Nationalbank sitzt auf 280 Milliarden in Fremdwährung

Aktualisiert am 02.10.2011 142 Kommentare

Die Marktintervention der Nationalbank fordert ihren Tribut: Innerhalb von nur einem Monat sind die Devisenanlagen um 50 Prozent gestiegen. Auch die Gesamtbilanz der SNB zeigt ein beunruhigendes Bild.

Fremdwährungsbestände erreichen neue Rekordwerte: Zweigniederlassung der Schweizerischen Nationalbank in Genf. (Archivbild)

Fremdwährungsbestände erreichen neue Rekordwerte: Zweigniederlassung der Schweizerischen Nationalbank in Genf. (Archivbild)
Bild: Keystone

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Der Kampf gegen den starken Franken fordert seinen Tribut. Innerhalb von einem einzigen Monat sind die Devisenanlagen der Nationalbank (SNB) um über 50 Prozent auf 280 Milliarden Franken förmlich explodiert, wie die Zeitung «Der Sonntag» gestützt auf neue SNB-Statistiken berichtet.

Demnach erhöhten sich die Devisenbestände im August über Swap-Geschäfte um fast 100 Milliarden auf 280 Milliarden Franken. Damit erreichen die Fremdwährungsbestände der Nationalbank einen neuen Rekordwert. Doch die gigantischen Transaktionen im Monat August verfehlten ihre Wirkung fast vollständig: Zwar stieg der Euro gegenüber dem Franken nach der Devisenswap-Ankündigung vom 10. August kurzzeitig an, doch erst die am 6. September angekündigte Kursuntergrenze brachte die Spekulation nachhaltig zum Erliegen.

Bilanz: Zuwachs von 116 Millarden Franken

Die gewaltigen Markteingriffe haben einen weiteren Effekt: Die Gesamtbilanz der SNB (SNBN 1089 2.06%) schwoll laut «Sonntag» innert Monatsfrist von 249 auf 365 Milliarden Franken an – das entspricht einem Zuwachs von 116 Milliarden. Auch das ein Rekord. Im Verhältnis zur gesamten Wirtschaftsleistung der Schweiz nimmt die SNB-Bilanz immer eindrücklichere Ausmasse an. Sie erreicht bereits 66 Prozent des Bruttoinlandprodukts (BIP). Im internationalen Vergleich ist das ein Spitzenwert.

Die Bilanz der amerikanischen Notenbank Fed, die in den letzten Jahren ebenfalls aufgebläht wurde, beträgt lediglich 19 Prozent des US-amerikanischen BIP. Wie stark die Nationalbank direkt am Devisenmarkt interveniert hat, geht aus den Zahlen nicht hervor. «Wir geben keine Details bekannt», sagt SNB-Vizepräsident Thomas Jordan.

Veränderte Berichterstattung

Möglicherweise wird die Öffentlichkeit noch lange im Unwissen gelassen. Für Spezialisten ist irritierend, dass die SNB die Berichterstattung leicht abgeändert hat. Neu lässt sich nicht mehr zwischen gekauften Devisen wie Staatsanleihen und Swap-Kontrakten unterscheiden. «Die Berichterstattung der SNB ist intransparenter geworden», sagt der UBS-Devisenexperte Giovanni Staunovo zum «Sonntag».

(mrs)

Erstellt: 02.10.2011, 10:49 Uhr

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142 Kommentare

Emil Roduner

02.10.2011, 11:12 Uhr
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Ein grosser Teil dieser Fremdwährung werden Euro sein. Nationalrat Spuhler hat einen heruvorragenden Vorschlag gemacht, was damit geschehen soll: Aktien guter Firmen im Euroraum kaufen, z.B. von Siemens oder von Daimler. Mal sehen, was passiert, wenn plötzlich ein signifikanter Teil dieser Aktien in Schweizer Hand ist. Antworten


Ernst Dittmar

02.10.2011, 11:21 Uhr
Melden 74 Empfehlung

Der marktgerechte USD-Kurs wäre heute ohne diese abartigen Interventionen der Nationalbank bei ungefähr 60 Rappen. Ich bin am Aufbauen eines Geschäfts und meine Kosten fallen in USD an. Durch diese manipulativen Interventionen der Nationalbank zahle ich ca. 50% mehr für den USD als beim effektiven Marktkurs. Wer bezahlt mir die Differenz? Mit Marktkursen kann ich leben, so gehe ich pleite. Antworten



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