Wirtschaft
Nobelpreisträger Stiglitz stärkt Trio Infernale den Rücken
Von David Vonplon. Aktualisiert am 14.09.2009 11 Kommentare
«USA haben aus der Krise nichts gelernt»: Ökonom Joseph Stiglitz.
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Der Offensive des Trio Infernale Blocher, Levrat, Hayek mit dem Ziel, die Grossbanken UBS und CS zu zerschlagen, kam bei Wirtschaftskommentatoren der Presse fast durchwegs schlecht an. «Populismus hilft nicht weiter», kritisierte in der «Sonntagszeitung» der Publizist Markus Gisler. «Die Schweiz braucht auch in Zukunft grosse Banken» konstatierte die «NZZ am Sonntag», und auch Wirtschaftsjournalist Beat Kappeler findet heute, das Gerede um einen Bankrott der Schweiz wegen ihrer Abhängigkeit von den Banken sei «ziemlich gedankenlos» gewesen.
Finanzgiganten wachsen weiter
Unverhoffte Unterstützung erhält die unheillige Allianz der beiden grössten Parteien nun aber vom Wirtschaftsnobelpreisträger Joseph Stiglitz. «Die Probleme sind heute schlimmer als sie es vor der Krise 2007 waren», stellt der frühere Chefökonom der Weltbank fest und fügt an: «In den USA und vielen anderen Ländern sind die «too-big-to-fail-Banken sogar noch grösser geworden.»
Dies trifft in den USA auf die Bank of America zu, weltweit das grösste Geldhaus, deren Bilanzsumme gewachsen ist. In Grossbritannien ist die Lloyds Bank, heute zu 43 Prozent im Besitz des britischen Staates, durch die Übernahme von HBOS Plc ebenfalls gewachsen, und in Frankreich besitzt nun BNP Paribas auch die belgischen und luxemburgischen Vermögenswerte des Versicherers Fortis.
In der Schweiz trifft Stiglitz’ Feststellung nicht auf die UBS zu, aber auch die Kriegskasse der Credit Suisse ist voll; die Bank will mit Zukäufen expandieren. Dies geschieht in einer Zeit, in der die globalen Finanzmärkte nach Auffassung von Stiglitz noch weit davon entfernt sind, über dem Berg zu sein – auch wenn sie nicht mehr so nahe am Rand des Abgrunds stünden, wie noch vor einem Jahr.
Vorgehen der USA «empörend»
Stiglitz glaubt auch nicht, dass die USA bei der Regulierung der Finanzmärkte eine Vorreiterrolle spielen werde: «Es ist empörend, dass wir in den USA so viel Geld ins Bankensystem gepumpt haben, die Regierung aber nur sehr zögerlich tut, was eigentlich zu tun wäre.» Laut Stiglitz verfügt die Regierung Obama nicht über Pläne, die eine Schrumpfung der Bankgiganten vorsehen oder eine Vereinfachung der Struktur.
Der Ökonom setzt deshalb alle seine Hoffnungen in die G-20-Gruppe, die sich in zehn Tagen in Pittsburgh trifft, um eine schärfere Regulierung der Finanzmärkte ins Auge zu fassen. Ein Quäntchen Hoffnung könnte Stiglitz indessen auch in die Schweiz setzen, immerhin der siebtgrösste Finanzplatz der Welt. Hier sind die beiden grössten Parteien des Landes gewillt, eine Vorreiterrolle zu spielen, wenn international das Klumpenrisiko Grossbanken nicht rechtzeitig angegangen wird. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 14.09.2009, 20:42 Uhr
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11 Kommentare
Das vorgehen der Banken zeugt nicht nur von Geld- und Machtgier Vereinzelter, sondern auch von Ignoranz und Arroganz gegenüber der Bevölkerung. Obwohl ich selber nicht daran glaube, wäre es an der Zeit, dass die Politik diesem Verhalten ein Ende setzt und sich selber von der wirtschaftlichen Abhängigkeit loslöst. Sarkozy, Merkel, Obama, die Signale sind gesendet worden. Alles leere Versprechen? Antworten
Die Banken können ruhig noch grösser werden. Die übrig gebliebenen Grossen sind weltweit noch grösser geworden. Wichtig ist, dass die Manager wissen was sie tun, die Risiken richtig einschätzen und nicht den Kopf in den Sand stecken und denken "nach uns die Sintflut" wie beim letzten crash. Dazu braucht jede Bank nur ein funktionierendes Kontrollsystem mit der nötigen Autorität. Antworten
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