«Nach Lehman kam Schneemann»

Aktualisiert am 11.03.2010

Die Lufthansa erwartet nach dem ersten Konzernverlust seit 2003 einen nur zögerlichen Aufschwung. Wolfgang Mayrhuber muss in seinem letzten Jahr als Lufthansa-Chef zahlreiche Baustellen bearbeiten.

«Grosse Unternehmen setzen bisweilen Speck an. Der muss weg»: Wolfgang Mayrhuber, Chef der Lufthansa.

«Grosse Unternehmen setzen bisweilen Speck an. Der muss weg»: Wolfgang Mayrhuber, Chef der Lufthansa.
Bild: Keystone

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Der erste Konzernverlust seit sieben Jahren hatte Lufthansa-Chef Wolfgang Mayrhuber die Laune nicht verdorben. «Nach Lehman kam Schneemann», kalauerte er am Donnerstag bei der Bilanzpressekonferenz der Fluggesellschaft, die erst von der Wirtschaftskrise nach dem Zusammenbruch der US-Bank und dann noch vom harten Winter gebeutelt wurde.

Doch obwohl die Geschäfte langsam wieder anziehen, ein milliardenschweres Sparprogramm wirkt und die Lufthansa (LHA 8.479 0.09%) besser dasteht als die Konkurrenz von British Airways und Air France: Mayrhuber hat in seinem voraussichtlich letzten Jahr an der LH-Spitze an etlichen Baustellen zu arbeiten.

Streik der Piloten

Denn nicht nur der Schnee, sondern auch der Pilotenstreik wirbelte den Flugplan der grössten deutschen Fluggesellschaft zum Jahresbeginn mächtig durcheinander. Der Tarifkonflikt ist noch nicht ausgestanden. Er hoffe «auf eine tragbare Lösung frei von Konflikten», sagte Mayrhuber - sein Finanzchef Stephan Gemkow ergänzte trocken: «In den weiteren Entwicklungen der Tarifauseinandersetzungen liegen erhebliche Risiken für die wirtschaftliche Entwicklung des Konzerns.»

Auch die Flugbegleiter verhandeln derzeit und sind sauer über die Forderungen des Managements nach Einsparungen. Climb 2011 heisst das Programm, das dem vielleicht etwas träge gewordenen Kranich wieder auf die Sprünge helfen soll. Eine Milliarde Euro jährlich sollen so ab Ende 2011 eingespart werden. «Grosse Unternehmen, die als Musterschüler jahrelang gute Ergebnisse abgeliefert haben, setzen bisweilen Speck an. Der muss weg!», kündigte Mayrhuber an.

Das alles soll der Kunde beim Premiumcarrier Lufthansa, der sich gegen die immer härtere Konkurrenz der Billigflieger behaupten muss, aber nicht merken. «Kosten sparen und Qualität steigern ist für mich absolut kein Widerspruch», verkündet der Vorstandsvorsitzende: «Das ist der Humus für Profitabilität und nachhaltiges Wachstum.»

Kampf gegen Billigflieger und Preisverfall

Zudem kämpft die Lufthansa mit dem Trend zur Economy Class. Viele Firmen lassen ihre Manager seit der Krise nicht mehr in der Business- oder gar First Class fliegen. Auf der Langstrecke sanken die sogenannten Premiumerlöse bei Lufthansa Passage um fast ein Zehntel. Sie machten 2009 aber noch immer 47,5 Prozent des Umsatzes dort aus, was zeigt, welche Bedeutung dieses lukrative Segment für das Unternehmen hat.

Die Flugtickets wurden 2009 immer billiger, bei der Lufthansa brachen die Durchschnittserlöse im Europaverkehr um 17,4 Prozent ein. «Eindeutiger Gewinner in der Krise war der Kunde, weil die Preise gepurzelt sind», bilanziert Mayrhuber. Doch was dem Kunden recht ist, fehlt den Airlines in der Kasse. Dieser Trend dürfte sich nur langsam abschwächen. «Für uns bleibt trotz der erwarteten Nachfrage- und Umsatzerholung der Druck auf die Profitabilität bestehen», warnte Finanzchef Gemkow.

Zwei neue Töchter

Und schliesslich muss sich der Kranich mit Hochdruck um zwei neue Töchter kümmern, die er im vergangenen Jahr unter die Fittiche genommen hat. Austrian Airlines schreibt ebenso rote Zahlen wie die britische bmi - insgesamt 109 Millionen Euro im vergangenen Jahr. Auch 2010 würden sie das Konzernergebnis weiter belasten, sagte Gemkow. Die AUA durchläuft ein Sanierungsprogramm und soll 2011 keine Verluste mehr machen. Bmi wird kräftig zurechtgestutzt und muss binnen drei Jahren den Turnaround schaffen - wobei die Lufthansa einen Verkauf des britischen Sorgenkindes nicht ausschliesst.

Mayrhuber sieht seinen Konzern trotz allem bestens aufgestellt. «Wir werden diese Krise durchfliegen und mit anziehender Konjunktur auch wieder zu neuen Höhenflügen starten.» Und dann richtete der bald 63 Jahre alte gebürtige Österreicher, dessen Vertrag Ende des Jahres ausläuft, den Blick in eine ferne, wunderbare Zukunft: «Die Verdopplung des Passagieraufkommens bis 2030 ist keine Utopie mehr.» (vin/ddp)

Erstellt: 11.03.2010, 22:49 Uhr

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