Wirtschaft

Novartis kündigt bekanntem Neonazi

Der Präsident der Pnos-Sektion Baselland und Basel-Stadt, Philippe Eglin (21), verliert seine Stelle als Logistiker bei Novartis. Eglin bezweifelt im Internet den Holocaust und steht der deutschen NPD nahe

Kündigungsgrund: Pnos-Sektionschef Philippe Eglin (21) verbreitet sein rechtsextremes Gedankengut an Veranstaltungen sowie auf der Pnos-Internetseite.

Kündigungsgrund: Pnos-Sektionschef Philippe Eglin (21) verbreitet sein rechtsextremes Gedankengut an Veranstaltungen sowie auf der Pnos-Internetseite.

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Er gilt als einer der umtriebigsten Rechtsextremen der Region: Der Oberbaselbieter Philippe Eglin, Präsident der Anfang Jahr gegründeten Sektion Baselland und Basel-Stadt der Partei national orientierter Schweizer (Pnos). Der Sektionschef unterhält zudem offenbar gute Beziehungen zur Nationaldemokratischen Partei Deutschlands (NPD). Im Oktober hielt er neben NPD-Leuten eine Rede an einer Demonstration in Friedrichshafen. Vorletzten Samstag trat er als Redner an einer rechtsextremen Veranstaltung in Schwyz auf.

Nicht zuletzt stellt seine Sektion auf ihrer Website den Holocaust infrage. Das Tagebuch der Anne Frank basiere auf einem Lügengebilde, heisst es dort. Schon seit Monaten sind Eglin und der weitere Vorstand nicht bereit, diesen Eintrag zu löschen. Dies obschon gegen Eglin deswegen ein Verfahren wegen Verstosses gegen den Antirassismusartikel läuft. Ein rechtskräftiges Urteil steht noch aus, ist aber laut der Basler Staatsanwaltschaft wahrscheinlich.

Gegen Verhaltenskodex verstossen

All dies ist der Novartis nun Grund genug, Eglin zu entlassen. «Wegen Unvereinbarkeit der Novartis-Ethik und den öffentlich vorgebrachten politischen Ansichten von Philippe Eglin plant Novartis, das Arbeitsverhältnis mit ihm aufzulösen», bestätigt Mediensprecher Satoshi Sugimoto auf Anfrage der BaZ. Als global tätiges Unternehmen in über 140 Ländern sei für Novartis Weltoffenheit und Respekt für den Menschen wichtig. «Dies bedeutet, dass wir Diskriminierungen aufgrund von Rasse, Geschlecht oder Religionszugehörigkeit nicht tolerieren.» Die Novartis hat einen Verhaltenskodex, der alle Mitarbeiter zu einem hohen ethischen Standard verpflichtet. Dieser Kodex ist laut Sugimoto Teil des Arbeitsvertrags.

Eglin will sich nicht äussern

Der Rechtsextremismusexperte Samuel Althof lobt das rasche Eingreifen von Novartis: «Für die Rechtsextremismus-Prävention ist es ausschlaggebend, dass ein internationaler Konzern wie Novartis mit gutem Beispiel vorangeht. Die Firma nimmt ihre soziale Verantwortung wahr. Dazu gehört, dass die Leugnung eines Völkermords nicht geduldet wird.»

Doch wie weit darf ein Konzern die Gesinnung seiner Mitarbeiter kontrollieren? Läuft die Kündigung auf ein Berufsverbot hinaus? Jean-Fritz Stöckli, Professor für Arbeitsrecht an der Universität Basel, meint: «Allgemein darf ein Arbeitnehmer der Zielsetzung des Arbeitgebers nicht entgegenwirken. Er hat auch im aus-serdienstlichen Bereich alles zu unterlassen, was die Erreichung der Unternehmensziele behindert. Die Ausübung politischer Rechte findet ihre Grenze an den Pflichten aus dem Arbeitsverhältnis.»

Althof betont: Nicht sein Job wird ihm verboten, sondern den Holocaust zu leugnen. So lange er dies tue, verstosse er gegen gesellschaftliche Grundwerte. Eglin will zu seiner Entlassung nicht Stellung nehmen. Ob er auch seinen Sitz im Baselbieter Jugendparlament verliert, ist noch offen. «Das besprechen wir an der nächsten Sitzung», sagt Jugendrätin Lea Hungerbühler. Toleranz habe ihre Grenzen. «Anderseits sollte jemand nicht gesellschaftlich verurteilt werden, solange kein rechtskräftiges Urteil vorliegt», gibt sie aber auch zu bedenken. (Basler Zeitung)

Erstellt: 25.11.2009, 15:46 Uhr

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15 Kommentare

Axel Schuh

26.11.2009, 03:49 Uhr
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Bin vollkommen Ihrer Meinung, Herr Britt; sehr gut formuliert! Antworten


Frederick Britt

25.11.2009, 19:11 Uhr
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Die Novartis moralisiert, dass "Diskriminierungen aufgrund von Rasse, Geschlecht oder Religionszugehörigkeit" nicht zu tolerieren seien und gesteht gleichzeitig ein, dass Diskriminierungen aufgrund von "politischen Ansichten" dagegen ganz und gar legitim sind. Das sind natürlich gleichwohl absolut totalitäre Strukturen. Antworten


Charles Dupond

25.11.2009, 18:48 Uhr
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@ Florian Wanner: Wenn alle PdAler (die nicht nur bis 1945, sondern bis 1989 eine Fremde Macht im Ruecken hatten) konsequent geschasst worden waeren, haetten viele aus nur politischen Gruenden ihre Arbeitsstelle und finanzielle Existenz eingebuesst. Zbinden wurde vom Staat auch disziplinarisch nicht als PdAler, sondern als aktiver Widerstaendler gegen die Staatsgewalt am Kanhthaken genommen.... Antworten


Florian Wanner

25.11.2009, 18:02 Uhr
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Wie war das in Bern, als Herr Zbinden (PdA) von seinem Arbeitgeber entlassen worden ist? Irgendwie kommt es mir gerade so vor, als ob die gleichen Herren, die heute die Entlassung befürworten damals dagegen gewettert haben... Antworten


Heinz Gfeller

25.11.2009, 18:02 Uhr
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@Rene MEIER: da kommt mir doch glatt der peinliche Auftritt der Eveline Schlupf in der Arena in den Sinn, die sich auch auf die Bundesverfassung (BV) berufen hat, nur leider ist die BV auslegungsbedürftig und so abstrakt, dass sich sehr, sehr wenig ohne Interpretation ableiten lässt, leider hat das BRin E. Schlumpf nicht verstanden und Sie (wir sind glaube ich nicht per Du¨) auch nicht! Antworten


Christoph Züllig

25.11.2009, 17:31 Uhr
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H. Gfeller: Eben! Toleranz hat ihre Grenzen z.B. dort, wo jemand einer Religionsgemeinschaft willkürliche, schikanöse Bauverbote aufzwingen will, und das erst noch per Verfassungsartikel. H. Graf: Könnten Sie mit einem ausgewachsenen Vollnazi im gleichen Büro zusammenarbeiten? Ich nicht. Entweder raus mit dem Nazi, oder sonst gehe ich. Antworten


Beni Reinhardt

25.11.2009, 17:23 Uhr
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ich glaube eben gar nicht an die resozialisierung von nazis. wer hier jetzt linke hetze hinter der entlassung eines holocaust-leugners vermutet, der hat einen sehr eigenen bezug zur welt. der verharmlost in beleidigender weise eine der (oder die!) schlimmsten greueltaten der geschichte. ich weiss jeweils nicht, ob ich solchen leuten mit mitleid oder blosser verachtung begegnen soll. Antworten


Sibylle Weiss

25.11.2009, 16:49 Uhr
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Hr Gfeller. Das eine hat mit dem anderen nichts zutun, zumal der Gekündigte von einer Ana Frank-Lüge sprach,was weitaus gravierender ist, als das Minarett nicht zu akzeptieren.Zudem denke ich,dass es gebaut werden wird,sodass dies ohnehin kein Problem darstellt. Antworten


oliver keller

25.11.2009, 16:44 Uhr
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Schade dass der Mann nicht schon viel früher seinen Job los wurde, in der Rezession zu kündigen ist immer etwas einfacher, währenddem eine Kündigung in der Konjunktur etwas mehr Mut benötigt. Antworten


Horst Einstein

25.11.2009, 16:44 Uhr
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Die Novartis handelt verantwortungslos und oberflächlich. Neonazis leben vom Hass und brauchen deshalb Bildung und Zuneigung. Arbeitslosigkeit und Ausschluss stärken sie. Antworten


Sibylle Weiss

25.11.2009, 16:41 Uhr
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Hier muss man sagen,dass in diesem Fall NOVARTIS absolut im Recht ist.Es gibt noch genügend andere gut ausgebildete Logistiker,die auf eine gute Stelle bei Novartis warten,sodass Novartis auf solche Arbeitnehmer nicht angewiesen ist.Dies ist eine selbstverschuldete Kündigung,welche das RAV zurecht gar nicht freuen wird! Bei selbstverschuldeten Kündugungen gibt es bekanntlich eine Sperrfrist. Antworten


Pascal Murer

25.11.2009, 16:38 Uhr
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Nein, Herr Gfeller: Zu sagen, dass Toleranz Grenzen habe, bedeutet lediglich, dass man nicht alles durchgehen lässt. Wo genau diese Grenzen liegen, wird damit nicht definiert. Das wird auf gesellschaftlicher und politischer Ebene immer wieder neu ausgehandelt. Antworten


Hans Graf

25.11.2009, 16:37 Uhr
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Philippe Eglin hat Novartis mit seiner ausserdienstlichen Tätigkeit nirgends geschadet und diese stand auch in keinem Zusammenhang mit seinem Arbeitgeber. Es kann also nur sein, dass linke Hetzer diesen so lange konstruierten und publik machten, bis Novartis zu diesem Schritt gezwungen wurde. Dass sich eine Firma von diesem Format darauf einlässt, ist traurig. Antworten


Rene MEIER

25.11.2009, 16:30 Uhr
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Du Herr Gfeller, du sprichst von "unserer Elite". Mir stellt sich die Frage, ob du Besitzer einer Elite bist. Und lese einmal unsere Bundesverfassung und versuche, zu verstehen. Antworten


Heinz Gfeller

25.11.2009, 16:06 Uhr
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Finde ich gut, dass ihm gekündigt wurde. Mich macht allerdings stutzig, dass gesagt wird, die Toleranz habe seine Grenzen und gleichzeitig wettert man gegen die Minarettinitiative. Hier wird offensichtlich mit verschiedenen Ellen gemessen, womit sich unsere Elite gegenüber der Gesellschaft unglaubwürdig macht. Kein Wunder , sinkt die Anerkennung des Staates und steigt die Wut auf denselben!! Antworten



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