Teures Internet im neuen Swiss-Flieger

Morgen landet zum ersten Mal eines der neuen Swiss-Flugzeuge. Gewisse Services sind ein teurer Spass.

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Grösser, schneller, weiter – und günstiger. In den nächsten sechs Monaten nimmt die Fluggesellschaft Swiss sechs neue Grossraumflugzeuge in Betrieb. Drei weitere stossen ab übernächstem Jahr zur Flotte. Die neun Boeing 777, auch bekannt als Triple Seven, lösen nach und nach die heute noch eingesetzten Airbus A340 ab und bilden das neue Rückgrat der Langstreckenflotte. Sie fassen 120 Passagiere mehr, fliegen 16 Kilometer pro Stunde schneller und haben eine um 1200 Kilometer grössere Reichweite. Zudem verbrauchen sie rund 23 Prozent weniger Kerosin pro Sitzplatz.

Kein Wunder, feiert die Schweizer Fluggesellschaft kommenden Freitag mit viel Brimborium. Mitarbeiter, Lieferanten, Topmanager, VIP-Kunden, Vertreter von Boeing, Journalisten und Politiker wurden geladen, um die Landung des ­allerersten Exemplars des neuen Flugzeugmodells vor Ort mitzuerleben. Die Maschine wird nach einem 12-stündigen Direktflug vom Boeing-Werk bei Seattle zuerst in niedriger Höhe über Piste 16/34 hinwegfliegen und nach einer Kurve ­gegen 9.30 Uhr auf dem Flughafen Zürich landen. Das Swiss-Management wird danach in seinen Reden das «hoch­moderne Kabinenprodukt» loben, die bessere Umweltbilanz, den tieferen Lärmpegel und die höhere Effizienz.

Mehr bequeme Sitze

Die Erneuerung musste sein. Das neue Flugzeug bietet in Sachen Komfort in ­allen Buchungsklassen mehr. Auch in der Economy. Zwar sitzen die Passagiere dort in einer Zehnerreihe. Sie bekommen aber einen bequemeren Sitz, einen grösseren Touchscreen, drahtloses Internet und einen Anschluss zum Auf­laden elektronischer Geräte. Zudem können sie am Selbstbedienungskiosk selber Getränke und Snacks holen. In der First gibt es Privatsuiten und in der Business mehr Beinfreiheit und Privatsphäre. Dieses Upgrade war bitter nötig. Die asiatische und arabische Konkurrenz offeriert solchen Luxus schon ­länger. Cathay Pacific, Emirates, Etihad und Co. drohten Swiss mit ihren jüngeren Flotten abzuhängen.

Die Aufnahme der Boeing 777 in die Flotte ist ein Herkulesakt und birgt Risiken.

Doch die Aufnahme der Boeing 777 in die Flotte ist ein Herkulesakt und birgt Risiken. Jede Einführung eines neuen Flugzeugtyps führt zu einem erheblichen Mehraufwand. Hunderte von Leuten müssen geschult werden: Piloten, Flugbegleiter, Techniker. Das kostet nicht nur Geld, sondern führt bei den Mitarbeitenden auch zu einer Mehrbelastung. Dies gilt umso mehr, als sich Tücken eines neuen Fliegers erst im täglichen Einsatz zeigen.

In den neuen Boeing 777 der Swiss können die Passagiere mit ihren Tablets, Laptops und Smartphones im Internet surfen. Die Preise sind jedoch stolz. Ein Datenpaket von 20 MB kostet 9 Franken. Damit kann man zwar rund 400 E-Mails ansehen, aber nur wenn keine grossen Anhänge mitversandt wurden. Wer Facebook aufruft, dürfte das Guthaben schon nach rund 10 Minuten aufgebraucht haben. Das grösste Swiss-Datenpaket umfasst 120 MB und kostet 39 Franken. Zum Vergleich: Bei der Swiss-Mutter Lufthansa ist man für umgerechnet 19 Franken während 24 Stunden unbeschränkt online. Bei Emirates bekommen Passagiere 10 MB geschenkt, weitere 500 MB kosten umgerechnet 1 Franken. Auch das Telefonieren an Bord ist bei Swiss künftig tagsüber erlaubt. Die Tarife sind ebenfalls beträchtlich. (se)

Diesen Aufwand leistet die Swiss in diesem Jahr gleich zweimal, weil sie im Sommer auch die neue C-Series von Bombardier für die Kurzstrecken erhält. Bei der Doppelbelastung hilft ihr, dass die Boeing 777 seit mehr als zehn Jahren bei Dutzenden von Airlines im Einsatz ist. «Wir erwarten deshalb eine unkomplizierte Einführung und einen reibungslosen Betrieb», sagt Swiss-Sprecher Stefan Vasic.

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20 Megabyte-Datenpaket für 10 Franken. Ist das legitim oder schon zu teuer?





Mit der Boeing 777-300ER, so die korrekte Typenbezeichnung, schafft sich die Swiss zudem ein sehr grosses Flugzeug an. Finden im alten A340 220 Menschen Platz, sind es beim neuen Jet 340 Passagiere – oder 55 Prozent mehr. Diese Sitze müssen gefüllt werden. Auf einigen Routen kann die Lufthansa-Tochter künftig dank den grösseren 777 weniger oft fliegen und doch gleich viele Menschen transportieren. «Wir fokussieren unser Angebot hauptsächlich auf den Schweizer Markt. Dort konnten wir in der Vergangenheit nur mit zusätzlichen Flügen wachsen», erklärt Vasic. Das hilft Kosten zu sparen. Auf anderen Routen wird es aber wichtig sein, gleich oft zu operieren. Da ist Swiss dazu verdammt, die Sitze mit zusätzlichen Pas­sagieren zu füllen – mitunter sicherlich mit tiefen Preisen. «Wir erwarten für die Anfangsphase, die Zusatzkapazität auch mit Umsteigeverkehr abzudecken», so der Swiss-Sprecher.

Zusätzliche Sitzreihen

Dafür lancierte die Swiss schon vergangenes Jahr ein Ausbauprogramm: 22 neue Destinationen wurden ins Streckennetz aufgenommen. Zugleich werden in die A320 und A321 zwei zusätzliche Sitzreihen eingebaut. Denn mit mehr Sitzen können schneller mehr Fluggäste aus ganz Europa via Drehkreuz Zürich auf die Swiss-Langstreckenverbindungen gelenkt werden. Der Ausbau führt zu Stress bei Piloten und Flugbegleitern sowie zu mehr Verspätungen, weil das Swiss-System am Flughafen Zürich am Limit arbeitet.

Kritiker werfen der Swiss zudem vor, ein Flugzeug gekauft zu haben, das nicht mehr zur Avantgarde gehört. Die Boeing 777-300ER wird seit 2004 eingesetzt. Inzwischen bieten das Nachfolgemodell Boeing 777X oder der Airbus A350 mehr. «Diese Modelle wären für uns frühestens ab 2020 verfügbar gewesen. Das ist eine lange Zeit, in der die 777 für Swiss bereits wertvolle Dienste leisten kann», entgegnet Swiss-Mann Vasic. Darüber hinaus sei der Kostenvorteil der neuen Flieger nicht so gross, wenn man den 10 bis 20 Prozent höheren Anschaffungspreis berücksichtige. «Wir sind deshalb der Überzeugung, dass sich das Warten nicht lohnt.»

Entscheid fiel bei hohem Ölpreis

So oder so lässt sich der bei einem Ölpreis von 95 Dollar getroffene Entscheid nicht mehr rückgängig machen. Und bei Swiss glaubt man auch nicht, dass der heutige Fasspreis von 30 Dollar ein anderes Resultat hervorgebracht hätte, obwohl der Kostennachteil der A340 heute deutlich weniger wiegt. «Wir würden wieder so entscheiden», so Vasic.

Der Fokus liegt nun auf der pannenfreien Einführung. Zuerst werden die Boeing 777 zum Test auf Europaflügen und nach Nordamerika eingesetzt. Später fliegen sie nach Bangkok, Hongkong, Los Angeles, San Francisco und São Paulo sowie nach Tel Aviv. Und danach könnten sie auch ganz neue Ziele möglich machen. Sprecher Vasic: «Das Flugzeug verfügt über die ideale Reichweite, um die längsten Flüge aus der Schweiz nonstop anbieten zu können – speziell Routen nach Asien.»

(Tages-Anzeiger)

(Erstellt: 27.01.2016, 22:39 Uhr)

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