Wirtschaft
Mugabe liefert Milch an Nestlé
Von Johannes Dieterich, Johannesburg. Aktualisiert am 29.09.2009 14 Kommentare
First Shopper von Zimbabwe: Grace Mugabe, Ehefrau des Präsidenten, jettet gerne nach Hongkong um sich neu einzukleiden. (Bild: Keystone)
Die Schweizer Firma Nestlé, eines der meistboykottierten Unternehmen der Welt, hat ein neues Problem. Nach Recherchen der britischen Zeitung «Daily Telegraph» bezieht die zimbabwische Tochter von Nestlé einen Teil ihres Milchbedarfs von einer Farm, die sich Grace Mugabe, die Ehefrau des autokratischen Präsidenten Robert Mugabe, unter den Nagel gerissen hat.
First Shopper statt First Lady
Dem Bericht zufolge bringt ein Laster dreimal wöchentlich Milch vom 50 Kilometer nördlich der Hauptstadt Harare gelegenen Gushungo Dairy Estate zum zimbabwischen Nestlé-Werk im Industriegebiet Harares. Dort werden Milchpulver und Frühstücksflocken für den heimischen Markt sowie den Export nach Ostafrika hergestellt. Geschätzt wird, dass die Farm jährlich eine Million Liter Milch an Nestlé Zimbabwe liefert. Das Gut gehört zu einem 5000 Hektar grossen Farmimperium, das die 45-jährige Ehefrau Mugabes inzwischen ihr Eigen nennt. Der frühere Besitzer des fast 1000 Hektar grossen Gushungo Dairy Estate war im Jahr 2003 unter Androhung von Gewalt zum Verkauf gezwungen worden. Offenbar hatte der weisse Farmer weniger als ein Achtel des von unabhängigen Gutachtern geschätzten Werts der Farm erhalten. Grace Mugabe, die wegen ihres ausschweifenden Lebenswandels im Volksmund First Shopper (statt First Lady) heisst, soll sich insgesamt sechs Farmen im Zuge der illegalen Landreform angeeignet haben. Gushungo Dairy Estate, das von einem ihrer Söhne aus erster Ehe gemanagt wird, produziert laut der zimbabwischen Staatszeitung «Herald» täglich 6500 Liter Milch.
Während Feierlichkeiten auf dem Gut gratulierte Ehemann Robert seiner Frau einst für das «Monument», das sie sich und dem Land geschaffen habe. «Als wir hierherkamen, war alles in schlechtem Zustand», antwortete die Ehefrau: «Ich musste hart arbeiten, um es zu dem zu machen, was es heute ist.»
Schweiz mit Verbotsliste
Westlichen Unternehmen ist es verboten, mit gewissen, auf Listen geführten Vertretern der zimbabwischen Regierungspartner Zanu/PF Geschäfte zu machen. Neben den USA und der EU hat auch die Schweiz eine solche Listen aufgestellt, auf der sowohl der Präsident wie seine Frau stehen. Nestlé sieht sich an diese Beschränkung allerdings nicht gebunden, weil es sich um ein innerzimbabwisches Geschäft zwischen der Farm und Nestlé Zimbabwe handle. Die Tochterfirma trage zur Versorgung der Zimbabwer bei, sagte ein Nestlé-Sprecher auf Anfrage des «Daily Telegraph».
Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) droht unterdessen mit der Organisation eines Boykotts gegen Nestlé. «Nur so können Konsumenten bestimmten Firmen klarmachen, dass sie mit deren Praktiken nicht einverstanden sind», sagt HRW-Afrikadirektorin Georgette Gagnon.
(Tages-Anzeiger)
Erstellt: 29.09.2009, 11:25 Uhr
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Zum Vorwurf, die USA würden mit den südamerikanischen Diktatoren kooperieren, bemerkte Präsident Johnson seinerzeit, das seien zwar Schweinehunde, aber immerhin unsere Schweinehunde. Diese Erkenntnis gilt offenbar auch im Geschäftsleben. Vielleicht könnte Brabeck ja noch den Hauptsitz nach Simbabwe verlegen, nachdem er gedroht hat, mit dem Konzern aus der Schweiz auszuziehen. Antworten
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