Wirtschaft
Nicht die ganze Wirtschaft bekämpft den AKW-Ausstieg
Aktualisiert am 06.06.2011 13 Kommentare
Auch der Bundesrat setzt auf Cleantech
Auch der Bundesrat möchte die Wirtschaft grün trimmen. Dank einem Masterplan soll die Schweiz bis 2020 nachhaltig und zugleich Weltspitze in Sachen Cleantech sein.
Angestossen wurde die Initiative vom ehemaligen Umweltminister Moritz Leuenberger und seiner Nachfolgerin, der damaligen Volkswirtschaftsministerin Doris Leuthard. Sie orteten in der grünen Wirtschaft ein enormes Potenzial: Cleantech soll bis 2020 weltweit ein Marktvolumen von 2,2 Billionen Euro haben.
Die Schweiz hat den Anschluss an diesen Markt in den letzten Jahren zusehends verloren. Das soll sich mit dem Masterplan ändern. Der Bundesrat schlägt darin 50 Massnahmen vor, darunter Produkteinformationen und steuerliche Anreize. Geld will er für seine ehrgeizigen Pläne aber nicht ausgeben.
Nicht zuletzt aus diesem Grund fiel der Masterplan in der Vernehmlassung bei Grünen und Linken durch. Die Wirtschaft dagegen befürchtet neue Subventionen und eine bevorzugte Behandlung einzelner Wirtschaftszweige. (sda)
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Nicht die ganze Wirtschaft stemmt sich gegen Atomausstieg und CO2-Reduktion. Im Wirtschaftsverband Swisscleantech kämpfen über 200 Unternehmen aus Industrie, Stromversorgung und Umwelttechnologie für die Energiewende.
Für sie ist eine nachhaltige Energiepolitik nicht nur das politische Diktat der Stunde, sondern auch eine wirtschaftliche Chance. Vor 150 Jahren sei die Schweiz arm gewesen, sagte Bertrand Piccard, Präsident des Patronatskomitees von Swisscleantech, am Montag vor den Medien in Bern. Dank der Visionen einiger Pioniere sei sie 30 Jahre später ein reiches Land gewesen.
«Auch heute müssen wir wieder eine solche Wahl treffen», sagte der Solarpionier. Im Gang sei nichts weniger als eine neue Industrierevolution. «Wenn wir reich bleiben wollen, müssen wir mitmachen», ist Piccard überzeugt. Die ganze Welt werde in Zukunft Cleantech-Produkte brauchen. «Wenn wir sie nicht verkaufen, verkauft sie jemand anders.»
Billigstrom-Strategie am Ende
Motor der Energiewende ist gemäss der am Montag vorgestellten «Cleantech Energiestrategie» die Vollkostenrechnung. Wenn man alle Kosten einbeziehe, seien weder die Atomkraft noch fossile Energieträger wirtschaftlich, sagte Verbandspräsident Nick Beglinger. «Die Zeit der Billigstrom-Strategie ist zu Ende.»
Einen alternativen Ansatz, der sowohl der Wirtschaft, der Schweizer Volkswirtschaft wie auch der Umwelt zugute kommt, zeigt der Wirtschaftsverband in einem neuen Strategiepapier auf. Energieträger sollen ihre tatsächlichen Kosten decken, was Strom und fossile Brennstoffe 20 bis 30 Prozent verteuern würde.
Mit dem Geld sollen aber nicht etwa Klimaprojekte oder eine angemessene Versicherungsdeckung für AKW-Unfälle bezahlt werden. Die Mittel fliessen gemäss der Swisscleantech-Strategie in erneuerbare Energien, Energieeffizienz und intelligente Stromnetze. Beglinger ist überzeugt, dass davon die ganze Schweizer Wirtschaft profitieren könnte.
«Umweltfreundlich und reich»
Heute werde das in der Schweiz verdiente Geld in Saudiarabien oder Kasachstan für fossile Brennstoffe ausgegeben. In der Schweiz eingesetzt, könnte es zu einem Aufschwung und vielen neuen Arbeitsplätzen führen. «Wir wollen umweltfreundlich und reich werden», bringt Christian Zeyer, Hauptautor des Strategiepapiers, die Stossrichtung auf den Punkt.
Auch Pavatex-Chef Martin Brettenthaler ist vom Cleantech-Weg überzeugt. Das Unternehmen stellt heute vor allem Dämmplatten für Gebäude her. Zudem hat Pavatex in den letzten Jahren CO2 und Energieverbrauch drastisch reduziert. Dazu hätten allein wirtschaftliche Gründe geführt, sagte Brettenthaler: «Wir haben erkannt, dass die Welt in Richtung Cleantech geht.»
Erkannt haben dies die sieben namhaften Stromversorger und Energieunternehmen, die Mitglied von Swisscleantech sind. Dazu gehören die Kraftwerke Oberhasli (KWO), Akpo-Mitbesitzerin EKZ oder Romande Energie, die Anteile an Leibstadt und Gösgen hält.
Politik am Zug
Von der Politik erwartet Swisscleantech klare Signale. «Die Zeit zum Debattieren ist vorbei», so Zeyer. Unternehmen brauchten jetzt langfristig planbare und konkrete Rahmenbedingungen. Dazu gehört für Swisscleantech auch eine vorübergehende Stützung energieintensiver Unternehmen. Wenn diese Industrien ins Ausland abwanderten, sei niemandem gedient, sagte Piccard.
Cleantech könnte ohnehin bald ganz oben auf der politischen Agenda stehen. Die SP sammelt derzeit Unterschriften für ihre Initiative, die bis 2030 die weitgehende Umstellung auf erneuerbare Energien verlangt. Auch die SP erhofft sich davon einen Wachstumsschub für die Wirtschaft und 100'000 neue Arbeitsplätze. Swisscleantech unterstützt die Initiative laut Beglinger nicht. (mrs/sda)
Erstellt: 06.06.2011, 13:18 Uhr
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13 Kommentare
Schön zu sehen das zur Economiesuisse langsam Alternativen entstehen. Es ist zu hoffen, dass hier auch langsam ein Paradigmenwechsel stattfindent und Economiesuisse mit der FDP zusammen weiter an Bedeutung verliert und langsam von neuen Verbänden überholt und ersetzt wird. Antworten
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