Wirtschaft

Müssen die Schweizer Banken wegen Spanien zittern?

Von Philipp Löpfe. Aktualisiert am 05.05.2010

Seit Tagen befinden sich die Aktien von UBS und CS im Einklang mit den europäischen Banktiteln auf Talfahrt. Spanien soll angeblich schuld sein. Dabei wären andere Länder für die Schweiz viel gefährlicher.

An den Märkten geht die Angst um, Spanien könnte ins Wanken geraten: Werbung für den spanischen Brandy Osborne in der Landschaft nahe der zentralspanischen Stadt Albacete.

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Bild: Reuters

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Folgt die spanische Grippe auf den griechischen Schwächeanfall? An der Börse scheint man von dieser Diagnose überzeugt zu sein. Die Aktien der Schweizer Banken leiden deswegen unter Schwindsucht.

Dabei ist die Faktenlage mehr als dünn. Gemäss Statistik der Schweizerischen Nationalbank (SNB) haben die Spanier bloss rund neun Milliarden Franken Schulden in der Schweiz.

Irland mit doppelt so grossem Schuldenstand

Die SNB-Zahlen sind nicht auf dem neuesten Stand, sie stammen aus dem Jahr 2008. Trotzdem machen sie die Relationen deutlich: Holländer beispielsweise haben auf Schweizer Banken Schulden von insgesamt rund 50 Milliarden, die Italiener 12 Milliarden und die Irländer immerhin 18 Milliarden Franken. Die direkten Folgen eines spanischen Bankrotts für das Schweizer Bankensystem wären somit verkraftbar. Ganz abgesehen davon, dass die Verschuldung Spaniens niemals griechische Dimensionen erreicht hat und auch die spanische Wirtschaft ganz anders strukturiert ist.

Alles bloss Hysterie oder bewusste Panikmache? Nicht ganz. Die Nervosität der Finanzmärkte hängt auch damit zusammen, dass zu Recht davon ausgegangen wird, dass die Probleme von Euroland noch nicht gelöst sind. Mit dem 110-Milliarden-Hilfpaket ist Griechenland vorerst zwar nicht mehr auf die Kapitalmärkte angewiesen, aber die griechische Tragödie hat die Mängel des Systems mehr als deutlich zutage gefördert: Vor allem muss die Eurozone dafür sorgen, dass ein geordneter Bankrott auch innerhalb des Clubs möglich wird – oder sie muss überzeugende Gegenmassnahmen präsentieren.

Rettungsfonds mit 2000 Milliarden Euro gefordert

Eine solche Lösung wäre ein Europäischer Hilfsfonds mit einer Reserve von 2000 Milliarden Euro, der im Notfall angezapft werden könnte. Dieses Modell schlägt beispielsweise Willem Buiter, Chefökonom der Citigroup, vor. Martin Wolf, Chefökonom der «Financial Times» plädiert auch für eine Neubewertung innerhalb der Eurozone. Nur so können die grossen Ungleichgewichte in der Wettbewerbsfähigkeit abgebaut und eine Sparpolitik auf Kosten der anderen verhindert werden.

Die griechische Tragödie, das ist mittlerweile offensichtlich, wird Euroland grundsätzlich verändern. Europa muss lernen, mit dem Euro zu leben. Dazu müssen die Spielregeln neu definiert werden. Die Alternative, ein Kollaps der Einheitswährung, wäre mehr als unverantwortlich. Die Folgen davon sind nicht abzuschätzen, aber auf jeden Fall katastrophal – auch für die Schweiz. Die Einführung des Euro vor zehn Jahren mag ein Fehler gewesen sein. Doch das steht heute nicht mehr zur Debatte. Der Euro ist da, und er muss funktionieren. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 05.05.2010, 12:23 Uhr

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