Wirtschaft
«Neben den SRG-Sendern haben die Privaten keine Chance»
Von Matthias Chapman. Aktualisiert am 12.04.2011 48 Kommentare
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Knapp 10 Jahre ist es her, dass Tamedia (TAMN 101.3 -1.55%) – zu der auch der Tagesanzeiger.ch/Newsnet gehört – dem Medienpionier Roger Schawinski sein Unternehmen abkaufte. Radio 24 und TeleZüri vervollständigten so das Multimedia-Portfolio des Zürcher Konzerns. Nun ist höchstwahrscheinlich Schluss mit Multimedia, der Verkauf von Radio- und TV-Sendern wird geprüft.
«Neben den SRG-Sendern haben die Privaten keine Chance», konstatiert Kurt W. Zimmermann, früher Medienmanager und jetzt Berater. Die SRG-Medien seien durch Gebühren und Werbeeinnahmen dermassen im Vorteil, dass man mit Privatsendern kaum auf einen grünen Zweig komme. Will heissen, finanziell kommt man gerade mal eben raus.
Gesetzliche Schranken
Die Chance, dass man den SRG-Medien mit einem Zusammenschluss von mehreren Privatsendern Paroli bieten könnte, ist per Gesetz verbaut. «Weil ein Medienkonzern nicht mehr als zwei Konzessionen erhält, sind die strategischen Optionen beschränkt», erklärt Andreas Meili, Medienanwalt und früherer Leiter elektronische Medien der Tamedia. Eine Kettenbildung von regionalen TV-Sendern – also zum Beispiel Zürich, Bern und Basel – sei damit verunmöglicht. Und das wiederum habe Konsequenzen: «Entsprechend sind den finanziellen Möglichkeiten und den Chancen für Programmentwicklungen enge Grenzen gesetzt.» Meili spricht Klartext: «Die Politik hat die falschen Rahmenbedingungen gesetzt.»
Man habe zwar bei der letzten Revision des Radio- und TV-Gesetzes versucht, Gegensteuer zu geben. Allerdings ohne Erfolg. Zimmermann sieht das Problem beim Werbemarkt. «Für die öffentlich-rechtlichen TV-Sender gibt es nicht die Werbeverbote, wie sie im Ausland bestehen.» ARD und ZDF zum Beispiel hätten viel engere Schranken im Werbemarkt. Und das erhöhe die Chancen der Privaten. «Die SRG-Medien holen alles im Werbemarkt. Den Privaten fehlt so das Geld, um ihre Inhalte weiterentwickeln zu können.» Die Schweiz sei diesbezüglich innerhalb Europas eine grosse Ausnahme.
Gehen die Verleger über die Bücher?
Und das bleibt nicht ohne Konsequenzen. Nach der Aufbruchstimmung in den 80er Jahren mit den Privatradios und den ersten privaten TV-Sendern in den 90er Jahren gebe es jetzt nur noch wenig Dynamik bei den privaten elektronischen Medien, stellt Zimmermann fest. «In der Branche ist Resignation eingekehrt.»
Hat der Ausstieg von Tamedia aus dem Privat-TV-Geschäft gar für eine ganze Branche Signalwirkung? Meili will das nicht ausschliessen: «Möglich, dass sich manch ein Verleger jetzt die Frage stellt, ob sein Privat-TV noch zum Kerngeschäft passt. Vor allem, da man finanziell sowieso nur knapp über die Runden kommt.» Dass Tamedia bei Radio und TV nun aussteige, erklärt sich Zimmermann auch noch so: «Der Konzern hat anders als etwa die Verlage Südostschweiz oder AZ kein territoriales Prestigedenken.» Es gebe nicht die Bestrebung, in einem bestimmten Gebiet auf allen Kanälen präsent zu sein.
Chancen bei der Konkurrenz
Dass TeleZüri womöglich bei Ringier unterkommt, macht für Meili Sinn. «Ringier könnte mit dem Sender das Synergiepotential in dessen Wertschöpfungskette vermutlich besser nutzen als Tamedia. Die Unterhaltungsstrategie dieses Konzerns ist besser darauf angelegt.»
An einen Exodus der Medienkonzerne aus dem Privat-TV-Geschäft glaubt Zimmermann nicht. «In beschränktem Ausmass werden die ihre Sache machen. Mehr aber auch nicht.» (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 12.04.2011, 15:20 Uhr
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48 Kommentare
Vielleicht liegts an der Qualität von TeleZüri und Radio 24.
Niemand braucht TeleZüri, es bietet keinen Mehrwert gegenüber dem Schweizer Fernsehen.
Der Grundtenor dieser Sender ist so oder so reisserisch. Ueberflüssige Informationen braucht niemand.
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