Wirtschaft

Piloten rechnen nicht mit schneller Einigung

Aktualisiert am 22.02.2010

Wenige Stunden nach Beginn ihres auf vier Tage angesetzten Streiks bei der Lufthansa zeigt sich die Gewerkschaft Cockpit kämpferisch – und droht mit weiteren Massnahmen.

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Informationen über den Lufthansa-Konzern

Lufthansa AG

Hier sind interkontinentale Flüge aus Deutschland heraus und grosse «Rennstrecken» zwischen europäischen und deutschen Metropolen angesiedelt. Dieses Kernstück des Konzerns wird mitunter auch als Lufthansa Classic bezeichnet und soll bestreikt werden.

Lufthansa Regional

Zu den fünf Regionalpartnern gehört die Lufthansa-Tochter Cityline, die vor allem auf weniger stark nachgefragten Strecken unterwegs ist. An Eurowings ist Lufthansa knapp zur Hälfte beteiligt, die italienische Air Dolomiti gehört wiederum komplett zur Lufthansa. Daneben werden noch Augsburg Airways und Contact Air als Regionalpartner geführt. Die Regionalpartner werden nicht bestreikt.

Germanwings

Ist der Billigflieger im Konzern, der von Eurowings gegründet wurde und inzwischen direkt der Lufthansa gehört. Er soll ebenso wie die Lufthansa Classic bestreikt werden.

Lufthansa Cargo

Ist als direkte Tochter der Lufthansa eine der grössten Frachtfluggesellschaften der Welt. Sie füllt nicht nur ihre speziellen Frachtflugzeuge, sondern nutzt auch den Gepäckraum von Passagiermaschinen. Auch hier soll gestreikt werden.

Lufthansa Italia

Ist eine Neugründung der Lufthansa in Mailand, die neun Airbus-Maschinen werden derzeit noch von Piloten aus Deutschland geflogen. Solange sich diese Piloten im Ausland aufhalten, dürfen sie nach Angaben der Lufthansa nicht streiken.

Zukäufe im Ausland

In den vergangenen Jahren erwarb Lufthansa mehrere Airlines im Ausland: Die Swiss in der Schweiz, Austrian Airlines in Österreich, Brussels Airlines in Belgien und British Midland in Grossbritannien. Zum Teil dauert die Integration noch an, die eigenständigen Marken bleiben unter dem Konzerndach erhalten.

Weitere Beteiligungen

Einen 50-Prozent-Anteil hält Lufthansa an der stark wachsenden türkischen Fluggesellschaft SunExpress, am amerikanischen Edel-Billigflieger JetBlue hält Lufthansa einen Minderheitsanteil von rund 15 Prozent. An der kleinen Luxair in Luxemburg ist Lufthansa zu 13 Prozent beteiligt.

Der Sprecher der Vereinigung Cockpit, Alexander Gerhard-Madjidi, sagte am Morgen im Bayerischen Rundfunk: «Die vier Tage reichen offensichtlich noch nicht aus, um die Lufthansa (LHA 8.479 0.09%) in Bewegung zu versetzen, sich mit uns am Verhandlungstisch zu einigen.» Er fügte den Angaben zufolge hinzu: «Wir werden natürlich die Eskalation nach diesen vier Tagen nicht beenden, das heisst, wir werden natürlich weitere Streikmassnahmen vorbereiten und die werden dann auch in der Länge und Dauer entsprechend ausgeweitet.»

Dennoch, so Gerhard-Madjidi, sei die Gewerkschaft offen für weitere Gespräche mit der Lufthansa. Aus diesem Grund sei der Streik auch so frühzeitig angekündigt worden. Die Fluggesellschaft ist nach eigenen Angaben ebenfalls zu Verhandlungen bereit. «Wir sind offen für Gespräche ohne Vorbedingungen», so eine Lufthansa-Sprecherin.

Kritik am Streik der Piloten

Der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Martin Wansleben, kritisierte den Ausstand scharf. Er äusserte sich in der «Berliner Zeitung» vor allem besorgt über die Folgen für den Frachtverkehr. Viele Firmen hätten die Sorge, dass der Streik die notwendige Ersatzteillogistik für deutsche Maschinen und Anlagen lahmlegen könnte.

Der stellvertretende Vorsitzende der Unionsfraktion im Bundestag, Michael Fuchs, CDU, erklärte im Südwestrundfunk, die Piloten gefährdeten durch ihren Streik den Wirtschaftsaufschwung. Die Politik sehe das mit Sorge. Ausserdem habe er kein Verständnis dafür, dass die Piloten mehr als sechs Prozent mehr Gehalt forderten. Sie verdienten mindestens 6000 Euro im Monat, viele sogar mehr als 10'000.

Nullrunde als akzeptabel bezeichnet

Zu den Gehaltsvorstellungen sagte Cockpit-Sprecher Gerhard-Madjidi im ZDF-Morgenmagazin: «Die Forderung nach 6,4 Prozent Gehalt kam als Reaktion auf das beste Ergebnis der Lufthansageschichte in 2008, als Lufthansa mehr verdient hat als die Wettbewerber zwei, drei und vier zusammengenommen.» Wegen der Krise sei man aber bereitgewesen, anstelle einer Lohnerhöhung eine Nullrunde zu akzeptieren. Bedingung sei allerdings, dass bestehende Verträge eingehalten werden. Darin sei festgelegt, dass Lufthansa-Unternehmen im Ausland mit deutschen Piloten fliegen. Aber genau daran halte sich das Unternehmen nicht.

Die Vereinigung Cockpit (VC) hat rund 4500 Piloten von Lufthansa, Germanwings sowie der Frachttochter Lufthansa Cargo aufgerufen, bis Donnerstag die Arbeit niederzulegen. Die Fluggesellschaft schätzt die direkten Kosten des Ausstands auf 100 Millionen Euro. (raa/ddp)

Erstellt: 22.02.2010, 11:56 Uhr

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