, da sie mit anderen Chips ausgestattet sind.

Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner fordert die Banken auf, den Kunden entstandene Kosten zu erstatten. Dem «Tagesspiegel» sagte sie: «Wenn Kunden jetzt gezwungen sind, am Bankschalter Bargeld zu holen, dürfen dafür keine Gebühren berechnet werden.»

Fehlerhafte Karten überlisten

Als Zwischenlösung sind in Deutschland derzeit alle Geldautomaten so umgestellt worden, dass sie bei einer fehlerhaften Karte den Magnetstreifen anstelle des Chips auslesen. Das gilt allerdings nicht für die Schweiz und das übrige Ausland. Dort könnten die Karten noch länger Probleme bereiten, weil die Umstellung Zeit braucht, wie Lars Hofer vom Bundesverband deutscher Banken erklärte. Es bleibt auch das Problem an den Kassen in Supermärkten.

Viele Einzelhändler überlisten jetzt aber die fehlerhaften Karten. Sie überkleben den Chip einfach per Hand mit Klebeband. Dadurch greifen manche Bezahlterminals automatisch auf den Magnetstreifen zurück, bei dem keine Probleme auftreten.

Verbraucherschützer betrachten diese Vorgänge mit Sorge. Denn das Absurde an der Situation ist: Eigentlich soll der Chip, der für den Ausfall der Karten sorgt, mehr Sicherheit garantieren. «Der Magnetstreifen ist erheblich unsicherer als der Chip», sagt der Leiter des Fachbereichs Finanzdienstleistungen beim Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv), Manfred Westphal. Die Magnetstreifen könnten Betrüger so einfach kopieren wie ein Tonband, und dann eine Kopie der Karte erstellen.

Am einfachsten geht es mit Bargeld

Anfang kommender Woche soll dann aber auch das Bezahlen in Geschäften wieder reibungslos funktionieren. Nach Angaben des Hauptverbands des Deutschen Einzelhandels sind rund 200'000 der etwa eine Million Kartenterminals betroffen.

Den Verbrauchern in Deutschland bleibt derweil nichts anderes übrig, als Geduld zu bewahren und bei Problemen etwa am Geldautomat mehrere Maschinen auszuprobieren. Denn ob diese den Chip oder die Magnetkarte auslesen, ist von aussen nicht ersichtlich. Bei Reisen ins Ausland empfiehlt es sich genügend Bargeld oder Reisechecks mitzuführen. (bru)

Erstellt: 07.01.2010, 08:54 Uhr

12

Kommentar schreiben







 Ausland



Verbleibende Anzahl Zeichen:

Mit dem Absenden des Kommentars erklärt sich der Leser mit nachfolgenden Bedingungen einverstanden: Die Redaktion behält sich vor, Kommentare nicht zu publizieren. Dies gilt insbesondere für ehrverletzende, rassistische, unsachliche, themenfremde Kommentare oder solche in Mundart oder Fremdsprachen. Kommentare mit Fantasienamen oder mit ganz offensichtlich falschen Namen werden ebenfalls nicht veröffentlicht. Über die Entscheide der Redaktion wird keine Korrespondenz geführt. Telefonische Auskünfte werden keine erteilt. Ihr Kommentar kann auch auf Google und anderen Suchseiten gefunden werden.

12 Kommentare

Felix Meyer

07.01.2010, 08:44 Uhr
Melden

Schöne Zeit! Mit lausiger Arbeit kann unsere gesamte Wirtschaft zerstört werden! Einfach Chipkontakte überkleben, dann kann man den Magnetstreifen kopieren und beliebig viele Kreditkarten herstellen. Dies ist die Anleitung, wie sie aus diesem Fall vervorgeht. Dies schreibe ich als Ingenieur, der bei IBM vor über 30 Jahren als Projektleiter die ersten doeser Systeme entwickelte! Antworten


Andreas Hägele

07.01.2010, 08:26 Uhr
Melden

Wie abhängig wir von dem Plastikgeld sind, merkt man erst, wenn es mal nicht funktioniert. Da Lob ich mir Banken, welche noch in fast jedem Ort eine Filiale haben. Da kann man an den Schalter gehen und Geld abheben. Was machen jetzt die Banken, die ihre Dienste nur übers Internet anbieten? Da möchte ich nicht Kunde sein wollen, auch wenn es günstiger sein sollte. Arme Deutsche... Antworten



Wirtschaft

Populär auf Facebook Privatsphäre

Meistgelesen in der Rubrik Wirtschaft

Telefonbuch

Marktplatz

Internet auf dem Fernsehen: Der Trend geht klar in diese Richtung. Werden Sie sich einen Smart TV kaufen?

Ja, auf jeden Fall

 
15.1%

Nein, interessiert mich nicht

 
40.2%

Erst wenn die Geräte billiger geworden sind

 
35.1%

Ich habe schon einen

 
9.7%

3308 Stimmen