Wirtschaft

Neue Limonade soll die Schweiz erobern

Von Stefan Weber. Aktualisiert am 06.10.2009

Der neue Besitzer des Ökogetränks Bionade, der deutsche Oetker-Konzern, will den Absatz im Ausland forcieren. Natürlich auch in der Schweiz.

Brause mit Potential: Bionade-Abfüllung in Ostheim.

Brause mit Potential: Bionade-Abfüllung in Ostheim.
Bild: Keystone

Als sich Ulrich Kallmeyer, der langjährige Chef der deutschen Getränkegruppe Radeberger, im Frühjahr in den Ruhestand verabschiedete, machte er Geschäftsfreunden und Wegbegleitern ein besonderes Geschenk: zwei Getränkekisten, gefüllt mit sämtlichen zu Radeberger gehörenden Marken: Regionale Bierspezialitäten waren ebenso darunter wie national bekannte Biermarken, etwa Jever und Clausthaler. Alles solide Marken. Aber ein Getränk mit Kultstatus fehlte noch im RadebergerSortiment.

Jetzt schluckt das zum Oetker-Konzern gehörende Unternehmen die kultige Ökolimonade Bionade. Radeberger übernimmt 70 Prozent der Anteile an dem Familienunternehmen. Die Bionade-Gründer Stephan und Peter Kowalsky bleiben mit 30 Prozent beteiligt.

Der bisherige Mehrheitsaktionär ESH hat sämtliche Anteile abgegeben. ESH war vor sieben Jahren mit 51 Prozent bei Bionade eingestiegen. Damals benötigte die 1995 gegründete Firma dringend Geld, um Investitionen zu finanzieren. Nach Informationen aus Bankenkreisen hat Radeberger für sein 70 Prozent starkes Paket einen hohen zweistelligen Millionenbetrag bezahlt.

Partner für Internationalisierung

Mit der Finanzkraft des neuen Mehrheitsaktionärs will der Limonadenhersteller, der 2008 einen Umsatz von 40 Millionen Euro erwirtschaftete, neue Märkte vor allem im Ausland erschliessen. Tests in Österreich, der Schweiz und den Beneluxstaaten laufen bereits. «Wir wollen nicht, dass Bionade so etwas wie eine kleine Szene-Limo in Deutschland bleibt», sagte Stephan Kowalsky. Mit der ESH war dies offensichtlich nicht zu machen gewesen. ESH-Geschäftsführer Manfred Ziegler räumte ein, dass Bionade für die geplante Internationalisierung einen «starken, international erfahrenen und auf dem Markt auch anerkannten Partner» benötige.

In den vergangenen Monaten hatte die Geschichte vom hemdsärmeligen Limonaden-David aus der Provinz, der mit neuen Rezepturen und frechem Marketing etablierte Getränke-Goliaths das Fürchten lehrt, Kratzer bekommen. Es begann mit einer Preiserhöhung von mehr als 30 Prozent, die für einen gewaltigen Aufschrei bei Bionade-Liebhabern sorgte. Der Absatz sank kräftig. Zudem wollen Trittbrettfahrer mit Imitaten am Boom der Bio-Limonaden teilhaben. Bald machten Spekulationen über einen Verkauf die Runde. Mehrere Nahrungsmittel- und Getränkekonzerne sollten interessiert sein, CocaCola und Nestlé, hiess es. Dann rückte die Brauerei Bitburger ins Scheinwerferlicht. Doch nach Streitigkeiten im Eigentümerkreis von Bitburger platzte der Deal.

In trendigen Klubs und Bars

Künftig werden die Brüder Kowalsky gemeinsam mit einem von Radeberger entsandten Manager die Geschäfte von Bionade leiten. Bei der Expansion im Ausland setzen die Gründer auf das Konzept, mit dem sie auch in Deutschland gross geworden sind: Bionade soll zunächst in trendigen Klubs und Bars europäischer Metropolen angeboten werden. «Wir haben Städte ausgesucht, die einen Trend auslösen können», sagte Stephan Kowalsky. Allerdings brauche diese Strategie viel Zeit. Nötig seien mindestens fünf Jahre. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 06.10.2009, 10:25 Uhr

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