Wirtschaft
Peinlicher Fall für die Bank Wegelin
Von Arthur Rutishauser. Aktualisiert am 29.06.2011 36 Kommentare
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Jetzt hat es auch die Bank Wegelin erwischt. In New York hat der Anwalt Keneth Heller gestanden, er habe 26,4 Millionen Dollar vor der US-Steuerbehörde in der Schweiz versteckt. Er muss fast 10 Millionen Dollar Steuern nachzahlen und Ende September, wenn sein Urteil verlesen wird, drohen ihm obendrein bis zu 15 Jahre Gefängnis.
Heller brachte sein Geld 2005 in die Schweiz, ursprünglich zur UBS. (UBSN 12.8 0.39%) Mit ihr zusammen, und mithilfe von Liechtensteiner Vermögensberatern, stellte er eine Scheingesellschaft auf und setzte einen Strohmann als deren Chef ein. Als im Juni 2008 bekannt wurde, dass die UBS in den USA in Schwierigkeiten kam, machte Heller einen vermeintlich schlauen Zug: Er überwies sein Geld mithilfe der Bankberater an die Bank Wegelin. Diese war ihm empfohlen worden, weil sie keine Niederlassung in den Vereinigten Staaten hat und lange Zeit als sicher vor dem Zugriff der USA galt. Doch Heller täuschte sich. Denn zum US-Vertrag, den das Parlament vergangenes Jahr absegnete, gehören Ausführungsbestimmungen, die bisher kaum bekannt waren. So ist in einem Gerichtsdokument ein Zusatz zum Vertrag ersichtlich, der genau auflistet, was die Grossbank neben den Kontendaten noch nach Amerika liefern musste: die Namen aller involvierten UBS-Banker, die Verbindung zu anderen Banken, Überweisungen sowie Namen von Ansprechpartnern bei anderen Banken. Damit ist klar, dass den Amerikanern auch ein grosser Kreis von Privatbankiers, die mit US-Kunden zu tun hatten, namentlich bekannt ist. Daneben wissen die USA auch, wo ausserhalb der UBS Geld von amerikanischen Steuerzahlern versteckt ist.
Mit den Behörden kooperiert
Eine weitere Informationsquelle für die Amerikaner sind jene Schweizer Banker, die bei Reisen in die USA verhaftet worden sind. Gestern berichtete «20 Minuten online», dass der ehemalige UBS-Banker Renzo Gadola wieder in die Schweiz zurückkehren durfte, nachdem er monatelang festgehalten worden war. Aus den Gerichtsunterlagen geht hervor, dass er mit den Steuerbehörden kooperiert hat. Ähnlich wird wahrscheinlich Christos Bagios handeln, ein langjähriger UBS-Mitarbeiter, der heute bei der Credit Suisse arbeitet: Auch er wird seit Monaten in den USA festgehalten. Gadola soll über 150 Kunden mit einem Vermögen von 500 Millionen Dollar betreut haben. Ebenfalls verhaftet wurde vergangenes Jahr ein ehemaliger Mitarbeiter der Bank Wegelin.
Wegelin verhandelte mit UBS
Konrad Hummler, Chef der Bank Wegelin, langjähriger Präsident der Schweizer Privatbankiers und heute Verwaltungsratspräsident der NZZ, äusserte sich in verschiedenen Interviews kritisch zum Fall UBS und zu den amerikanischen Steuerbehörden. Anfänglich nahm seine Bank, wie viele andere Privatbanken auch, die von der UBS vertriebenen Kunden mit offenen Armen auf. Aus einem bisher geheim gehaltenen Bericht der Schweizer Finanzmarktaufsicht (Finma) von Anfang 2009 geht überdies hervor, dass die UBS im Jahr 2008 mit der Bank Wegelin über einen Verkauf des US-Privatkundengeschäfts verhandelte.
Hummler selber wollte zum Fall nicht Stellung nehmen. Seine Pressesprecherin Albena Björck sagt: «Die Bank Wegelin ist nicht Prozesspartei und von diesem Verfahren nicht betroffen.» Auf die Frage, ob es denn für den Ruf der Bank nicht problematisch sei, wenn Kunden in den USA wegen Steuervergehen verurteilt würden, heisst es: «Neben diesen gibt es noch Hunderte anderer Fälle von Kunden, welche von der UBS zu anderen Banken gewechselt haben.»
Unzimperliche Steuerbeamte
Die Erkenntnis, dass das Bankgeheimnis nicht so sicher ist wie sein Ruf, dämmerte Keneth Heller am 15. April 2010. An diesem Tag holten ihn die Spezialagenten der amerikanischen Steuerbehörde IRS aus dem Bett. Wie unzimperlich die Beamten vorgingen, zeigt ein Auszug aus der Befragung von Susan Harmon, Hellers damaliger Anwältin. Der 80-jährige Heller sei nach seiner Verhaftung barfuss, mit Unterleibchen und Pluderhosen bekleidet und mit Handschellen gefesselt zur Wohnung seiner Anwältin gebracht worden, in der die Agenten Unterlagen zu Hellers Bankkonten vermuteten. Als Harmon nicht zu Hause war, verschafften sie sich Zugang zur Wohnung und durchsuchten sie. Harmon schilderte später vor Gericht, sie habe Heller vor ihrer Tür sitzen sehen. «Er war bleich, ich hatte Angst um seine Gesundheit.» Heller kam schliesslich mit der Ambulanz ins Spital.
Obwohl Harmon nie einen Durchsuchungsbefehl gesehen hatte, beschlagnahmten die Beamten bei ihr Unterlagen. Heller leugnete vor Gericht standhaft jede Schuld. Er glaubte noch am 25. März dieses Jahres, die Existenz des Kontos bei Wegelin sei nicht bekannt. Als ihm die Beamten die Beweise präsentierten, war Heller zum zweiten Mal von der Schweiz enttäuscht. Sein nun abgelegtes Geständnis wird ihm nicht mehr viel nützen. Er muss damit rechnen, einen Teil seines verbleibenden Lebens hinter Gittern zu verbringen. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 29.06.2011, 00:00 Uhr
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36 Kommentare
Christos Bagios von der CS sitzt auch noch in Untersuchungshaft. Er hat als er noch für die UBS gearbeitet hat 150 Amis geholfen 500Mio Dollar vor dem Fiskus zu verstecken. Das Grundübel ist die UBS. Dann hat er gekündigt und lief zur CS sehr wahrscheinlich mit der Meinung die 150 Kunden rüber zu ziehen und pers. einen riesen Bonus zu generieren. Jetzt sitzt er im "warmen" Fort Lauderdale. Hähä Antworten
Alle unschuldig, wenn's ums Geld geht. Non olet! Kein Steuerstaat weiss, woher seine Einkünfte wirklich kommen. Hauptsache zechen, dann ist alles ok. Der UBS kann man ein Verfahren angedeihen lassen, für was gibt es eigentlich die Finma? Wegelin sollte den Ball ganz flach halten, anstatt inserateweise zu predigen. Und die Steuerhoheit der USA hört an ihrer Landesgrenze auf. Antworten
Natürlich wissen die Kunden was sie tun wenn sie das Geld zu verstecken versuchen. Aber wenn quasi "seriöse" Banken einen dazu noch verleiten und belügen nur um selbstlos wieder ein wenig zu verdienen und dem Mitarbeiter einen grossen Bonus zu versprechen, ja dann gehört ganz klar die Bank an den Pranger gestellt, denn sie verleitet klar zu illegalem Handeln und das ist strafbar. Wie Drogendealer! Antworten
Gestern wurde der UBS Mann Renzo Gadola nach acht Monaten Untersuchungshaft vorläufig freigelassen und hat zugegeben dass er (und natürlich auch die UBS ) dem Kunden geholfen haben Millionen vor den Steuern zu verstecken. Wohlverstanden dieses Vergehen hat er und seine Bank im 2010 begangen. Sie haben also nichts gelernt und machen was ihnen passt. Die UBS war es nicht wert gerettet zu werden. Antworten
Man zeige mir die Bank, die für mich die Unterschrift unter meine Steuererklärung setzt und mit dieser Unterschrift bezeugt, dass alle Angaben, die sich auf der Steuererklärung befinden, korrekt und vollständig sind. Ist es Aufgabe der Bank Wegelin, ihren US-Kunden zu überwachen, ob dieser sein Vermögen und die Erträge daraus nun vollständig versteuert? Wohl kaum! Finanzkrise kam aus den Staaten!! Antworten
Noch interessanter/peinlicher, wenn man weiss, dass Hummler in seinen Referaten und auf ganzseitigen Inseraten predigt, wie seine Bank clean sei und er selber Massnahmen gegen fehlbare Banken vorschlägt. Nun hat das Pendel (endlich) zurückgeschlagen. Antworten
Was heisst "clean" für dich? Wie soll ein Bank wissen, ob ihre Kunden bei der Steuererklärung alles angeben? Also beim ausfüllen meiner Steuererklärung ist nie ein Banker dabei!! Hummlers Vorschläge bei anderen Banken betreffen die Eigenkapitalquote und die Trennung von Vermögensverwaltung und Investmentbanking. Genau da sind UBS und Credit Suisse die miesen Uebeltäter!!
Ironie des gekauften Schicksals. Merke, die grössten Moralisten sind die Verkommensten unter ihrem Deckmäntelchen.
Jetzt hat es ausgerechnet den"Saubermann"der Vorzeigebank der Privatbankenszene erwischt.Ich erwartete dies eigentlich schon lange,sind mir doch Leute,welche sich selbst(nicht der ganzen Branche)"Heiligenscheine"verteilen,suspekt.Es gibt eben nur erfolgreiche Banker,welche Banker sind mit all den bekannten Nebenerscheinungen.Von den Anderen spricht man nicht,weil sie nicht erfolgreich sind. Antworten
Das Rechtsverständnis einiger Schweizer ist ja scho ziemlich abartig. Leute die der Gemeinschaft Geld vorenthalten/stehlen werden verteidigt. Wenn jedoch in euerem Verein usw.. jemand in die Kasse langt oder seinen Beitrag nicht zahlen will, wehe ! Der wir sicher geächtet und schikaniert bis zum Lebensende, die Polizei informiert usw.. So weit sind wir heute, schade. Antworten
Das wird lustig, wenn die starken Staaten und Bündnisse das eh schon kriminelle Verhalten Schwizer Banken als schwere organsieierte Kriminaliät klassifizieren und uns auch so behandeln. Verdient hätten wir es schon lange, weil gewisse politische Kreise hier massiv mitverdienen. Antworten
@Gretener: Wer ist 'wir'? Warum wäre es verdient, als organisierter Krimineller klassifiziert zu werden? Ist die Autoindustrie auch betroffen? Immerhin werden dort die Mordmaschinen hergestellt, welche jedes Jahr hunderte von Menschen töten. Oder ist es einfach ein bisschen Mode geworden, unqualifiziert andere als Verbrecher, Gauner und Diebe zu bezeichnen?
Herr Gretener: Weshalb üben diese "starken" Staaten wohl nur Druck auf uns kleine Staaten aus? Weil sie den gesamten Kuchen für sich haben wollen! Glauben Sie im ernst, dass ein Staat, der Kriege aus strategischen, geopolitischen und wirtschaftlichen Gründen führt, und uns weismachen will, dass es für die Weltsicherheit wäre, dies aus moralischen Gründen macht? Seien Sie nicht naiv!
Hat wirklich jemand geglaubt es gäbe eine Bank in der CH, welche nicht mindestens ein Konto aufweisst, welches Steuerfluchtgelder aufweisst ? Das Bankgeschäft ist nun einmal ein Hauptgeschäfte der CH. Sicherlich liefert auch Kolumbien mal einen Sack Kaffee mit einer Kakalake drin. Die US Beamten beschlagnahmten die Unterlagen ohne Durchsuchungsbefehl ? Wie war das gestern mit den Menschenrechten ? Antworten
@ Marzo - ich rede von der schwarzen Liste, in welcher die USA gestern der CH eine schlechte Bewertung in Sachen Menschenrechte gegeben hat. @ Ahh, die Justiz darf also bei Ihnen zuhause ein und aus gehen wie sie gerade will. Eben, typisch links, einmal reicht eine Bagatelle um die Menschrechte zu verletzen und wenns passt, dann darf man machen was man will. Ich sage nur: 1. Mai !
Was hat um Gottes Willen ein Durchsuchungsbefehl mit Menschenrechten zu tun? Und als Nächstes will man uns dann wohl einreden dass Steuerbetrug neuerdings auch ein Menschenrecht ist...
Ist es denn legal, sich als Betrüger hinter den Menschenrechten zu verstecken???
Genau, weil er das Auto aber in Detschland gestohlen hat, kommt es trotzdem zu einer Verfolgung der Straftat. Na? Klimmperts im Oberstübchen? Ixh wünsche es Ihnen.
Wieso soll dieses Geschäft nicht sauber sein? Bei solchen Geschäften wurde gegen kein geltendes Schweizer Gesetz verstossen. Ansonsten müsst jeder Schweizer, der in Deutschland mehr als 120 km/h fährt bei der Rückkehr in die Schweiz gebüsst oder verhaftet werden.
Bei weitem sauberer als die ca. 620.000 Briefkastenfirmen in Delaware USA, die diesen erfolgreichen Gliedstaat seit Jahren auf Ranglistenplatz Nr. 1 unter den 50 US-Bundesstaaten hebt!!!!
Also wir haben gut von den Bankgeschäften gelebt, nun ist es an der Zeit, dass wir wieder gut vom Arbeiten leben.
Peinlicher Fall fuer die Schweiz! Natuerlich hat das Gewissen der Schweizer Privatbankiers, Herr Hummler, nichts zu dem Fall zu sagen. Was sollte er auch. Ist doch alles schon gesagt. Die Schweizer Banken verbergen auch keine illegalen Gelder. Der Schweizer Rechtstaat hat das schon ueberprueft und garantiert uns das. Antworten
Leute am Morgen aus dem Bett holen, sie barfuss über die Strasse scheuchen und sich dann - ohne Gerichtsbeschluss - Zugang zu einer Privatwohnung verschaffen, etc. Das sind Methoden, die man von der Gestapo erwarten würde, aber nicht von einer Steuerbehörde eines angeblich demokratischen Rechtstaates. Antworten
@ Ferhadi - gemäss Herr Joe Amberg ist das ok und voll und ganz vertrettbar. Aber vielleicht habe ich das was falsch verstanden......
Joe Amberg, Parvaneh Ferhadi hat nicht gesagt, es sei eine Bagatelle, Steuern zu hinterziehen, er hat die "Ermittlungsmethoden" bemängelt, die in den USA Menschen verachtend geworden sind. - Einem solchen Staat darf unser Land keine Rechteshilfe mehr gewähren.
Herr Amberg - auch so ein Ausländer würde nach Variante 2 des Landes verwiesen - Steuerbetrug dürfte wohl mehr als 6 Monate Gefängis bringen.
Ich kann mich der Meinung von Hr. Amberg nur anschliessen: Steuerbetrüger (und auch Steuerhinterzieher) sind Kriminelle! Sie gehören auch in der Schweiz verhaftet - unzimperlich wie jeder andere Verbrecher, und nicht mit Samthandschuhen angefasst, nur weil Millionen auf dem Konto liegen. Vermögen in die Staatskasse überführen und Steuerbetrüger nach Guantanamo schicken!
jaja, das ist also ganz ganz schlimm.... denn: den Staat - und damit allle Mitbürger - um ein paar Millionen zu betrügen ist ein absolutes Bagatelldelikt, verglichen zB. mit einem bösen bösen Ladendieb der natürlich sofort verhaftet werden muss...
Nun ja... die Geschichte vom sauberen Schweizer Bankgeschäft erinnert doch verzweifelt an die Geschicht von der sicheren Atomenergie: wir wollen einfach alle an Märchen glauben, weil sie das Leben so viel schöner und angenehmer machen... Antworten
Herr Amberg, haben Sie gewusst, dass die, ach so nette, Industrie ihre Güter auch an nicht so nette Leute verkauft? Manch ein Despot fährt einen Mercedes und trägt eine Rolex am Handgelenk. Aber das ist bestimmt etwas gaaaanz anderes.
Wer sagt das schweizer Bankgeschäft sei sauber ? Ein ist genauso sauber wie die Alternativen Energie, deren Befürworter das Märchen von der CO2-Neutralität predigen.
Es geht hier gar nicht um das "saubere Bankgeschäft", sondern um die unsaubere Schweizer Regierung, die vor einem Erpresserstaat, den USA, eingeknickt ist. Die Schweizer Regierung hat einen Grundsatz aufgegeben und Menschen verraten. Das ist verachtenswert.


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