Neue Vorwürfe gegen Allianz von SRG, Ringier und Swisscom

Die Schweizer Verleger kritisieren unter anderem die Nutzung von SRG-Daten für Werbezwecke. Zudem seien wesentliche Details nicht offengelegt worden.

Kritik wegen Teilnahme von Service-public-Unternehmen: Der Hauptsitz der Swisscom in Bern. (13.11.2012)

Kritik wegen Teilnahme von Service-public-Unternehmen: Der Hauptsitz der Swisscom in Bern. (13.11.2012) Bild: Gaetan Bally/Keystone

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Die geplante Werbeallianz von SRG, Swisscom und Ringier gefährdet nach Ansicht der Verleger die Medienvielfalt in der Schweiz. Die Verlagshäuser fordern daher einen Marschhalt. Alternative Modelle seien zu prüfen.

Die drei Partner SRG, Swisscom und Ringier hatten im August 2015 angekündigt, ihre Werbung in Print, Online, TV und Radio künftig in einer gemeinsamen Firma vermarkten zu wollen. Dank der Swisscom wird die neue Allianz TV-Werbung einführen können, die auf Zielgruppen zugeschnitten ist. Der Verlegerverband wehrt sich vehement dagegen.

Zugang zu Nutzerdaten nicht offengelegt

Bis heute habe die Werbeallianz wesentliche Elemente des Joint Venture, namentlich den Zugang zu den Nutzerdaten, nicht offengelegt, teilte der Verband Schweizer Medien gestützt auf eine Studie des Oltener Forschungsinstituts Polynomics mit. Die Werbeallianz werfe medien- und ordnungspolitische Fragen auf.

Es bestehe die akute Gefahr, dass die Allianz zu einer Verzerrung des Wettbewerbs im Werbemarkt führe. Das Argument der drei Partner, die Werbeallianz sei in erster Linie gegen die Internetriesen Google und Facebook gerichtet, sei rein politisch motiviert. In Tat und Wahrheit gehe es um die Macht im Schweizer Werbemarkt.

Umstrittene Teilnahme von SRG und Swisscom

Polynomics hat für die Studie rund dreissig Experten aus dem In- und Ausland befragt sowie Gespräche mit Nationalrätinnen und Nationalräten geführt. Aus betriebswirtschaftlicher Optik mache die Werbeallianz Sinn. Die Kritik richte sich daher nicht gegen das Joint Venture, sondern gegen die Teilnahme der SRG und der Swisscom.

Die staatsnahen Unternehmen Swisscom und SRG drängten in Märkte, wo der Wettbewerb spiele. Da sie bei der Finanzierung Vorteile hätten, benachteiligten sie private Unternehmen. Die Studie kommt zum Schluss, dass vor allem die SRG mit Blick auf den Service public in einen verschärften Zielkonflikt gerate.

Wertvoller Datenschatz

Auf Zielgruppen zugeschnittene Werbung sei nur möglich über individuelle Nutzerdaten. Über solche Daten verfügten nur jene Unternehmen, die den Konsumenten digitale Internet- und TV-Dienste in die Stube, auf das Smartphone, auf das Tablet oder auf den Computer lieferten. Es stelle sich die Frage, wer diese Daten verwenden dürfe.

Für öffentliche Unternehmen falle die Antwort anders aus als für private Firmen. Die Meinung der Bevölkerung sei grundsätzlich, dass Service-public-Unternehmen einen Datenschatz nicht für Werbezwecke einsetzen sollten. Die Studie sieht in erster Linie die Politik in der Pflicht, die medien- und ordnungspolitischen Fragen zu klären.

Suche nach Alternativen

Der Verlegerverband schlägt vor, alternative Modelle zu prüfen. So sollten alle Nutzer- und Nutzungsdaten, die für die Werbung relevant seien, allen Medien kostendeckend und ohne Diskriminierung zur Verfügung gestellt werden. Organisatorisch könnte dies über eine gemeinsame neutrale Stelle, einen Verein oder eine Genossenschaft geschehen, der alle interessierten Medien beitreten könnten.

Gespräche über alternative Modelle zwischen der SRG, der Swisscom und den Verlagshäusern seien zwingend. «Die Schweizer Verleger sind bereit, konstruktive Gespräche über ein Konzept für den Werbemarkt zu führen. Es braucht nun einen Marschhalt, bevor die geplante Werbeallianz Fakten schafft und damit die Medienvielfalt gefährdet», teilte Verlegerpräsident Hanspeter Lebrument mit. (ij/sda)

(Erstellt: 26.01.2016, 16:29 Uhr)

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