Neue SBB-Doppelstöcker lassen auf sich warten

Zugbauer Bombardier hat gravierende Probleme mit der Konstruktion und Fertigung der von den SBB bestellten 59 Züge. Dies sagt SBB-Chef Meyer – er wartet immer noch auf einen verbindlichen Lieferplan.

Stockender Milliardenauftrag: Holzmodell des neuen Doppelstockzugs in einer Produktionshalle von Bombardier in Zürich Oerlikon. (22. August 2011)

Stockender Milliardenauftrag: Holzmodell des neuen Doppelstockzugs in einer Produktionshalle von Bombardier in Zürich Oerlikon. (22. August 2011) Bild: Walter Bieri/Keystone

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Die neuen Doppelstockzüge für knapp zwei Milliarden Franken bereiten den SBB weiter Ärger. Geplant war die erste Lieferung für Ende 2013. Sie wurde auf 2015 verschoben. Aber auch dieser Termin ist laut SBB-Chef Andreas Meyer nicht sicher.

«Bombardier hat gravierende Probleme bei der Konstruktion und Fertigung der Züge», sagte Konzernchef Andreas Meyer in einem Interview mit dem «SonntagsBlick». Er hoffe, dass der Hersteller Bombardier den Termin einhalten könne, sicher sei er da aber nicht.

Die SBB erwarten seit längerem einen verbindlichen und nachvollziehbaren Lieferplan. «Bis heute liegt uns ein solcher aber nicht vor.» Meyer verwies darauf, dass Bombardier in Deutschland und Österreich ebenfalls Lieferverzögerungen habe.

Gedanken zu Plan B

Derzeit stehe ein Ausstieg aus dem Vertrag zwar nicht zur Debatte, sagte Meyer auf eine entsprechende Frage. «Aber wenn wir feststellen, dass die Züge nicht auf die Schienen gebracht werden, müssen wir uns nach Alternativen umschauen».

Die SBB bezeichneten den Auftrag für 59 Doppelstockzüge für 1,9 Milliarden Franken bei der Vergabe 2010 als grössten in ihrer Geschichte. Es geht um 436 Wagen mit über 36'000 Sitzplätzen. Dem kanadischen Konzern waren die Mitkonkurrenten Stadler Rail aus der Ostschweiz sowie die deutsche Siemens unterlegen. Bombardier legte das günstigste Angebot vor.

An der Verzögerung ist Bombardier allerdings nicht alleine schuld. Zwar kämpfte der Hersteller mit Problemen mit der Wagenkonstruktion. Das ursprüngliche Konzept genügte nicht für Geschwindigkeiten über 200 km/h. Allerdings kam es auch zu einer Verzögerung, weil die SBB Änderungen am Design vornehmen mussten.

Erstmals Regionalzüge im Fernverkehr ein

Wie die «Schweiz am Sonntag» berichtet, setzen die SBB derweil immer stärker auf Rollmaterial, das ursprünglich für die Zürcher S-Bahn bestellt wurde. Neuerdings sind die doppelstöckigen S-Bahn-Kompositionen des Schweizer Zugbauers Stadler planmässig auf der Interregio-Strecke zwischen Basel und Zürich-Flughafen unterwegs. Beim so genannten «Flugzug» seien bereits zwei Züge durch Regio-Doppelstöcker ersetzt worden.

Im Verlauf des Jahres werde auch der noch verkehrende ICN-Neigezug von einem Regio-Doppelstöcker abgelöst. Im Fahrkomfort unterscheiden sich die Stadler-Regionalzüge deutlich von den zuvor eingesetzten Zügen Fernverkehrszügen. So ist etwa die 1. Klasse deutlich enger und in 4 Sitzreihen bestuhlt.

SBB-Sprecher Stephan Wehrle sprach gegenüber der «Schweiz am Sonntag» von einem «Spagat» zwischen Kapazität und Komfort. Dieser sei aufgrund der immer knapperen freien Sitzplätze nötig geworden. Bereits im vergangenen Jahr haben die SBB frühere Intercity-Strecken zur RegioExpress-Strecken heruntergestuft, und das dortige Rollmaterial ebenfalls durch die Regio-Doppelstücker ersetzt. In absehbarer Zukunft werde das auch auf weiteren Strecken passieren, kündigen die SBB an.

Zu früh für Aussage zu Tariferhöhung

Ob das Bahnfahren auf den nächsten Fahrplanwechsel im kommenden Dezember teurer wird, lässt sich gemäss SBB-Chef Meyer derzeit noch nicht sagen. Das habe nichts mit Taktik wegen der baldigen Abstimmung vom 9. Februar zum Bahnpaket Fabi zu tun, es fehlten schlicht die nötigen Grundlagen für eine Tarifschätzung. Meyer erinnerte aber daran, dass die Nutzer heute weniger als die Hälfte der effektiven Kosten tragen.

Fabi ordnet die Bahnfinanzierung neu. Unterhalt, Betrieb und Ausbau werden aus einem Topf bezahlt. Dabei sollen unter anderem auch die Bahnnutzer stärker zur Kasse gebeten werden. Dafür wird mit einem zusätzlichen Bahnausbau in der Höhe von 6,4 Milliarden Franken bis 2025 auch das Angebot verbessert.

(mw/sda)

Erstellt: 05.01.2014, 07:01 Uhr

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