Wirtschaft

Neue Busse für die Problemsendung «Gesundheit Sprechstunde»

Von Angela Barandun. Aktualisiert am 23.12.2010 8 Kommentare

In 12 von 12 untersuchten Sendungen verstiess das Magazin gegen die Regeln des TV-Sponsorings. Den Behörden fehlen die Mittel, Missbrauch zu unterbinden.

Zwölf Sendungen der «Gesundheit Sprechstunde» hat das Bundesamt für Kommunikation (Bakom) zwischen dem 19. September 2009 und dem 13. März 2010 unter die Lupe genommen. In jeder einzelnen wurden die Werbe- und Sponsoringrichtlinien verletzt. Zu diesem Schluss kommt die Aussichtsbehörde in ihrer neusten Verfügung gegen das Format aus dem Hause Ringier, das jeweils samstagabends zur besten Sendezeit auf SF 1 ausgestrahlt wird.

In sieben Fällen handelte es sich um Wiederholungstaten, weshalb das Bakom das Recht hat, einen Teil der Einnahmen aus den Sponsoringverträgen zu konfiszieren. Fünf davon sind sogar so krass, dass die Behörden die gesamten Einnahmen einfordern. Die Sendungen seien zur «Werbeplattform für die einzelnen Sponsoren» verkommen. Bei den Sponsoren handelt es sich um die Privatkliniken Aeskulap (Brunnen SZ), Pallas (u. a. in Olten), Clienia (u. a. Oetwil am See, Wetzikon, Uster, Männedorf) sowie die Laborgruppe Viollier.

Werbefilm 1:1 übernommen

Insbesondere kritisiert die Behörde die Möglichkeit der Sponsoren, in die «Gestaltung der Sendung einzugreifen», und den Mangel an unabhängigem Fachwissen. In der Verfügung wird etwa das Beispiel einer Reportage zum Thema Kinderwunsch thematisiert, die praktisch identisch ist mit einem Werbefilm auf der Website von Sponsor Viollier. Der Werbefilm wurde bloss neu vertont und das Happy End neu verfilmt. Regisseurin und Drehbuchautorin der älteren Viollier-Version: Jeanne Fürst, Moderatorin von «Gesundheit Sprechstunde».

Fibo Deutsch, bei Ringier verantwortlich für die Sendung, weist die Vorwürfe zurück und will den Entscheid weiterziehen: «Wir halten die Verfügung für einen erheblichen Eingriff in unsere journalistische Freiheit.» Er geht sogar noch weiter: «Das Bakom ist für viele der bemängelten Aspekte gar nicht zuständig.» Etwa wenn es darum gehe, welche Experten man zu Wort kommen lasse.

Gesamteindruck entscheidet

Dem stimmt das Bakom sogar zu: «Wir haben einzig die Werbewirkung beurteilt», sagt Medienjuristin Stefanie Gerber. Entscheidend sei dabei der Gesamteindruck. Ob die journalistische Unabhängigkeit beeinträchtigt worden sei, müsste die Unabhängige Beschwerdeinstanz prüfen. «Doch dafür müsste eine Beschwerde eingereicht werden.»

Das Bakom führt seit Jahren immer wieder Untersuchungen gegen die «Sprechstunde» durch. Ohne dabei viel zu erreichen, sagt Gerber: «Für uns ist es stossend, dass bei‹Gesundheit Sprechstunde› immer wieder der gleiche Mechanismus zur Anwendung kommt.» Viel dagegen kann sie allerdings nicht tun: «Uns bleibt nichts anderes übrig, als immer wieder die gleichen Verstösse zu rügen und die Einnahmen aus den Verstössen einzuziehen.» Ein Sendeverbot etwa kann nicht verhängt werden.

Nächstes Verfahren eröffnet

Die finanziellen Folgen des Urteils treffen die «Sprechstunde» kaum. Das Bakom stellt insgesamt 28'000 Franken in Rechnung, 9000 Franken aus den Sponsoringverträgen und 19'000 Franken an Verwaltungsaufwand. Kaum der Rede wert, findet selbst das Bakom: «Der Betrag ist auch aus unserer Sicht tief», sagt Gerber. Schuld sei die Berechnungsmethode. Bei der letzten Busse 2006 musste die Sprechstunde immerhin 380 000 Franken überweisen.

Das SF, das den Sendeplatz zur Verfügung stellt, wollte sich gestern nicht zum Entscheid äussern. Das sei Sache der neuen Geschäftsleitung. Und die fange erst im neuen Jahr an.

Allerdings dürften die Probleme auch im neuen Jahr nicht abreissen: Das Bakom hat bereits ein neues Verfahren eröffnet. Dabei geht es um einen Beitrag zu einem neuen Schmerzmittel von Mitte Oktober. Gemäss Deutsch von der «Sprechstunde» beruht dieses allerdings auf einem Missverständnis. Nur: Bislang hat das Bakom noch kein einziges Verfahren gegen die Sendung ergebnislos eingestellt. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 22.12.2010, 23:14 Uhr

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8 Kommentare

Werner Brunner

23.12.2010, 10:19 Uhr
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Das ist eine von der Pharmaindustrie gesponserte Sendung. Was erwarten wir denn davon? Natürlich muss jeder zum Arzt, natürlich muss alles abgeklärt sein, natürlich ist das neue Medi xxxx wieder besser. So werden wir manipuliert. Ganz einfach : Diese Sendung gehört abgeschafft, aber sofort. Aber Ringier wird ja einen langjährigen Vertrag mit SF DRS haben! Noch Fragen? Antworten


peter wälchli

23.12.2010, 11:03 Uhr
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Das schlimmste an der Geschichte finde ich, dass das BAKOM solange zusieht. Wenn es in einer Sendung einen Verstoss gibt, gibt es eine Verwarnung. Im Wiederholungsfall wird die Sendung abgesetzt. Aber 12 x zuschauen und dann erst reagieren geht gar nicht!! Antworten



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