Wirtschaft

Ob das UBS-Hilfspaket reicht, ist nicht sicher

Aktualisiert am 23.11.2008 205 Kommentare

Falls sich die Finanzmärkte nicht beruhigen, wird der Bund der UBS mit einer weiteren ­Kapitalerhöhung beistehen müssen. Dieses Szenario schliesst die Eidgenössische Bankenkommission nicht aus.

«Es ist tatsächlich eine offene ­Frage, ob unser Massnahme­npaket ausreichen wird»: Daniel Zuberbühler, Direktor der Bankenkommission.

«Es ist tatsächlich eine offene ­Frage, ob unser Massnahme­npaket ausreichen wird»: Daniel Zuberbühler, Direktor der Bankenkommission. (Bild: Keystone)

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Kein Kommentar der UBS zu Aussagen Zuberbühlers

Die UBS hat sich am Sonntag nicht zu den Aussagen von EBK-Direktor Daniel Zuberbühler über die Möglichkeit einer zusätzlichen Staatshilfe zu Gunsten der Grossbank äussern wollen. UBS-Sprecher Dominique Gerster wies auf Anfrage lediglich darauf hin, dass die Bank regelmässig mit der Eidgenössischen Bankenkommission (EBK) in Kontakt sei. Zur Frage einer weiteren Kapitalerhöhung nahm der Sprecher nicht Stellung. Die UBS-Aktionäre werdend am kommenden Donnerstag in Luzern zur dritten ausserordentlichen Generalversammlung in diesem Jahr zusammentreten. Einziges Traktandum ist die Schaffung von bedingtem Kapital mit Blick auf die Pflichtwandelanleihe, mit der der Bund dem gebeutelten Finanzinstitut sechs Milliarden Franken zuführen wird.

«Wenn man die Marktentwicklung anschaut, ist es tatsächlich eine offene Frage, ob unser Massnahmenpaket ausreichen wird», sagt der Direktor der Eidgenössischen Bankenkommission (EBK), Daniel Zuberbühler, im Interview mit der «SonntagsZeitung». Sicher sei aber, dass das Rettungspaket von Bund und Nationalbank die Lage und die Liquiditätssituation stabilisiert habe. Ohne dieses Paket würde die Bank viel schlechter dastehen, das sei offensichtlich.

Die Frage von zusätzlichen Rettungsmassnahmen stelle sich im Moment nicht. Wenn noch mehr passiere, brauche es aber wohl oder übel eine weitere Kapitalerhöhung. Auf die Frage, ob dann der Staat noch einmal einspringen müsse, sagte Zuberbühler: «Nüchtern betrachtet, ist das nicht auszuschliessen.» Wie viele ausländische Staaten müsste auch die Eidgenossenschaft nötigenfalls mehr Eigenkapital einschiessen. «Die Kunden und Gegenparteien sowie die ganze Volkswirtschaft müssen sich darauf verlassen können, dass wir eine Grossbank nicht untergehen lassen», sagte der Direktor der Aufsichtsbehörde.

Verkauf wenig sinnvoll

Er bezeichnete die Finanzkrise als aussergewöhnlich und umfassend. Leider sei sie auch längst nicht ausgestanden. Auf weitere Notfallszenarien der Behörden angesprochen, verwies der EBK-Direktor auf den Hinweis in der Botschaft des Bundesrats zum Rettungspaket, wonach man für neue Anleihen der Banken Garantien abgeben könnte, wie das in England und Deutschland bereits gemacht worden sei.

Auf die Möglichkeit eines Verkaufs der UBS angesprochen, erinnerte Zuberbühler daran, dass dies vor dem von Bund und Nationalbank beschlossenen Hilfspaket von Mitte Oktober eine Szenario gewesen, von der Bank aber verworfen worden sei. In der jetzigen Situation nach dem starken Kursrückgang der UBS scheine die Option Verkauf auf den ersten Blick eine nahe liegende Option. Weil ein Käufer dabei aber auch den gesamten Bundesdeal, also auch die bei der Nationalbank liegenden illiquiden UBS-Aktiven übernehmen müsste, dürfte eine Übernahme im heutigen unsicheren Umfeld wenig Sinn machen, sagte der EBK-Direktor.

Fusion mit Credit Suisse käme nicht gut

Auch in einer Fusion zwischen UBS und Credit Suisse (CS) sieht er keine Lösung. Denn dies wäre eine Anhäufung von Problemen im Investment Banking. «Das käme nicht gut», sagte Zuberbühler und fügte hinzu: «Auch wollen wir kein solches Monstrum für dieses kleine Land. Wettbewerbsrechtlich wäre es zwar durch einen Teilverkauf machbar, aber die Antwort ist klar Nein, weil die Risiken einer solchen Fusion in einer solch schwierigen Phase viel zu gross wären.»

Zur Situation der CS sagte der Chef der Aufsichtsbehörde, wegen deren viel kleineren Exposition im Subprime-Bereich am Anfang der Krise stehe die CS wesentlich besser da. Zudem habe sie die Kapitalerhöhung aus eigener Kraft bewerkstelligen können. Aber auch sie leide mit ihrer Investmentbank unter der allgemeinen Marktentwicklung.

UBS-Boni: Zwei statt zehn Milliarden?

Auf die Frage, ob es bei der UBS dieses Jahr nur noch zwei statt zehn Milliarden Franken Bonus gebe, sagte Zuberbühler, zuständig für die Bonuszahlungen bleibe der UBS-Verwaltungsrat. Die Eidgenössische Bankenkommission (EBK) müsse aber die Höhe des Gesamtpools, die Zusammensetzung und die Aufteilung genehmigen. «Dabei nehmen wir Einfluss in der von Ihnen genannten Richtung», sagte der EBK-Direktor. Im Nachhinein müsse man sagen, dass man die Boni schon im vergangenen Jahr bei der UBS viel stärker hätte herunterfahren sollen.

Zuberbühler nahm auch zur Steueraffäre der UBS in den USA Stellung und sagte, es handle sich um eine bedrohliche Situation für die UBS und um ein ernsthaftes Risiko, das noch nicht gelöst sei und auf der Bank laste. «Das Crossborder-Geschäft in den USA ist ein Mühlstein», sagte der Direktor der EBK, die im Dezember ihren eigenen Untersuchungsbericht zu diesen Geschäften der UBS vorlegen will. Zuberbühler wies im Zusammenhang mit der Anklage der US-Justiz gegen den UBS-Topbanker Raoul Weil aber auch darauf hin, dass es sich um ein Powergame des US-Justizdepartements handle. (cpm/vin)

Erstellt: 23.11.2008, 11:39 Uhr

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205 Kommentare

Marcel Zufferey

23.11.2008, 00:50 Uhr
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Nun kommt die Wahrheit wohl scheibchenweise ans Tageslicht! Wir haben es nicht nur mit einer Finanzkrise zu tun, sondern mit einer veritablen Krise des westlichen Gesellschaftsmodelles in all seinen (ökonomischen) Facetten. Natürlich wird man sich künftig um jede weitere Million für die AHV drücken- womit die Prioritätensetzung unserer Gesellschaft auch gleich klar ist- was für ein Armutszeugnis! Antworten


Nicola Jones

23.11.2008, 00:00 Uhr
Melden

Verkauft die Bank! Antworten



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