Wirtschaft

Neuer Geldsegen für Novartis-Chefs

Konzernchef Joe Jimenez und Präsident Daniel Vasella erhielten 2011 deutlich mehr Lohn. Dieses Jahr fährt der Pharmakonzern einen Sparkurs.

Trotz Patzer: 15,7 Millionen bekam Konzernchef Joe Jimenez (links) letztes Jahr, 13,5 Millionen Verwaltungsratspräsident Daniel Vasella.

Trotz Patzer: 15,7 Millionen bekam Konzernchef Joe Jimenez (links) letztes Jahr, 13,5 Millionen Verwaltungsratspräsident Daniel Vasella.
Bild: Keystone

Geschäftszahlen Novartis 2010/2011. (Bild: TA-Grafik mr / Quelle: Novartis)

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Novartis (NOVN 52.15 -0.10%) befindet sich seit zwei Monaten in einem Tief. In den Zahlen des vergangenen Jahres hat sich dies zwar nur bedingt niedergeschlagen. Ausgestanden sind die Rückschläge der jüngsten Zeit allerdings noch nicht. Begonnen hat das Ungemach mit unerwarteten Nebenwirkungen eines Blutdruckmittels. Später fing das Unternehmen wegen Mängeln in mehreren Werken in den USA eine Rüge der Gesundheitsbehörde FDA ein und musste die dortige Produktion vorübergehend einstellen. Die beiden Vorfälle führten dazu, dass der Pharmakonzern im vierten Quartal 2011 über 1 Milliarde Dollar abschreiben musste.

Trotz dieser Patzer erhalten Verwaltungsrat (VR) und Geschäftsleitung mehr Lohn. Im Vergütungsbericht wird der Abschreiber zwar in der Beurteilung der Leistung des Managements erwähnt; aber die übrigen Ziele, so heisst es, seien erreicht oder gar übertroffen worden. Für Konzernchef Joe Jimenez schlägt sich das in einem Jahressalär von 15,7 Millionen Franken nieder. Das sind 2,8 Millionen Franken mehr als im Vorjahr. Allerdings arbeitete er 2010 lediglich elf Monate als Konzernchef, weil er die Nachfolge von Vasella erst im Februar antrat.

Novartis überflügelt Roche

Auch VR-Präsident Daniel Vasella verdient nochmals mehr. Er bekommt für 2011 eine Vergütung von 13,5 Millionen Franken. Dies sind 2,3 Millionen mehr als 2010. Damals erhielt er jedoch zusätzlich eine Einmalzahlung von 12 Millionen Franken für die Altersvorsorge. Im Lohn Vasellas nicht enthalten ist eine Abgeltung für das mehrjährige Konkurrenzverbot, dass der Verwaltungsrat mit Vasella 2010 ausgehandelt hat. Dem Vernehmen nach wird diese «marktgerechte Vergütung» nach Erfüllung des Vertrags ausbezahlt. Wie viel Vasella dafür erhält, legt das Unternehmen nicht offen. Der 58-jährige Bündner verfügt mittlerweile über 3,3 Millionen Novartis-Aktien, die zum gestrigen Kurs einen Wert von knapp 168 Millionen Franken aufweisen. Novartis überflügelt damit Konkurrent Roche: Konzernchef Severin Schwan erhielt 2010 einen Lohn von 11,4 Millionen Franken, Präsident Franz Humer 10 Millionen. Ihre Löhne für 2011 werden nächste Woche veröffentlicht.

Ebenfalls beträchtlich sind die Löhne jener Topmanager, die neu zu Novartis gestossen sind. So erhält Kevin Buehler, Chef der Augenmittelsparte Alcon, 7,9 Millionen Dollar. Er sitzt erst seit vergangenem April in der Geschäftsleitung: Die von Nestlé zugekaufte Alcon wurde damals vollständig von Novartis übernommen. Wird Bühlers Lohn auf zwölf Monate hochgerechnet, hätte er rund 10,5 Millionen Dollar verdient. Ein Grossteil seines Salärs wurde ihm in Aktien und Optionen ausbezahlt. So besitzt er nach knapp neun Monaten bei Novartis schon fast so viele Aktien wie Jimenez, der seit April 2007 an Bord ist. Bei den Optionen hat Buehler seinen Chef bereits überflügelt. Offensichtlich wollte der Pharmakonzern Bühler nach der Alcon-Übernahme unbedingt halten, um Unruhe bei der zugekauften Firma zu vermeiden.

Keine Freude an diesen Beträgen hat die Genfer Anlagestiftung Ethos. Sowohl Vasellas Lohn als auch die variable Vergütung der Geschäftsleitung sei sehr hoch, sagt Sprecher Vinzenz Mathys. Angesichts der hohen Saläre verlangt Ethos, dass künftig jährlich über die Löhne abgestimmt wird und nicht wie von Novartis vorgesehen alle drei Jahre. Der Pharmakonzern ist diesbezüglich eine Ausnahme. Einen kleinen Erfolg konnte Ethos dennoch verbuchen. Die Basler sind nach jahrelangen Diskussionen auf die Forderung der Anlagestiftung eingetreten und weisen die Löhne neu nach Markt- und nicht mehr nach Steuerwerten aus. Das Ergebnis des vergangenen Jahres interessierte gestern insgesamt weniger als der Ausblick für das laufende Jahr. Viele Beobachter erwarteten, dass es Novartis trotz auslaufender Patente wichtiger Medikamente gelingen sollte, Umsatz wie Gewinn in diesem Jahr zu halten. Bei Letzterem wird das Unternehmen das Ziel aber voraussichtlich verfehlen. Das Management geht davon aus, dass die Marge geringfügig unter dem Niveau von 2011 liegen wird.

Der Sparkurs geht weiter

Finanzchef Joe Symonds betonte im Gespräch mit dem TA, dass dies noch immer eine beachtliche Leistung sei. Schliesslich müsse Novartis einen Umsatzausfall von 2,6 Milliarden Dollar aufgrund auslaufender Patente kompensieren. Neben dem umsatzstärksten Produkt Diovan verlieren weitere Medikamente den Patentschutz und werden deshalb durch Generika konkurrenziert. Finanzchef Symonds bezeichnet das Pharmageschäft trotzdem als gesund. Er verweist dabei auf jüngere Produkte: Die seit 2007 lancierten Medikamente erzielten 2011 einen Umsatz von 9,2 Milliarden Dollar, gegenüber dem Vorjahr ein Plus von 41 Prozent.

Symonds machte an der gestrigen Telefonkonferenz deutlich, dass Novartis auch in diesem Jahr an der Sparschraube drehen wird. Weitere Entlassungen seien keine geplant, sagte Jimenez. Allerdings hatte der Amerikaner bereits vor Jahresfrist ein Sparprogramm ausgeschlossen. Trotzdem kündete der Pharmakonzern 2011 den Abbau von über 3000 Stellen an. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 25.01.2012, 22:05 Uhr

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23 Kommentare

Rolf Schumacher

28.01.2012, 17:57 Uhr
Melden

Wenn man bedenkt, dass Vasella marginale Ahnung von klinischer Medizin hat und wenig Ahnung von Pharmakologie und kaum Ahnung von wissenschaftlicher Pharma-Forschung, ist sein Sold beachtlich hoch. Statt das verseuchte Schweizerhalleareal zu reinigen sich bequem aufs Geldverdienen zu konzentrieren ist menschlich. Super??-Dan wir verstehen das. Viel Spass beim Ausgeben!! Antworten


peter seibel

28.01.2012, 12:07 Uhr
Melden

Toll!. Mir wurde aufgrund eines Unfalls (Bruch im Schultergelenk) die Arbeit bei Novartis gekündigt. Antworten


Klaus Killius

27.01.2012, 08:29 Uhr
Melden 1 Empfehlung

Bei den Angestellten wird über Wochen bei den Lohnverhandlungen um die Stelle nach dem Komma gestritten, aber sich selbst gönnt man eine Erhöhung der Entschädigung um 20%, obwohl das Geschäftsergebnis für 2011 nicht berauschend war. Wieviel Prozent gibt es bei einem herausragenden Geschäftsergebnis? Antworten


Meier Peter

27.01.2012, 08:16 Uhr
Melden 3 Empfehlung

Das klingt sicher toll für die Menschen, die Novartis gerade auf die Strasse setzt, um den Sparkurs fortzuführen. Wi-der-lich... Antworten


Carlo Schnydrig

26.01.2012, 17:20 Uhr
Melden 8 Empfehlung

Zu diesen Löhnen/Bezügen kann man nur sagen:"Autorisierter oder legaler Diebstahl!"
Der Bezug solcher Unsummen kann überhaupt nicht gerechtfertigt werden und bedarf dringend einer gesetzlichen Korrektur. Die lobbygesteurte Politik zu einer Kurskorrektur zu bewegen bedarf vorerst dringender und korrigierender Massnahmen und Bedingungen, nicht nur für Bankiers, sondern auch für die Politiker selbst.
Antworten


Rolf Bänziger

26.01.2012, 16:27 Uhr
Melden 6 Empfehlung

Da gibt's nur eins: 1 : 12!!! Mit der Auflage, dass jede Firma ab 50 Arbeitnehmenden bei Auslagerung oder Abwanderung ins Ausland mit Milliardenbussen belangt... ehrlich, ich begreiffe Aktionäre nicht, welche diesem Treiben immer wieder Decharge erteilen! Ach ja, ich bin nicht NEIDISCH auf Vasella und Co, sondern WÜTEND!!!! Und was machen unsere "Volks"(???)-Vertreter? Die hohle Hand.... Antworten


Alexander Steiner

26.01.2012, 14:42 Uhr
Melden 10 Empfehlung

Wieso braucht einer 12 Millionen Sonderzahlung in die Altersvorsorge, wenn er bereits vor dieser Zahlung mehr als genug PK-Vermögen aufweist? Und dazu noch 168 Mio in Aktien besitz! Klar, dass das Buchwert ist.. aber die Aktien könnte er sicher immernoch für 100 Mio verkaufen! Die Gier geht immer weiter und Herr Vasella + Co. haben den Realitätsbezug seit Jahren nicht mehr! Antworten


Fritz Stalder

26.01.2012, 14:29 Uhr
Melden 10 Empfehlung

Ein Wunder, dass Novartis überhaupt noch Gewinne erwirtschaftet, bei solchen realitätsfernen Clowns an der Konzernspitze. - Aber wahrscheinlich richten es die vielen Mitarbeiter darunter und verhindern, dass die Bosse zuviel Nonsens und Schaden anrichten... und lassen diese gar noch gut aussehen. - Ein Witz, diese Novartis (und die Lonza und die Roche und und und) bzw. deren Management. Antworten


Müller Daniel

27.01.2012, 13:25 Uhr
Melden 4 Empfehlung

ich finde das nicht erstaunlich. Schauen Sie unsere Krankenkassenprämien an. Ein Teil davon ist Vasella und Co's Altersvorsorge...


lora kamm

26.01.2012, 14:17 Uhr
Melden 2 Empfehlung

Demokratie, so wie sie eine Gesellschaft von Werktätigen verstehen kann - verstehen muss, wird durch die Dominanz des Kapitals in zunehmend rasantem Tempo unterminiert. Der politische Schaden wird imens. Wie stellt sich die (gewählte) Politik dazu? Soll die vollkommene Niederlage gegen die Oligarchie + die totale Unterwerfung unter eine globale Finanz-Diktatur ausgerufen werden? 6 BR's = am WEF?! Antworten


Alejandro Galan

26.01.2012, 14:01 Uhr
Melden 2 Empfehlung

Interessant solche Löhne. Und wie viel verdient die Putzfrau, die die Korridore und Toiletten von Novartis putzt? Sicher nicht viel mehr als 45‘000 / Monat. Antworten


Szabolcs Mihalyi

26.01.2012, 22:54 Uhr
Melden 1 Empfehlung

Ich hoffe sie bekommt in naher Zukunft zumindest einen Mindestlohn von CHF 4000.-! Eine bessere werbung für die Initative gibt's nicht.


markus mueller

26.01.2012, 13:44 Uhr
Melden 10 Empfehlung

da das spiel trotz krise usw. schamlos weitergeht ist wohl bald mit einer neuen art von terror gegen reiche zu rechnen. ich finde das nicht gut, aber es ist die logische konsequenz. man vergisst dass die RAF geschichten noch nicht allzulange her sind und die situation damals war besser als die heute. damals war ideologie die treibfeder. bald wird es hunger sein. Antworten


Noah Gabriel

26.01.2012, 13:42 Uhr
Melden 1 Empfehlung

Na und? Wer würde es nicht nehmen, wenn er selber in der Position wäre? Antworten


Werner Recher

26.01.2012, 13:09 Uhr
Melden 31 Empfehlung

Wie lange noch will CVP/FDP und Co Thomas Minders Initiative blockieren? Antworten


Daniel Müller

26.01.2012, 13:08 Uhr
Melden 41 Empfehlung

Man kann nur zur gesellschaftlichen Ächtung dieses Abzockerpacks aufrufen. Lynchjustiz ist ja verboten - und letztlich ja zu Recht. Aber entsprechende Emotionen werden ausgelöst...
Und die glauben noch ernsthaft, dass sie's wert wären... widerlich!
Antworten


Mark Messier

26.01.2012, 13:05 Uhr
Melden 27 Empfehlung

Und wenns es dann zur Abstimmung sechs Wochen Ferien kommt dann geiseln wir uns dann wieder selber mit einem Nein Antworten


Werner Recher

26.01.2012, 14:44 Uhr
Melden 5 Empfehlung

Ja, weil es die Falschen - eben vor allem die KMU - trifft, welche das Rückgrat der Schweizer Wirtschaft ausmachen. Novartis nickt und gewährt, und entlässt dann wieder einen Schub, damit die Millionen ganz oben stimmen.


Walter Hermann Fröhlich-Gantenbein

26.01.2012, 12:59 Uhr
Melden 33 Empfehlung

Was muss noch geschehen, bis die Geldgier von den Novartis-Chef'`s auf ein normales Nieveau reduziert wird.Die Zeit für die Selbstbedienung auf den Teppichetagen ist längst abgelaufen. Antworten


Rolf Iseli

26.01.2012, 12:57 Uhr
Melden

"Der Sparkurs geht weiter......" Oder er wird durch die 1:12 Initiative umgesetzt. Was ich persönlich für bedenklich halten würde, aber noch ist es nicht so weit. Antworten


Hubert Braun

26.01.2012, 12:48 Uhr
Melden 54 Empfehlung

...Einmalzahlung von 12 Millionen Franken für die Altersvorsorge....verfügt mittlerweile über 3,3 Millionen Novartis-Aktien, die zum gestrigen Kurs einen Wert von knapp 168 Millionen Franken aufweisen....
Es ist wohl klar, dass die Herren Jimenez und Vasella jeglichen Bezug zu Realität verloren haben. Die Worte "Verdienst" und "Lohn" werden hier mit Füssen getreten. Traurig.
Antworten


Roberto Koch

26.01.2012, 12:35 Uhr
Melden 47 Empfehlung

Es ist Zeit für die 1:12-Initiative. Die Konzerne haben immer noch nichts gelernt. An den Pranger mit Vasella und Co. Antworten


Stefan Werner

26.01.2012, 12:34 Uhr
Melden 58 Empfehlung

Naja, die Kommentare sind vorhsehbar. Leider wird sich nichts ändern. Wir müssen die parasitären Manager irgendwie loswerden. In ein Steuerparadies in Äthiopien oder so weglocken.
Und nein, das was sie an Steuern zahlen gleicht bei weitem nicht den Schaden aus, den sie anrichten.
Antworten



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