Pensionskassen: Wie gewonnen, so zerronnen

Die Sammelstiftungen der Lebensversicherungen zahlen höhere Zinsen als autonome Pensionskassen. Bei kleinerem Risiko haben sie besser verdient.

Bisher hat kein Versicherer in der beruflichen Vorsorge seine Zahlen für 2008 publiziert. Im März wird es so weit sein. Aber ihre Versicherten wissen seit mehr als einem Jahr, mit welcher Verzinsung ihrer Spargelder sie rechnen können. Helvetia garantiert 2,95 Prozent für obligatorisch versicherte Guthaben – 0,2 Prozent mehr als der Mindestzins des Bundesrats. Allianz garantiert 3,1 Prozent. Swisslife, Axa und Bâloise legten sich aufs Minimum von 2,75 Prozent fest. Alle Gesellschaften garantieren zudem freiwillig einen Mindestzins auf überobligatorische Sparkapitalien, das sind Guthaben bei Jahreslöhnen von über 82'000 Franken. Helvetia zahlt 3,25 Prozent, Allianz 3,4 Prozent und Swisslife, Axa und Bâloise zahlen je 2,25 Prozent.

Von solchen Garantien können Versicherte von Pensionskassen ihrer Arbeitgeber nur träumen. Sicher ist nichts mehr. Laut einer letzten Umfrage befinden sich 60 Prozent aller Kassen in Unterdeckung. Das heisst, sie können die Renten- und Sparversprechen nicht einhalten. Je mehr sie ins Minus geraten, desto härter sind die Sanierungsmassnahmen. Sie reichen von Negativverzinsung über Zuschüsse der Arbeitgeber bis zu Lohnabzügen.

Den Hintergrund bilden ganz unterschiedliche Anlagestrategien. Die Pensionskassen setzen zu einem Drittel ihrer Anlagen auf risikoreiche Hedge-Funds und Aktien. Mit Letzteren liess sich in den 90er-Jahren gut verdienen. Doch in diesem Jahrzehnt brachten sie die Vermögen kaum vorwärts. Zuletzt sind die Aktien- und Fondswerte abgestürzt. Nach acht Jahren schaut eine Rendite von jährlich 1,3 Prozent heraus. Anders die Versicherer. Sie legten defensiv an, im Durchschnitt 3 bis 5 Prozent in Aktien, ebenso wenig in Hedge-Funds, aber viel in Obligationen und Immobilien. Letztere rentierten mit 4,5 bis 5,5 Prozent. Deshalb wird für die Versicherten 2008 im Schnitt eine positive Rendite herausschauen – geschätzt ein Prozent. Die Zurich hat es vorgemacht: Auf ihr Kapital von 185 Milliarden Franken verdiente sie im Krisenjahr ein Prozent.

Kein Geld mehr für Zinsen

Die langjährige Performance bildet den Rahmen für die Verzinsung. Kassen können in schlechten Jahren von den Reserven zehren und Zinsen zahlen. Bei vielen ins Minus geratenen Kassen wird dies nicht mehr möglich sein. Sie werden zu Minderverzinsungen greifen. Fachleute schätzen, dass der Durchschnitt 2008 2 Prozent betragen wird. Unter dem Strich schaut für die Pensionskassen jährlich 0,2 Prozent weniger Zins heraus im Vergleich zu den Versicherungen.

Die Stiftungsräte der Gewerblerkasse Proparis freut das. Ihre 130'000 Versicherten, darunter Uhrmacher, Drogisten, Gärtner und Mechaniker, legen ihr Geld bei einem Pool von Versicherern an. «In fetten Börsenjahren wurden wir für unsere konservative Politik belächelt», sagt Geschäftsführer Erhard Burri. «Heute gehören wir zu jenen Kassen, die ihre Verpflichtungen jederzeit und uneingeschränkt erfüllen.»

Kritiker des Vergleichs monieren, dass Versicherer tiefere Renten versprechen. «Geringere Renten heisst, es bleiben mehr Mittel für höhere Zinsgutschriften», sagt Herbert Brändli von der unabhängigen Kasse Profond. Lebensversicherer haben lange Zeit auch viel zu hohe Verwaltungskosten kassiert – Geld, welches den Versicherten abging. Und schliesslich wird eingeworfen, dass der Vergleich anders ausfiele, würden die 90er-Jahre einbezogen. Boomende Aktienbörsen führten damals zu einer Vervierfachung der Aktienwerte und begünstigten Pensionskassen. Doch jetzt sorgen die als «dritte Beitragszahler» bezeichneten Börsen für Verluste.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 17.02.2009, 23:18 Uhr

Meistgelesen in der Rubrik Wirtschaft

Kolumnen & Kommentare

Die Frage

Serie «Die Euro-Krise»


Publireportage

Sagen Sie es nicht! Tabusätze in der Beziehung

ElitePartner.ch verrät, welche Sätze Sie besser für sich behalten sollten.

Kadermarkt

ALPHA.CH: der online-Kadermarkt der Schweiz.

Jobsuche

Kaum wird irgendwo ein Job frei, ist er auf jobwinner.ch.

Weiterbildung

Weiterbildung AusbildungFinden Sie die passende Schule für Ihre Weiterbildung in Beruf und Freizeit.
Jetzt nach Weiterbildung suchen:

BMI-Rechner

Body-Mass-Index Rechner



[Alt-Text]



© Tamedia AG 2010 Alle Rechte vorbehalten