Wirtschaft
Nespresso-Erfinder leidet unter eigener Schöpfung
Von Romeo Regenass. Aktualisiert am 23.07.2009 14 Kommentare
Eric Favre und eine Maschine des nie produzierten Modells Zenith. (Bild: Beat Marti)
Den abgekapselten Markt sprengen
Wer sich einmal für ein Kapselkaffeesystem entschieden hat, wird zum Sklaven der Marke. Einmal Nespresso, immer Nespresso. Einmal Delizio, immer Delizio. Einmal Tassimo, immer Tassimo. Einzig die Kapseln von Chicco d'oro passen auch zu Tchibos Cafissimo und umgekehrt. Alle anderen sind geschlossene Systeme, die durch Patente geschützt sind.
Die deutsche Krüger-Gruppe, die mit Instantkaffee und anderem 1,56 Milliarden Euro Umsatz erzielt, will nun den abgekapselten Markt sprengen. Kaffee in der Kapsel sei bisher «ein Heimspiel für die Markenhersteller», zitiert die deutsche «Lebensmittelzeitung» den Konzernchef Willibert Krüger. Er will nun Handelsmarken aufs Feld schicken.
Konkret soll sein K-System im ganzen deutschen Handel erhältlich sein: Die Verkaufsgespräche würden «auf Topebene in grossen Handelszentralen geführt». Spätestens in der Vorweihnachtszeit soll dann das Geschäft ins Laufen kommen. Eine Einführung in der Schweiz ist laut einem Sprecher derzeit nicht geplant, aber nicht auszuschliessen. K-System soll klar günstiger als die bisherigen Systeme sein: Der Preis einer Maschine (die in China hergestellt wird) soll bei rund 100 Euro liegen.
Zwar ist auch das neue System geschützt, aber nicht für eine einzelne Marke. Die Eigenmarke des Discounters passt ebenso rein wie die teurere aus dem Warenhaus. Bei Kaffeepads, den Filterbeuteln aus Stoff, funktioniert das bestens: Aldi etwa verkauft unter seiner Eigenmarke so viele Pads wie niemand sonst.
Die Bastionen von Nespresso, Dolce Gusto, Delizio und Co. werden aber auch diese K-System-Kapseln nicht knacken können. Wer eine solche Maschine hat, kann nur die entsprechenden Kapseln verwenden. Er bleibt der Sklave der Marke. (meo)
Fürs Verkaufslokal an der Zürcher Löwenstrasse war nur das Beste gut genug: eine Leuchtwand aus Carrara-Marmor, Möbel aus Tropenholz, Ledersofas nach Mass. Schliesslich hatte man es mit Monodor bei der Lancierung Ende 2006 auf anspruchsvolle Kunden abgesehen.
Euphorie ist verflogen
Zweieinhalb Jahre später ist Trübsal angesagt: Der Laden an der Löwenstrasse ist seit Wochen «auf unbestimmte Zeit geschlossen», die Fensterscheiben der Edelboutique werden nicht mehr gereinigt.
Neben dem Internet hat Monodor nur noch sechs Verkaufspunkte in der Romandie, keinen in der Deutschschweiz. Von zwei Maschinentypen ist lediglich die günstigere Linie Vertigo erhältlich, statt 299 kostet sie 199 Franken. Das eigentliche Flaggschiff, das 2006 vorgestellt worden war, ging gar nie in Produktion: «Die Zenith ist noch nicht auf dem Markt, sie ist noch in Entwicklung», heisst es dazu im Monodor-Laden am Hauptsitz in Saint-Barthélemy VD. Was ist los mit dem Handelsgeschäft des Erfinders von Nespresso, der seine Patente für viel Geld an den italienischen Kaffeeriesen Lavazza und für die Schweiz an die Migros mit ihrem Delizio-System verkaufen konnte?
Kein Rückzug aus Deutschschweiz
Der Laden in Zürich sei nie wirklich als Verkaufslokal und Ertragsbringer gedacht gewesen, erklärt Eric Favre. «Wir wollten mit den Kunden in Kontakt treten sowie den Markt und die Reaktionen der Kunden testen, um unsere Produkte danach auszurichten.» Das derzeit geschlossene Lokal will er trotz erheblicher Kosten behalten. Für die Deutschschweiz sei noch einiges in der Pipeline, ein Rückzug kein Thema.
Abgesehen davon, betont Favre, sei das Kerngeschäft von Monodor die Forschung und Entwicklung im Bereich Kapselsysteme. «Da sind wir sehr erfolgreich: Die Zahl der von den Lizenznehmern verkauften Kapseln stieg in zwei Jahren von 500 auf 800 Millionen Stück.» Die Direktverkäufe auf dem Schweizer Markt machten dagegen nur wenige Prozent aus.
Schwierigkeiten wurden Prophezeit
Trotz der Erfolge im Lizenzbereich attestiert der Wirtschaftsinformationsdienst Teledata von Orell Füssli der Firma Monodor eine «erhöhte Ausfallwahrscheinlichkeit». Das bedeutet, dass die Wahrscheinlichkeit hoch ist, dass Monodor in den nächsten Jahren in Zahlungsschwierigkeiten gerät. Zu diesem Urteil kommt Teledata aufgrund der Auswertung von über 100 Kennzahlen über die Firma und deren Gesellschafter.
Eric Favre winkt ab: «Monodor erhält für die 800 Millionen verkauften Kapseln Jahr für Jahr hohe Lizenzgebühren. Deshalb benötigen wir keinen einzigen Bankkredit und haben keinen Franken Schulden.» Zudem sei die Firma im Endspurt für eine Weiterentwicklung ihres Angebots, das eine qualitative Verbesserung bringe. Weil der Patentschutz gewisser Produkte verfällt, will Monodor diese bald ersetzen. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 23.07.2009, 14:24 Uhr
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14 Kommentare
Ich war während ca. 15 Jahren ein Fan von Monodor Kaffee. In den letzten 2 Jahren musste ich meine Maschine zweimal austauschen und auch jetzt gibts wieder Schwierigkeiten. So blieb mir keine andere Wahl als Nespresso zu kaufen. Ausserdem fand ich die Art und Weise wie mit den Händlern in der Deutschschweiz umgegangen wurde äusserst stossend, Schade aber wahr Antworten
Der Superjumbo-TGV "Nespresso" ist abgefahren, vollbeladen mit seinen Sklaven. Ein Nespresso-Kaffee ist viel billiger als im Restaurant aber viel teurer als ein "normaler" traditioneller Kaffee. Der Preis der Maschine spielt keine Rolle. Nestle hat mit ihrer Nespressoqualität und dem Service einen Level erreicht der kaum mehr einzuholen ist. Das ist wie Afri-Cola und Coca-Cola. Antworten
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