Wirtschaft

Petroplus ist bankrott

Der Raffineriebetreiber muss die Nachlassstundung vorbereiten, da die Verhandlungen mit den Kreditgebern scheiterten. Das Unternehmen ist zahlungsunfähig. Das betrifft auch die Raffinerie im Kanton Neuenburg.

Dunkle Wolken über dem Unternehmen: Petroplus-Raffinerie in Petit-Couronne, Frankreich. (5. Januar 2012)

Dunkle Wolken über dem Unternehmen: Petroplus-Raffinerie in Petit-Couronne, Frankreich. (5. Januar 2012)
Bild: Keystone

Was bedeutet Nachlassstundung?

Der angeschlagene Raffineriebetreiber Petroplus behält sich vor, die Nachlassstundung zu beantragen. Wird sie vom Richter gewährt, erhält das Unternehmen Zeit, um mit seinen Gläubigern eine Lösung zu finden. Ziel ist es, den Konkurs abzuwenden.

Die Nachlassstundung nach Schweizerischem Recht soll dem Nachlassschuldner Zeit geben, einen Nachlassvertrag mit seinen Gläubigern auszuarbeiten. In dieser Phase können gegen das angeschlagene Unternehmen keine Massnahmen wie eine Betreibung oder die Konkurseröffnung ergriffen werden.

Voraussetzung für die richterliche Genehmigung der Nachlassstundung ist, dass Aussicht auf den Abschluss eines Nachlassvertrages besteht. Trifft dies zu, wird die Nachlassstundung für vier bis sechs Monaten gewährt. Zudem wird ein Sachwalter eingesetzt, der in dieser Zeit die Tätigkeit der Firma überwacht.

Damit der Nachlassvertrag zustande kommt, ist nicht die Zustimmung aller Gläubiger erforderlich. Es genügt, wenn die Mehrheit der Gläubiger einwilligen, auf die gleichzeitig zwei Drittel der Forderungssumme entfallen. Ebenfalls genügend ist, wenn bloss ein Viertel der Gläubiger zustimmt, die dann aber für drei Viertel aller Forderungen stehen.

Der Nachlassvertrag muss anschliessend vom Richter bestätigt werden. Verweigert er dies, etwa weil die angebotene Summe in keinem Verhältnis zu den tatsächlichen finanziellen Möglichkeiten des Schuldners stehen, kann jeder Gläubiger die sofortige Konkurseröffnung verlangen. (sda)

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Der angeschlagene Raffineriebetreiber Petroplus (PPHN 0.84 -4.55%) hat in den seit Ende Dezember laufenden Verhandlungen mit den Kreditgebern keinen Erfolg erzielen können und muss nun die Nachlassstundung vorbereiten. Dies gab das Unternehmen heute bekannt.

Petroplus sei für Schuldverschreibungen und Anleihen im Volumen von 1,75 Milliarden Dollar technisch zahlungsunfähig geworden, teilte das Unternehmen mit.

Der Schritt zur Nachlassstundung würde sowohl in der Schweiz als auch in jenen Ländern eingeleitet, in denen Petroplus mit Tochterfirmen vertreten ist, also in Deutschland, Grossbritannien, Frankreich und Belgien. Das Ziel müsse es nun sein, dass alle Operationen sicher heruntergefahren werden und möglichst viel Wert für die verschiedenen Stakeholders erhalten werden könne.

Seit Dezember unter Druck

Der Raffineriebetreiber war Ende Dezember in massive Schwierigkeiten geraten, nachdem dessen kreditgebende Banken noch nicht bezogene Kredite in Höhe von 1 Milliarden Dollar eingefroren hatten und das Unternehmen kein Rohöl mehr zur Verarbeitung kaufen konnte.

Petroplus hatte seitdem mit den Kreditinstituten verhandelt und zeitweise auch den Verkauf der Anlagen im französischen Petit-Couronne erwogen sowie den Verkauf der Anlagen im belgischen Antwerpen und im schweizerischen Cressier zumindest nicht ausgeschlossen.

Bange Stunden für die Angestellten

Am Standort Cressier im Kanton Neuenburg beschäftigt das Unternehmen rund 260 Mitarbeitende. Was mit ihnen genau passieren wird, ist derzeit noch unklar. Anfragen der Nachrichtenagentur SDA waren vom Unternehmen mit dem Hinweis auf später folgende Angaben nicht beantwortet worden.

Am vergangenen Freitag hatte Petroplus in einem internen Memo ausserdem auch einen möglichen Stellenabbau in der Konzernzentrale im Kanton Zug angedeutet, mit dem Hinweis, dass die Arbeitsbelastung abnehmen dürfte. Gesamthaft beschäftigt Petroplus über seine verschiedenen Länderniederlassungen verteilt rund 2500 Angestellte. Bis zum Beginn der Schwierigkeiten verarbeitete der Konzern 667'000 Barrel Rohöl pro Tag.

Aktien verlieren massiv

Anleger wollen die Aktien von Petroplus so schnell wie möglich loswerden. Die Aktien des Raffineriebetreibers sind nach Ankündigung der Nachlassstundung eingebrochen.

Nach 9 Uhr notierten die Petroplus-Aktien bei hektischem Handel mit gerade noch 28 Rappen und kosteten damit um über 80 Prozent weniger als am Vortag. Eröffnet hatte die Aktie sogar mit einem Minus von 90 Prozent.

Mit einem Umschlag von 5,6 Millionen Titeln ist bereits in der ersten halben Stunde mehr als das Doppelte des durchschnittlichen Handelsvolumens der letzten beiden Monate umgesetzt worden.

Drei Raffinerien geschlossen

Das Unternehmen ist seit einigen Wochen in akuter Geldnot. Ende Jahr hatte es bereits angekündigt, drei seiner fünf Raffinerien zu schliessen, und hatte in der Zwischenzeit entsprechend den Betrieb im französischen Petit-Couronne sowie im schweizerischen Cressier und in Antwerpen heruntergefahren.

Nun sei das schlimmste Szenario für das Unternehmen eingetroffen, kommentiert ZKB-Analyst Martin Schreiber. Aus der Insolvenzmasse würden in erster Linie die Aufwendungen für das Personal bedient, an nächster Stelle stünden die besicherten Anleihen und Bankenkredite, erinnert der Analyst.

Wie viel nachrangigen Gläubigern und schliesslich den Aktionären aus der Konkursmasse noch zustehe, sei aufgrund der undurchsichtigen Lage von Petroplus derzeit kaum abschätzbar. (kle/sda)

Erstellt: 24.01.2012, 08:09 Uhr

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4 Kommentare

Philippe Goichon

24.01.2012, 18:20 Uhr
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Reichstett im Elsaß
Als Elsässer bin ich selbstverständlich sehr traurig über die Schliessung unserer Raffinerie nahe Straßburg.
Bis zuletzt habe ich gehofft, dass Petroplus diese Raffinerie am Leben hält, leider vergebens..!
Schade um die Region, die Mitarbeiter und um die Firma Petroplus.
Grüße aus dem Elsaß
Antworten


David Grob

24.01.2012, 11:55 Uhr
Melden 8 Empfehlung

Seltsam. Als vor 3 Jahren der Benzinpreis auf 2 Franken stieg, wurde dies von der Erdölindustrie mit mangelnder Raffineriekapazität begründet. Antworten


Hans Meyer

24.01.2012, 08:59 Uhr
Melden 3 Empfehlung

Letztes Jahr wurde die Firma bzw. deren Aktie noch hochgestuft! In der Folge stieg der Kurs. Antworten


Dora Jegenstorfer

24.01.2012, 16:35 Uhr
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Die Prognosen der Auguren liegen meistens daneben. Man muss immer gegen das System arbeiten. Bringt den höchsten Zuwachs.



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