Wirtschaft
Nachruf auf das Hum-Vee, den Auto-Saurier
Von Walter Niederberger, San Francisco. Aktualisiert am 01.04.2009 14 Kommentare
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Der Hummer leidet an Auszehrung. Das Ende droht dem Vehikel, das aus der Not des Krieges geboren wurde. Knapp 30 Jahre ist es her, dass die US Army ein neues, geländegängiges Fahrzeug mit Panzerung, Geschützturm und grosser Zugleistung bestellte. Der Prototyp rollte im Sommer 1980 durch die Wüste von Nevada: noch ein unansehnliches Ungetüm, aber doch schon erkennbar als das spätere Hum-Vee, mit dem die Armee 1991 in den ersten Golfkrieg zog: «Desert Storm» liess den Hummer zum Wagen für selbst ernannte Patrioten und siegessichere Angeber werden.
Die Fernsehbilder vom Blitzkrieg in den Wüsten des Irak und Kuwaits, an dem mehrere 10'000 Hum-Vees beteiligt waren, blieben hängen. Nach dem Krieg begann AM General, ein mittelgrosser Hersteller in Indiana, einen zivilen Hummer zu fertigen. «Terminator» Arnold Schwarzenegger war einer der ersten Kunden. Das festigte das martialische Image des fast drei Tonnen schweren Geländewagens. Dass der Hummer unbequem war und in praktisch allen Tests miserabel abschnitt, weil er schlecht beschleunigte und noch schwerer abzubremsen war, schadete dem Absatz keineswegs. Wer den Hummer kaufte, wollte nichts Praktisches. Es ging um höhere Werte: den Patriotismus.
Als die Vereinigten Staaten in den zweiten Irak-Krieg zogen, fühlten sich Hummer-Fahrer als die wahren, echten Amerikaner bestätigt. Indem man einen Hummer fahre, erklärten sie selbstbewusst, unterstütze man die Truppen im Irak moralisch. Da mochte Präsident Bush nicht zurückstehen. Er gewährte einen Steuerrabatt von 25 Prozent auf dem schweren Wagen, was den Hummer zu einem bevorzugten Geschenkartikel von Unternehmen machte, die ihren fleissigsten Angestellten einen handfesten Bonus zukommen lassen wollten.
Der schlechteste je getestete Wagen
Das war der Anfang vom Ende. Der Konzern General Motors, der die Marke 1998 erworben hatte, forderte nun – wie es seine Gewohnheit war – Steueranreize, um Käufer für das Ungetüm zu finden. Denn auch der H2 und der H3 überzeugten keineswegs: Ein Fachmagazin erklärte den Hummer von GM zum schlechtesten je getesteten Fahrzeug. «In 20 Jahren haben wir nie ein Vehikel geprüft, das so wenig für sich selber sprach.»
Der Hummer stand letztlich für das, was falsch lief in der amerikanischen Autoindustrie. Das Fahrzeug war ungeeignet für Autobahnen und Quartierstrassen, eine Gefahr für andere Strassenbenützer und eine Last für die Besitzer, die immer öfter den Stinkefinger gezeigt bekamen. Die selbst ernannten Patrioten sahen sich unversehens in der Rolle der Übeltäter wieder. Angesichts hoher Ölpreise und aufziehender Wirtschaftskrise war der Fahrspass dahin. 2006 verkaufte GM in drei Monaten noch rund 7000 Hummer in den USA; im ersten Quartal dieses Jahres waren es noch knapp 1000 Stück.
Der Wagen, von GM einst als «Zukunftshoffnung» bezeichnet, gilt heute als Auto-Saurier. Verhandlungen mit potenziellen Käufern blieben bislang ergebnislos; auch wenn es Interessenten in Indien geben soll. «In wenigen Wochen», so GM-Interimschef Fritz Henderson, soll das Schicksal des Hummer besiegelt werden.
Vielleicht gibt es ein Leben danach. Im Irak, ausgerechnet dort, wo die ersten Hum-Vees im Ernsteinsatz rollten, ist das Interesse am Wagen gross, wie die «New York Times» berichtet. Irakische Regierungsangehörige, die soeben eine saftige Lohnerhöhung erhalten haben, kaufen den Hummer zu Dutzenden, vorzugsweise in grellen Gelb- und Rottönen. Auf die Frage, was das Fahrzeug der Invasoren heute so begehrt macht, erklärt ein Bagdader Händler kurz, aber prägnant: «Penisneid. Im Irak werden die Leute nach dem Auto beurteilt; ohne bist du kein rechter Mann.» – Gute Schüler, die Iraker.
(Tages-Anzeiger)
Erstellt: 01.04.2009, 23:00 Uhr
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14 Kommentare
Der Hummer oder Humvee der Firma AM General ist ein Armeefahrzeug und wurde unter anderem auch an ein paar reiche Zilvilpersonen verkauft. Nachdem GM den Titel "Hummer" erworben hatte, wurden SUV's wie im Bild unter der Modelbezeichnung H1,H2, H3 gebaut. Diese Wagen von GM sind komplett anderer Bauart als die AMG Armeeversion und haben eigentlich nur den Namen gemeinsam. Antworten
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