Wirtschaft
Novartis im Visier von militanten Tierschützern
Ihm wurden Brandsätze unter zwei Autos gelegt: Novartis-Verwaltungsrat Ulrich Lehner. (Bild: Keystone)
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Britische Aktivisten platzierten im Mai Brandsätze unter zwei von Lehners Autos, die vor seinem Haus in Düsseldorf parkiert waren, berichtet die Zeitung «Sonntag». Lehner entdeckte glücklicherweise das entzündliche Material, bevor es Schaden anrichten konnte. Einen Monat zuvor war es britischen Tierschutz-Aktivisten gelungen, über das Tor von Lehners Haus zu klettern. Sie sprühten Graffiti auf die Hauswände und gossen ein Abbeizmittel über seinen Porsche. Nach beiden Taten veröffentlichten die Täter einen Bekennerbrief auf der Internetseite Bite Back, die Teil der Aktivistenszene ist. Novartis-Sprecher Satoshi Sugimoto bestätigt beide Vorfälle.
Zur Zielscheibe gewalttätiger Tierschützer wurde auch ein Schweizer Verwaltungsrat von Novartis, der aus Sicherheitsgründen gegenüber «Sonntag» anonym bleiben möchte. Laut seiner Schilderung attackierte vor zwei Jahren eine Bande Vermummter sein Haus. Für den Betroffenen, der sich zusammen mit seiner Frau im Haus befand, ein Horror: Die Vandalen schlugen um Mitternacht so heftig auf die Garagentür ein, dass diese einen Spalt abkriegte. Auch zerstörten sie das Fenster der Garagentür und warfen mit Hausrat um sich, der vor dem Haus abgestellt war. Glücklicherweise gelang es ihnen nicht, in das Wohnhaus einzudringen. Trotz der bedrohlichen Situation wagte es das langjährige Novartis-Verwaltungsratsmitglied, in Begleitung seines Hundes vor das Haus zu treten. Dort traf er auf fünf oder sechs mit Skimützen vermummte Personen. Der Angegriffene ist sich sicher, dass es militante englische Tierschützer waren. Denn sie schrien in eindeutig britischem Akzent Tierschutz-Parolen und pöbelten ihr Opfer an, bevor sie zu Fuss die Flucht ergriffen. Der Mann schaltete umgehend die Polizei ein. Doch als diese bei seinem Haus eintraf, waren die Übeltäter schon längst über alle Berge. Auch diesen Übergriff bestätigt Novartis-Sprecher Sugimoto.
Zunahme der Gewalttaten in der Schweiz
«Wir stellen 20009 eine Zunahme der Fälle fest», sagte Jürg Bühler vom schweizerischen Inland-Nachrichtendienst der «NZZ am Sonntag». Die Brandstiftung am Ferienhaus von Novartis-Chef Daniel Vasella und die Schändung des Familengrabs der Vasellas in Chur GR seien nur Höhepunkte einer ganzen Serie von Attacken auf die Novartis, berichtet die Zeitung weiter. Mitarbeitern von Unternehmen werden für Sabotageakte grosse Summen angeboten. Hinter den Taten stehen Organisationen aus Grossbritannien. Dort werden ihre Delikte gezielt verfolgt und als organisiertes Verbrechen beurteilt. Der Terror der Tierschützer auf die Schweiz über. Jürg Bühler, Direktor des Dienstes für Analyse und Prävention (DAP) spricht von ausländischen Aktivisten, die hierzulande Taten begehen und hier auf «mehrere Dutzend Helfer» zählen können.
Rekrutierungen in Bremgarten AG und Langenthal BE
Kein Wunder: Die internationale militante Bewegung der sogenannten Tierbefreier rekrutiert Aktivisten in der Schweiz, berichtet die «Sonntagszeitung». Ende Mai letzten Jahres führte sie in Bremgarten AG ein zweitägiges Festival durch mit Infoveranstaltungen zu militanten Organisationen. Kantons- und Kommunalpolizei beobachteten den Anlass, griffen aber nicht ein, sagt Rudolf Woodtli von der Kantonspolizei Aargau. Am zweitägigen Event bekundeten die rund 300 Teilnehmer Solidarität mit militanten Tierschützern in Österreich, die damals im Gefängnis sassen.
Jürg Bühler sagt: «Die Veranstaltung war möglicherweise im Graubereich zwischen gewalt¬bereiten und gewaltfreien Tierschützern.» Laut DAP stehen die Militanten der linksextremen Szene nahe: «Personell gibt es teilweise Überschneidungen zwischen militanten Tierschützern und gewalttätigen Linksextremen», berichtet die Zeitung weiter.
Im Februar 2009 fand in Langenthal BE ein ähnlicher Anlass statt wie in Bremgarten. Laut dem DAP gibt es in der Schweiz rund 50 militante Tierschutzaktivisten. Eine Spur der Militanten führe nach Bern: Uniprofessor Klaus Petrus schreibt ein Buch über Tierbefreiung und Aktivismus – Gastautor ist der österreichische Tierbefreier Martin Balluch, der wegen seiner Aktivitäten im Gefängnis gesessen habe. (mbr)
Erstellt: 09.08.2009, 07:28 Uhr
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