Wirtschaft
Nur wenige wollens einfach
Von Erich Solenthaler. Aktualisiert am 18.01.2010
Florian Schubiger und Damian Gliott.
Alex Hinder.
Indexfonds sind bei Anlegern beliebt, wie die steigenden Volumen dieser Anlageform nahelegen. Aber in der professionellen Vermögensverwaltung bilden sie noch die Ausnahme. Der TA konnte nur drei Anbieter ausfindig machen, die ausschliesslich oder vorwiegend Exchange Traded Funds (ETF) einsetzen: Vermögenspartner in Winterthur, Hinder Asset Management in Zürich und Clientis in Horgen.
Genügend ETF für eine komplette Vermögensverwaltung existieren erst seit wenigen Jahren. Deshalb ist es nicht verwunderlich, dass die drei Firmen noch am Anfang stehen. Wie viele Kunden sie haben und wie gross das anvertraute Kapital ist, behalten sie für sich. Auch können sie keinen zuverlässigen, längerfristigen Erfolgsausweis vorweisen. Bei einem passiven Anlagestil ist dies allerdings weniger entscheidend als in einer aktiven Vermögensverwaltung, da die Resultate weniger vom Geschick der Akteure als von den Konzepten und Kosten abhängig sind - und diese kann man ja im Voraus abklären. Allerdings wird Clientis Sparkasse Horgen für ihre Portfolios in Zukunft extern geprüfte und standardisierte Performance-Berichte (Gips) erstellen, sodass die Leistung dereinst zuverlässig beurteilt werden kann.
Verzichten auf Einzeltitel
Gemeinsam haben Vermögenspartner, Hinder und Clientis Sparkasse Horgen, dass sie an die effiziente Informationsverarbeitung durch die Märkte glauben und deshalb auf Einzeltitel und aktiv geführte Fonds verzichten. Damit eliminieren sie eine Kostenebene, von der oft bezweifelt wird, ob sie eine Wertschöpfung zulässt. Einzige Ausnahme bilden die Unternehmensanleihen Schweiz, für welche es keine Indexinstrumente gibt.
Auch der Verzicht auf allfällige Retrozessionen vereint die drei Anbieter. Er reduziert die Gefahr von Interessenkonflikten und macht die angewandten Geschäftsmodelle auch für die Kunden einfach und durchsichtig. Das weckt Vertrauen. Im Einsatz von börsengehandelten Indexfonds mögen die drei Anbieter Pioniere sein - in ihrem Anlagenstil halten sie sich aber an bewährte Rezepte. Sie offerieren die herkömmlichen Strategien mit den üblichen Risikokriterien. Rohstoffe und Hedge-Funds meiden sie.
Relevante Unterschiede gibt es im taktischen Vorgehen, also in den temporären Abweichungen von der Strategie, die sich die Vermögensverwalter erlauben. Die Freiheitsgrade reichen von null, wo Konzept und Kosten im Vordergrund stehen, bis doch erheblich, wo eine Überrendite angestrebt wird.
Clientis Sparkasse Horgen: Für alles eine Regel vorbereitet
Zwei Jahre hat die Clientis Sparkasse Horgen ihr Konzept «Indexinvest» vorbereitet. Nun bietet sie es in Form von globalen Strategien und vier Risikoklassen mit Aktienanteilen ab 25 Prozent an. Ein ganz konservatives Portfolio ohne Dividendenpapiere führt das Mitglied der Clientis-Gruppe aus Gründen der Diversifikation nicht. Eine Variante mit nur Aktien ist vor allem für Kunden gedacht, welche die Obligationen separat bewirtschaften. Sympathisch ist, dass für eine fixe Verwaltungsgebühr von 1 Prozent schon Vermögen ab 100 000 Franken indexiert verwaltet werden. Ganz offensichtlich zielen die Horgner mit Indexinvest auch auf die Kleinstsparer. Die Grundgebühr umfasst alle bankseitigen Leistungen, nicht aber die Ausgabenquote der Indexfonds von rund 0,4 Prozent.
Das Konzept der Clientis Sparkasse Horgen geht sehr weit. Subjektive Titel-, Sektoren- und Markteinschätzungen des Portfoliomanagers spielen gar keine Rolle mehr. «Alles unterliegt einer Regel», fasst Geschäftsführer Oliver Jaussi die Grundidee zusammen. Wenn die Marktbewegungen die Portfolios von den festgelegten Gewichten wegtreiben, erfolgt sogar das Rebalancing zur Wiederherstellung der Strategie nach einem festgelegten, auf die Optimierung der Transaktionskosten ausgerichteten Mechanismus.
Das automatische Rebalancing ist theoretisch gut fundiert. Konsequent umgesetzt, ermöglicht es über längere Zeit eine geringe Outperformance. Es ist allerdings ein antizyklisches Konzept, das in Baissen auf das Zukaufen von Aktien hinausläuft, während Hausse-Trends nicht vollständig ausgeritten werden. Beides setzt beim Anleger eine gewisse psychologische Widerstandskraft voraus.
Vermögenspartner: So viel wie möglich weitergeben
Seit sich die Partner Florian Schubiger und Damian Gliott vor 3 Jahren selbstständig gemacht hätten, hätten sie keinen einzigen Kunden verloren, erklären die beiden, die auf einer separaten Homepage (www.kickbacks.ch) Retrozessionen und Interessenkonflikte in der Vermögensverwaltung für Private thematisieren. Damit haben sie früh – jedenfalls bevor es Mode wurde – begonnen.
Gliott und Schubiger selbst geben die Einnahmen, die bei ETF aus dem Handeln anfallen können, an die Klienten weiter. Ein unabhängiger Revisor prüft, ob auch wirklich alle Kickbacks zurückfliessen. Die Grundgebühr für die Vermögensverwaltung beginnt bei 1,15 Prozent für Vermögen bis 500 000 Franken und beträgt 1 Prozent bei einer Million. Dazu kommt eine Gewinnbeteiligung von 10 Prozent einer allfälligen Mehrrendite, die aufgrund der Vermögensaufteilung berechnet wird.
Im Vordergrund der Partner, die ihr Handwerk fünf Jahre lang beim Vermögenszentrum (VZ) gelernt haben, steht eine langfristige Finanzplanung. Für die meisten Kunden ist dies mit Pensionsplanung gleichzusetzen und umfasst Immobilien, Erbschaften und Steuern. Die Vermögenspartner bezeichnen Renten als sichere Einnahmen für Senioren und raten zur Vorsicht, wenn es um den Bezug von Pensionskassengeldern geht.
Vermögenspartner kennt keine Basisstrategien, sondern alloziert die Vermögen individuell. Das Anlagekonzept entspricht dem klassischen Top-DownAnsatz, der mit der Bestimmung der Vermögensklassen beginnt und sich zur Auswahl der Indizes und ETF beziehungsweise einzelner Obligationen im Segment Schweiz durcharbeitet. Es ist auf wenige Transaktionen ausgerichtet und kommt mit mässig aktiven Wetten aus.
Hinder Asset Management: Indexieren mit Leidenschaft
«Indexiert anlegen bedeutet nicht, dass man nichts tut», sagt Alex Hinder, der früher die Anlagepolitik von Vontobel leitete. Zwar teilt er die Skepsis gegenüber der Auswahl von Einzeltiteln und aktiven Fonds. Aber mit den Indexfonds glaubt er, nicht nur günstige, sondern auch die idealen Instrumente gefunden zu haben, um Märkte zu spielen: mal Aktien, Regionen oder dann Obligationen und eine Währung überzugewichten oder Konjunkturzyklen vorwegzunehmen. Die Begeisterung für solche Anlagethemen ist Hinder deutlich anzuspüren.
Die Rendite-Unterschiede zwischen den Anlageklassen seien gross genug, um ausgenützt zu werden, glaubt Hinder. Als Volkswirtschafter könne er mit der taktischen Asset Allocation am ehesten einen Mehrwert schaffen. Sein Ziel ist eine Überrendite gegenüber den Vergleichsindizes von jährlich 2 bis 3 Prozent. Erste Auswertungen zeigen, dass dies auch möglich ist. Aber sie sind erst kurzfristig und wenig aussagekräftig.
Neben individuellen Mandaten befinden sich fünf Basisstrategien mit unterschiedlichen Risikoprofilen im Angebot. Dabei werden bis zu 20 Prozent als Satelliten für besondere Themen ausgeschieden. Hinder Asset Management bezeichnet den Stil als «Active Index Investing» – und dies ist wohl zutreffend: Der Umschlag dürfte in normalen Jahren über ein Drittel der Portfolios betragen. Die Handelsgebühren sind in den mit den Depotbanken ausgehandelten All-in-Fees enthalten.
Bis zu einer Million beläuft sich die Gebühr für die Vermögensverwaltung ohne Bankspesen auf 1 Prozent, mindestens aber 8000 Franken pro Jahr. Für kleinere Vermögen sind die Ansätze nicht besonders attraktiv. Bei grösseren Anlagesummen verläuft die Gebührenkurve stark degressiv.
www.hinder-asset.ch (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 18.01.2010, 12:28 Uhr



