Mit der altehrwürdigen Kreditkarte Diners Club in die angesagten Klubs

Der Zürcher Jung-Unternehmer Patrick Liotard-Vogt sieht Synergien zu seiner exklusiven Klubkarte.

Ein junger Mann mit dem Draht zu den Schönen und Reichen dieser Welt: Unternehmer Patrick Liotard-Vogt.

Ein junger Mann mit dem Draht zu den Schönen und Reichen dieser Welt: Unternehmer Patrick Liotard-Vogt. Bild: Doris Fanconi

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Als 20-Jähriger hat Patrick Liotard-Vogt, Enkel des früheren Nestlé-Chefs Pierre Liotard-Vogt, im Jahr 2004 das Unternehmen «The World’s Finest Clubs» gegründet: Für 2000 Euro pro Jahr kommen Mitglieder, ohne anzustehen, in die angesagtesten Klubs der Welt. Letzten Herbst kaufte der Stäfner für einen zweistelligen Millionenbetrag die Online-Plattform «A Small World»: Ins Facebook für Reiche kommt man nur auf Einladung, das Durchschnittseinkommen der User liegt bei 300 000 Euro.

Exklusivität durch und durch also. Da wollte es nicht so recht passen, dass der Jungunternehmer letzten Oktober im «Migros-Magazin» angab, in Restaurants und Hotels gerne die M-Budget-Kreditkarte der Migros zu zücken. Anthony Helbling, Geschäftsführer von Diners Club, schrieb den Jungunternehmer an, auf «A Small World»: «Wer Stil hat, hat eine Diners.» Man kam ins Gespräch, und seit Freitag besitzen die beiden mit zwei weiteren Investoren die Diners-Lizenz für Deutschland, die Schweiz und Liechtenstein.

Viel Erfahrung trotz jungem Alter

Im Rahmen ihrer Konzentration aufs Kerngeschäft hatte die amerikanische Citibank Diners zum Verkauf ausgeschrieben. Geschäftsführer Helbling hatte bewusst eine jüngere Person als Hauptinvestor gesucht, die den Lifestyle-Bereich und die sozialen Netzwerke kennt. Liotard-Vogt bringt beides mit – und für einen 26-Jährigen erst noch einiges an Erfahrung als Investor.

Diners Club ist in der Schweiz eine «eingeschlafene Marke», wie Liotard-Vogt selbst sagt. Der Kreditkartenpionier hat weniger als 50 000 Karten im Umlauf, der Bekanntheitsgrad ist gering, ältere Semester bringen die Marke allenfalls noch mit der Skilegende Bernhard Russi in Verbindung, der in den 70er-Jahren für Diners warb. Wer eine Diners Club hat, ist im Schnitt 46 Jahre alt und in drei von vier Fällen ein Mann.

«Diners war etwas Spezielles, aber das ist in Vergessenheit geraten», analysiert Liotard-Vogt. Die Herausforderung sei jetzt, die Marke neu zu beleben. «Ich weiss von meinen anderen Engagements her, was eine auserwählte Kundschaft will, und da hoffe ich, meinen Beitrag zur Neulancierung zu leisten.»

Zukünftig alles auf dem Handy

Die Synergien mit den anderen exklusiven Firmen des Zürchers sind offensichtlich. «‹A Small World› erreicht in 200 Ländern die Top 1 Prozent – also genau die Kunden, die sich unter anderem auch Diners Club wünscht. Und dass sich die Mitgliedskarte von The World’s Finest Clubs in Zukunft mit Diners verbinden lässt, ist klar.»

Liotard-Vogt denkt auch an technische Innovationen, wo ein anderes seiner Engagements Anknüpfungspunkte bietet. Das Lausanner Unternehmen Poken hat einen speziellen Schlüsselanhänger entwickelt. Treffen sich zwei Unbekannte, die beide damit ausgerüstet sind, können sie mittels Funk ihre Daten auf Netzwerken wie Facebook oder «A Small World» austauschen. Poken ist die elektronische Variante der herkömmlichen Visitenkarte. Die Firma wird vom Bund unterstützt, um entsprechende Anwendungen auf dem Handy zu entwickeln. «Es ist nur eine Frage der Zeit, bis wir alles Wesentliche auf dem Handy haben», ist Liotard-Vogt überzeugt.

Hart umkämpfter Kredikartenmarkt

Für Geschäftsführer Helbling hatte Diners Club bisher den falschen Eigentümer: «Citibank war im Kartengeschäft eine Fabrik und hatte weltweit mehrere Hundert Millionen Kreditkarten im Umlauf. Ein Premium-Produkt wie Diners braucht aber Individualität.» Um den Service zu verbessern, verzichte man künftig auf ein anonymes Callcenter und biete dem Kunden individuelle Ansprechpersonen, die auch Entscheidungskompetenz hätten.

Sie werden am neuen Hauptsitz von Diners Club im Swisscom-Tower in Rapperswil arbeiten, wo die Miete der Büros mit Weitsicht für 40 Mitarbeiter ein Vielfaches günstiger zu stehen kommt als in der Zürcher City, wo Diners Club aktuell ist. «Dieses Geld setze ich lieber für Produkteentwicklung und Marketing ein», sagt Helbling. Das Kartengeschäft sei margenschwach, da müsse man mehr auf die Kosten schauen als etwa im Private Banking.

M-Budget-Karte hat er zurückgegeben

Im hart umkämpften Kreditkartenmarkt will Diners Club wieder eine wichtige Rolle spielen. «Heute hat ja jeder eine schwarze Karte, die Centurion von Amexco unterscheidet sich vom Aussehen her kaum von der Coop Supercard plus.» Diners hingegen soll weiterhin für Solvenz und Exklusivität stehen – und für Innovation, die gut verkauft wird. «Die Diners Club Arena der Lakers in Rapperswil war das erste Sportstadion in der Schweiz, das einen Namenssponsor hatte», sagt Helbling. «Nur haben wir das schlecht vermarktet.»

Seine M-Budget-Karte hat Patrick Liotard-Vogt inzwischen zurückgegeben. Neben der Diners hat es in seinem Portemonnaie vorläufig nur noch Platz für eine private Visa und eine Mastercard-Firmenkarte. «Die hat ja jeder.»

(Tages-Anzeiger)

(Erstellt: 11.08.2010, 21:20 Uhr)

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