Wirtschaft
Ohne Atomenergie gibt es für ihn keine Zukunft
Von Hans Galli. Aktualisiert am 01.10.2011 105 Kommentare
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Über das vergangene Wochenende hat der 51-jährige Alpiq-Konzernchef Giovanni Leonardi Bilanz gezogen und in die Zukunft geschaut. Dabei ist er zum Schluss gekommen, dass er nicht mehr der richtige Mann an der Spitze des grössten Schweizer Stromkonzerns sei. So schildern Personen aus seinem Umfeld die Umstände seines gestern bekannt gewordenen Rücktritts.
Der Entscheid kam offenbar auch intern überraschend. Kommunikationschef Martin Bahnmüller sagte, er habe bis Mitte Woche nichts von Leonardis Absichten gewusst. Und Leonardis Assistentin Francesca Sala äusserte noch am Montag in der TV-Sendung «Eco» ihre Hoffnung, dass Leonardi noch längere Zeit bleiben werde, denn er sei ein angenehmer Chef, und sie arbeite seit 13 Jahren sehr gut mit ihm zusammen zuerst bei Atel und dann bei Alpiq. (ALPH 155.8 -0.26%)
Hartnäckig für AKW
Der Alpiq-Konzern ist Anfang 2009 durch den Zusammenschluss der Atel (Aare-Tessin AG) in Olten und der EOS in Lausanne entstanden. Die Fusion sei umgesetzt, weshalb der Zeitpunkt für einen Chefwechsel günstig sei, geht aus der gestrigen Medienmitteilung hervor. Als zweiter Grund werden die «fundamentalen Veränderungen in der Branche» genannt. Im Klartext: Leonardi will den von der Politik beschlossenen Ausstieg aus der Atomenergie nicht selber umsetzen, weil er ihn für falsch hält. Auch nach der Katastrophe von Fukushima blieb er ein vehementer Befürworter der Atomenergie. Weil Axpo-Chef Heinz Karrer nach Fukushima auf Tauchstation ging und sich BKW-Chef Kurt Rohrbach vorwiegend als Präsident des Verbandes Schweizerischer Elektrizitätswerke (VSE) eher defensiv äusserte, trat Leonardi aus ihrem Schatten. Er warnte vor der drohenden Stromlücke und entwarf Horrorszenarien über die Verteuerung des Stroms. Eine Studienreise durch China hatte ihn in seiner Meinung bestärkt, dass die Schweizer Wirtschaft bei einem Atomausstieg schwer leiden werde. Demgegenüber könnten Schwellenländer wie Brasilien, Russland, Indien und China von der Atomenergie profitieren. Doch die Politik hörte nicht auf ihn. Seine Warnungen fanden nur etwas Nährboden, als die Ständeratskommission einen Ausstieg mit Vorbehalten vorschlug. Doch diese Woche entschied sich auch die kleine Kammer dafür, dass keine neuen AKW mehr gebaut werden. In zwanzig Jahren werde Fukushima Geschichte sein, und die Schweiz werde wieder AKW bauen, prognostiziert Leonardi.
Stellenabbau steht bevor
Der Alpiq-Konzern befindet sich insofern in einer günstigen Lage, als sein AKW in Gösgen voraussichtlich erst im Jahr 2040 vom Netz gehen wird. Trotzdem spürt er die Folgen der veränderten Energiepolitik. Die Projektkosten für ein neues AKW in der Höhe von 35 Millionen Franken sind verloren. Der Stromhandel leidet unter dem Angebot an Wind- und Sonnenenergie in Deutschland, das dank Förderbeiträgen rasch wächst. Weil Alpiq einen grossen Teil des Umsatzes im Ausland erzielt, wirkt sich auch der tiefe Eurokurs negativ aus. Als Folge sind Umsatz und Gewinn im ersten Halbjahr 2011 deutlich gesunken.
Bereits Mitte Jahr hatte der Verwaltungsrat Massnahmen eingeleitet. Firmenteile sollen verkauft werden unter anderem die deutsche Installations- und Servicefirma Alpiq Anlagetechnik (AAT) in Heidelberg. In den kommenden Wochen muss der Verwaltungsrat entscheiden, wieviele der heute noch 11'000 Stellen abgebaut werden.
Schweickardt Interimschef
Wegen des Rücktritts von Leonardi muss nun der interimistische Konzernchef Hans E. Schweickardt den Abbauantrag stellen. Schweickardt habe als Verwaltungsratspräsident eng mit Leonardi zusammengearbeitet und kenne alle Dossiers sehr gut, sagte Konzernsprecher Bahnmüller. Deshalb sei es konsequent, wenn Schweickardt die einschneidenden Massnahmen umsetze statt ein Konzernchef in gekündigter Stellung. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 01.10.2011, 12:34 Uhr
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105 Kommentare
Es ist voraussehbar, dass die CH-Energiewirtschaft in vielleicht ein, zwei Jahrzehnten so enden wird, wie die Swissair. Die Türe zu Neuentwicklungen ist zugeschlagen, Forscher, die an neuen, sauberen und wirklich leistungsfähigen nuklearen Energiequellen geforscht haben, sind aus unseren Hochschulen entlassen. (Ich gehöre auch dazu) Wann immer Glaube gegen Wissenschaft antritt, gewinnt der Glaube. Antworten
Herrn Leonardi kann ich voll verstehen. Er weiss als Energiefachmann doch ganz genau, dass ein Atomausstieg in eine Sackgasse, sprich Energieknappheit, führen wird. Für linke und grüne Träumer, die noch von bürgerlichen CVP+FDP'lern unterstützt werden, habe auch ich wenig übrig. Ich hoffe, dass in der Schweiz bald wieder Vernunft und Realismus einkehrt. Das war schon immer unser Erfolgsrezept. Antworten
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