Wirtschaft

Ospel: Der Mann mit dem goldenen Schirm

Nicht nur die heutigen und gestrigen Chefs erhielten im letzten Jahr Leistungen von der UBS. Sondern auch ehemalige Spitzenkräfte, die seit 10 Jahren nicht mehr im Amt sind.

Wenn die Empörung im Volk gross ist, dann will die Politik in der Regel irgendetwas tun. In Sachen UBS hat der Nationalrat am Montag auf Basis der SVP/SP-Allianz eine Motion angenommen, welche unter anderem die Beschränkung der UBS-Cheflöhne fordert. Die Motion ist aber voll von künstlerischen Unschärfen. Die Forderung zum Beispiel, wonach Banken mit Staatskrücken (sprich: die UBS) für das oberste Management eine «Salärstruktur analog derjenigen von bundesnahen Unternehmen (Post, SBB, SNB etc.)» einzuführen hätten, lässt Spielraum offen. Darf der UBS-Chef nicht mehr als ein Nationalbank-Chef verdienen – also nicht mehr als etwa 850'000 Franken? Oder darf er doch das Dreifache eines Nationalbank-Chefs verdienen, weil die UBS viel grösser ist? Oder darf er wenigstens 1,8 Millionen Franken wie der Swisscom-Chef verdienen? Oder darf einfach der Bonus bei der UBS im Vergleich zum Grundlohn prozentual nicht mehr ausmachen als bei der Post oder bei der Swisscom? Auch die Debatte im Nationalrat hat keine Klarheit gebracht. Der Ständerat, in dem die weniger aktivistischen CVP- und FDP-Fraktionen die Mehrheit haben, behandelt die Sache in der Sommersession. Die kleine Kammer hat damit einige Monate Zeit, in zweifacher Hinsicht die Quadratur des Kreises zu schaffen: (1) Ein Vorschlag mit mehr Klarheit, der trotzdem möglichst keinen Schaden anrichtet. Und (2) ein Vorschlag, der nicht allzu viel Detaileinmischung in die UBS-Geschäftspolitik bringt, aber dennoch dem politischen Druck folgt, irgendetwas zu tun.

Neue Zahlen zur Lohndebatte bringt der gestern publizierte UBS-Geschäftsbericht. Demnach hat die Konzernleitung (12 Personen per Ende 2008) für das Katastrophenjahr 2008 total 9,1 Millionen Franken erhalten – was im Schnitt pro Kopf und Jahr knapp 900'000 Franken ergibt (nicht alle waren das ganze Jahr im Amt). Als Bestverdiener erhielt der damalige Konzernchef Marcel Rohner 1,8 Millionen Franken. Verwaltungsratspräsident Peter Kurer (im Amt ab April 2008) erhielt 1,6 Millionen Franken. Sein Vorgänger Marcel Ospel bekam noch rund 830'000 Franken Lohn für 2008. Zusätzlich erhielt er aus den vertraglichen Verpflichtungen für 2008 und 2009 noch 2,3 Millionen Franken: Laut UBS betrifft dies vor allem eine Einzahlung in die Pensionkasse für Ospels Frühpensionierung als 58-Jähriger. Er hätte bei seinem Abgang noch mehr erhalten können – so etwa rund 13Millionen Franken entgangene Boni (definiert als Durchschnittsbonus von 2005 bis 2007). Darauf hat Ospel «freiwillig» verzichtet.

Wer abkassierte

Man sollte es eigentlich nicht betonen müssen: Einen Bonus erhielt für 2008 keine der aktiven Spitzenkräfte. Ausnahme: Die neuen Konzernleitungsmitglieder Jerker Johansson (Chef Investmentbanking) und Markus Diethelm (Chefjurist) bekamen eine Art Anstellungsbonus in Aktien, Optionen und bar von gemeinsam über 11Millionen Franken – laut UBS als Ersatz für wegen der Anstellung bei der UBS verfallenen Vergütungen von früheren Arbeitgebern.

Zu den Kassierern zählten nicht nur die Neuen, sondern auch vorgestrige Herren. Sieben Vorgestrige erhielten für 2008 Sachleistungen von total 1,1 Millionen Franken und für 2007 von total 1,4 Millionen. Zu den Profiteuren zählen zum Beispiel Robert Studer (Präsident der alten Bankgesellschaft bis 1998) und Georges Blum (Präsident des alten Bankvereins bis 1998). Der ehemalige Vizepräsident des Verwaltungsrats, Alberto Togni (im Verwaltungsrat bis 2005) ist mit je 318'000 Franken für 2007 und 2008 sogar noch auf der offiziellen Lohnliste der Bank.

Geld für die Vorgestrigen

Was soll das? Die UBS sagt: Togni habe noch ein «Mandat» (Details unklar), und die Sachleistungen für die Vorgestrigen umfassten ein Büro, Sekretariats- und Informatikunterstützung. Die jüngeren Ex-Chefs wie Ospel, Wuffli & Co. erhalten solche Dienste nicht mehr, doch die Vorgestrigen (die Chefs vor der UBS-Fusion von 1998) kann die Bank offenbar wegen Vertragspflichten nicht hinauswerfen. Die Episode lehrt: Nicht alles war so unschuldig in den angeblich so guten alten Zeiten.

Die Bank umreisst im Geschäftsbericht auch einige Eckpunkte ihres neuen Bonusmodells. Für die obersten Führungskräfte gibt es einen Grundlohn und – je nach Ergebnis – einen variablen Lohn bzw. Bonus in bar und in Aktien. Für den Barbonus ist das Ergebnis des Konzernbereichs des Betroffenen am wichtigsten. Dieser Bonus fliesst stufenweise über drei Jahre. Bei Verlustjahren ist ein Malus angesagt. Die zwei Kriterien für den Aktienbonus sind die Gesamtrendite der Aktionäre (Kursveränderung plus Dividende) im Vergleich zu einem internationalen Bankaktienindex sowie der Konzerngewinn unter Berücksichtigung der eingegangenen Risiken und nach Abzug der Eigenkapitalkosten (schätzungsweise etwa 10 Prozent im Konzernschnitt). Den Grossteil der erhaltenen Aktien müssen die Chefs nach der Zuteilung mindestens 8 Jahre lang halten.

Per Ende 2008 hielten die Konzernleitungsmitglieder und die vollamtlichen Mitglieder des Verwaltungsrats total rund 6,4 Millionen Aktien. Kurswert per Ende 2008: etwa 95 Millionen Franken. Ende 2007 war dieses Paket noch rund 300 Millionen Franken wert. Und gestern lag der Wert noch bei etwa 65 Millionen. Rechne.

Kosten für externe Revisionsstelle

Der UBS-Jahresbericht enthält noch mehr Bemerkenswertes. Hier einige Müsterchen:

  • Rückstellungen für Rechtsfälle per Ende 2008: total 1,4 Milliarden Franken.
  • Steuergutschriften im Inland: 7,3 Milliarden Franken. Das heisst: Die UBS zahlt im Inland erst dann wieder Gewinnsteuern, wenn diese Gutschrift mit künftigen Gewinnen abgetragen ist.
  • Reinverlust für 2008: 20,9 Milliarden Franken, 1,1 Mrd mehr als angekündigt. Hauptgrund: Der im Februar unterzeichnete Vergleich im Steuerstreit mit den USA für 780 Millionen US-Dollar wurde noch dem Jahr 2008 belastet.
  • Ungewichtete Eigenkapitalquote per Ende 2008: 2,5 Prozent der Aktiven. Laut Aufsichtsregeln müssen es ab 2013 mindestens 3Prozent sein.
  • Kosten für die externe Revisionsstelle Ernst & Young für 2008: 55,8 Mio Fr. für Revisionshonorare und 10,2 Mio Fr. für Zusätzliches.
(hs) (Der Bund)

Erstellt: 12.03.2009, 08:39 Uhr

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