Nur auf den ersten Blick bescheiden entlöhnt

Die Credit Suisse hat bei den Investmentbankern den Bonustopf verkleinert. Konzernchef Tidjane Thiam wäre aber eine höhere Entlöhnung als Vorgänger Brady Dougan zugestanden worden, hätte er nicht auf einen Teil seines Bonus verzichtet.

Hat zusätzlich gesperrte Aktien erhalten: Tidjane Thiam. Foto: Michele Limina (Bloomberg)

Hat zusätzlich gesperrte Aktien erhalten: Tidjane Thiam. Foto: Michele Limina (Bloomberg)

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Auf den ersten Blick und im Vergleich zu anderen Bankenchefs sieht die Vergütung, die Credit-Suisse-Chef Tidjane Thiam 2015 erhielt, geradezu mickrig aus: 4,57 Millionen Franken. 1,71 Millionen davon sind Fixgehalt, 2,86 Millionen Bonus. Bei der UBS erhielt Sergio Ermotti im gleichen Jahr immerhin 14,3 Millionen Franken. Ein genauer Blick in den Geschäftsbericht, den die Credit Suisse am Donnerstag publiziert hat, relativiert die Zahlen allerdings. So war Thiam erst ab Juli für die Bank tätig. Aufs Jahr gerechnet, würde sich also eine Betrag von 9,14 Millionen ergeben.

Tatsächlich wollte ihm das Kompensationskomitee der Bank sogar deutlich mehr zusprechen. Wie die Bank schreibt, hat Thiam angesichts des schlechten Jahresresultats auf 40 Prozent des variablen Anteils verzichtet. Da sich dieser Anteil auf 2,86 Millionen Franken beläuft, hat er auf 1,9 Millionen Franken verzichtet, und der gesamte Bonus hätte 4,76 Millionen betragen. Der Verwaltungsrat hat ihm also zusammen mit dem Fixlohn einen Betrag von 6,47 Millionen Franken angeboten, was auf das ganze Jahr hochgerechnet 12,94 Millionen entspricht. Das ist auch mehr als die 9,7 Millionen, die im Vorjahr 2014 der damalige Chef Brady Dougan erhielt. Wie viel dieser 2015 für die Zeit bis ­Sommer erhielt, ist unbekannt.

Infografik: Die bestverdienenden Konzernchefs Grafik vergrössern

Die höchste bezahlte Entschädigung der Credit Suisse hat im letzten Jahr mit 7,88 Millionen Franken – davon 6,3 Millionen als Bonus – der Amerikaner Robert Shafir erhalten. Bis zum Oktober sass der noch im obersten Führungs­gremium (Executive Board), danach wurde er herabgestuft und übernahm für die Bank den Posten als Chairman der Region Amerika. Zuvor war er für die gleiche Region CEO und Co-Chef der Vermögensverwaltungssparte.

Offene Kompensationspläne

Tatsächlich hat allerdings Thiam mehr erhalten – wenn auch nicht als Entlöhnung. Denn angesichts offener Kompensationspläne beim Versicherungskonzern Prudential, wo er zuvor tätig war, erhielt er von der CS im letzten Jahr zusätzlichAktien im Wert von 14,3 Millionen Franken, um diesen Ausfall eins zu eins zu kompensieren, da seine Ansprüche mit dem Austritt bei Prudential verfielen. Da er die CS-Titel nicht verkaufen durfte, sind sie mittlerweile weniger wert als 10 Millionen Franken, wie aus der Bank zu erfahren war. Auf welchen Kurs respektive welches Stichdatum die Ablöseaktien für Thiam festgelegt wurden, war hingegen nicht zu erfahren. Seit einem Jahr haben zwar auch die Aktien der Prudential um mehr als 8 Prozent an Wert verloren, jene der Credit Suisse sind im gleichen Zeitraum allerdings um fast 45 Prozent eingebrochen.

Der triste Aktienkursverlauf ist letztlich Ausdruck schlechter Zahlen von der Grossbank. Auf das ganze Jahr 2015 hat sie immerhin einen Verlust von rund 3 Milliarden Schweizer Franken ausgewiesen. Teilweise war dafür ein Sonderabschreiber auf dem Goodwill für die im Jahr 2000 gekaufte Investmentbank ­Donaldson, Lufkin & Jenrette im Umfang von 3,8 Milliarden Franken verantwortlich. Dieser Abschreiber hatte für die Zumessung der Boni keinerlei Bedeutung, ebenso wenig wie auch andere aussergewöhnliche Faktoren, die das Ergebnis beeinflussen. Dazu zählen auch Rechts- und Restrukturierungskosten oder Verkäufe von Unternehmensteilen.

Doch auch rein operativ hat die Bank keine Glanzleistung gezeigt. Dafür macht aber der Verwaltungsrat der Bank den erst seit Mitte Jahr tätigen CEO nicht verantwortlich: In der Begründung für seine Entlöhung ist die Rede von seinem «exzellenten Beitrag zu einer neuen ­Managementstruktur, einer Stärkung der Kapitalbasis und dem Design einer neuen Strategie mit dem Ziel, die Kapitalbasis weiter zu stärken, das Geschäft ausgeglichener zu gestalten und den Aktionären mehr Kapital zurückzugeben».

Niedergeschlagen haben sich die operativen Schwächen am deutlichsten in der Entschädigung der Beschäftigten und Verantwortlichen in den Bereichen, die am schlechtesten abgeschnitten haben. Die bisher besonders hoch bezahlten Investmentbanker erhalten für das letzte Jahr nun insgesamt deutlich weniger: Die Bonuspools wurden im Vergleich zu 2014 um mehr als 30 Prozent gekürzt. Bei 31 Prozent der Beschäftigten der Sparte sinkt der Bonus sogar um mehr als 50 Prozent. In der gesamten Bank sank die Bonussumme um rund 11 Prozent von 3,27 Milliarden im Vorjahr 2014 auf 2,92 Milliarden. Betroffen sind auch jene Mitglieder des Executive Boards, die das ganze letzte Jahr für die Bank tätig waren. Der Bonuspool für sie sinkt um 40 Prozent. Absolute Zahlen weist die Bank für diese Gruppe allerdings nicht aus.

Bonusanteil sinkt

Eine alleinige Betrachtung der Bonus-entwicklung ergibt allerdings nur beschränkt Sinn, denn während diese zurückgegangen ist, haben sich die fixen Saläre nach oben entwickelt. Während diese für das Executive Board im Vorjahr erst 30 Prozent der Kompensation ausgemacht haben, liegt ihr Anteil im Jahr 2015 bei 43 Prozent. Auch für die ganze Bank ist der Anteil der Fixlöhne leicht von 65 auf 68 Prozent gestiegen.

Die Fixlöhne spielen für die Zukunft auch deshalb eine grössere Rolle, weil die Boni in Abhängigkeit von ihnen festlegt werden: Konkret sollen diese variablen Zahlungen maximal einem kleineren Vielfachen der Fixlöhne entsprechen dürfen als in der Vergangenheit. Während zum Beispiel der Bonus des CEO früher maximal dem Sechsfachen seines Fixgehalts entsprechen durfte, soll das Maximum künftig bloss noch beim Vierfachen liegen.

(Tages-Anzeiger)

(Erstellt: 25.03.2016, 22:35 Uhr)

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