Wirtschaft
Petroplus fährt Raffinerien herunter
Aktualisiert am 30.12.2011 11 Kommentare
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Neben der Schweizer Raffinerie in Cressier werden auch die Raffinerien im belgischen Antwerpen und im nordfranzösischen Petit-Couronne heruntergefahren, wie Petroplus (PPHN 0.03 -40.00%) heute mitteilte. Das Unternehmen kann seine Rohöllieferanten nicht bezahlen, nachdem die Banken am Dienstag für die Zahlungen benötigte Kreditlinien gesperrt haben.
Die Produktion könne erst wieder aufgenommen werden, wenn neues Geld zur Verfügung stehe, hiess es im Petroplus-Communiqué weiter. Der hochverschuldete und defizitäre Konzern befindet sich weiterhin in Gesprächen mit den Banken. Unter den 13 Geldgebern von Petroplus sind auch die Schweizer Grossbanken UBS und Credit Suisse.
Unia will Druck auf Banken
Im Gegensatz zur Raffinerie in Petit-Couronne wird jene in Cressier NE nicht sofort geschlossen. Die Produktion werde nicht vor Mitte Januar heruntergefahren, sagte Volkswirtschaftsdirektor Thierry Grosjean am Abend gegenüber der Nachrichtenagentur sda. Er sei erleichtert, dass die Massnahme nicht sofort wirksam werde. «Damit können wir nächste Woche die Diskussion mit verschiedenen Partnern weiterführen», erklärte Grosjean. Die Geschäftsleitung der Raffinerie in Cressier sei bisher sehr offen für Gespräche gewesen. Keine der Parteien sei an einer endgültigen Schliessung des Standorts interessiert, betonte er.
Bereits am Nachmittag hatte Grojean an einer Medienkonferenz erklärt, der Kanton Neuenburg werde sich für die Raffinerie in Cressier und ihre Mitarbeiter einsetzen. Der Standort sei sehr wichtig für den Kanton Neuenburg. Man stehe im Kontakt mit dem Petroplus-Management, so Grosjean. In den Standort Cressier seien in den vergangenen Jahren wichtige Investitionen unter anderem in den Umweltschutz geflossen. «Obwohl relativ klein, schlägt sich Cressier innerhalb der Petroplus-Gruppe gut», sagte der Politiker. Neben Collombey VS steht in Cressier die einzige Raffinerie der Schweiz.
Unia will mitreden
Nachdem in den vergangenen Tagen französische Gewerkschaften die Regierung in Paris zum Handeln aufgefordert hatte, hat sich auch die Schweizer Arbeitnehmervertreterin Unia wegen Cressier zu Wort gemeldet. Die Gewerkschaft fordert vom Kanton mehr Druck auf die Banken.
In Cressier sind laut Unia neben den 260 Raffinerieangestellten auch die Arbeitsplätze ebensovieler Menschen indirekt von der Produktion abhängig, schreibt die Gewerkschaft. Unia fordert einen runden Tisch zur Diskussion der Probleme.
Aktie erholt sich etwas
Am Freitag legte die Aktie um teilweise über 10 Prozent zu und schloss 6,1 Prozent über Vortagesschlusskurs. Nach Weihnachten hatte die Aktie rund 50 Prozent an Wert verloren, konnte sich im Lauf des Donnerstags aber stabilisieren. Sollte eine Übereinkunft mit dem Bankenkonsortium nicht bald zustande kommen, muss Petroplus auch den Betrieb der zwei übrigen Anlagen - Coryton in England und Ingolstadt in Deutschland – einstellen. Petroplus schreibt seit 2008 rote Zahlen und steht wegen den dünnen Margen im Raffineriegeschäft in einem schwierigen wirtschaftlichen Umfeld.
Am Donnerstag hatten Analysten davon gesprochen, dass eine Insolvenz im Raum stehe, während die Ratingagenturen Standard & Poor's und Moody's die Bonität herabstuften und mit dem Prädikat «mit hohen Risiken behaftet» versahen. (rub/sda)
Erstellt: 30.12.2011, 18:14 Uhr
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11 Kommentare
Im Erdölbusiness seit 2008 rote Zahlen zu schreiben, das bringen nur ganz dolle Mänätscher fertig. Für ihre Spitzenleistungen kassierten diese Unfähigen jährliche Boni zwischen 1 und 4 Millionen. Aber das Schlimmste ist, dass wir Skandale wie diese leichtferige Vernichtung von Arbeitsplätzen kaum mehr wahrnehmen, uns nicht wehren und die Versager noch vergoldet werden. Antworten
Die Unia will mehr Druck auf die Banken? Was wenn die Banken nachgeben, Petroplus trotzdem Pleite geht und die Banken Verluste einfahren? Banken verlieren dann unter anderen Spareinlagen! Die Rahmenbedigungen für Petroplus müssten verbessert werden. Keine Ahnung was möglich ist, aber Banken zwingen schlechtem Geld Gutes nach zuwerfen geht wohl zu weit! Antworten
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