Wirtschaft
Pingpong zwischen Journalist und Sarasin
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«Ich bin der Meinung, dass die Berichte erträglich waren»: Lukas Hässig. (Bild: Keystone )
«Dumm oder genial?»: Sarasin-Chef Strähle wurde von Hässig mehrmals ins Visier genommen. (Bild: Keystone )
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«Joachim ‹Joe› Strähle ist entweder dumm oder genial», begann ein Artikel von Lukas Hässig vom 15. August über den Chef der Basler Privatbank Sarasin. Hässig ist hart im Austeilen, nimmt kein Blatt vor den Mund. Der Titel zu besagtem Artikel lautet: «Genie oder Versager?». Nun, wer lässt sich schon gerne als «dumm» oder «Versager» bezeichnen?
Bei Sarasin mussten Hässigs Artikel – und vor allem die darunter publizierten Leserkommentare – auf der Website Insideparadeplatz.ch schon länger aufgefallen sein. Schaut man Hässigs Archiv an, so fällt auf, dass die Privatbank und ihr Chef immer wieder ins Visier des Finanzjournalisten geraten sind. «Sarasin-Strähle sackt mit Abstand am meisten ein» (28. März 2012) oder «USA ‹packten› Sarasin-CEO um 7 Uhr morgens» (5. April 2012), um nur zwei Beispiele zu nennen.
Hässig musste sich bei Hummler entschuldigen
Mit letzterem Artikel war Hässig in einen für Sarasin unangenehmen Bereich vorgestossen. Er hatte geschrieben, dass Sarasin-Chef Strähle von den Behörden in den USA festgehalten und vernommen worden war. An dieser Geschichte waren auch andere Medien dran, sie verzichteten aber wegen Dementis von Sarasin auf eine Publikation. Einen Monat später erhält Hässig Recht – und Sarasin die Quittung im Branchenblatt «Schweizer Journalist»: «Sarasins PR-Lüge», lautete dort der Titel eines Artikels über die Hintergründe der Geschichte.
Sarasin und Hässig, das geht im Moment offenbar schlecht zusammen. So schlecht, dass die Privatbank betriebsintern den Zugang zu Insideparadeplatz.ch gesperrt hat. Das zumindest sagt Hässig: «Die Finanz-Internetseite Inside Paradeplatz ist für Sarasin-Mitarbeiter vom Arbeitsplatz aus seit kurzem nicht mehr aufrufbar», so der Journalist gestern auf seiner Website. Titel des Artikels: «Sarasin zensiert Internet». Zusätzlich den Unmut von Sarasin hatte sich Hässig wohl mit den offenen Leserforen zugezogen. Bis zu einem Rechtsstreit mit Bankier Konrad Hummler – bei dem er Persönlichkeitsverletzung auf seiner Website eingestehen musste – gelangten Leserkommentare unbesehen auf seine Website. Da musste wohl einiges auf die Website gekommen sein, das nicht hätte publiziert werden dürfen.
Sarasin: «Bei uns sind mehrere Internetseiten gesperrt»
Sarasin selber mag zu Hässigs Insideparadeplatz.ch nicht Stellung nehmen. Es wird aber auch nicht dementiert, dass die Website des Finanzjournalisten gesperrt wurde. «Wir geben zu den einzelnen Plattformen keine Auskunft», sagt Mediensprecherin Franziska Gumpfer-Keller.
Dass aber das Surfen bei Sarasin teilweise beschränkt wird, bestätigt sie: «Bei uns sind mehrere Internetseiten gesperrt.» Man handle dabei nach internen Weisungen, Internetseiten würden auf «widerrechtliche Inhalte geprüft und allenfalls gesperrt». Gumpfer ergänzt: «Die Nutzung des Internets am Arbeitsplatz für allfällige private Zwecke ist auf das Minimum beschränkt.»
Besser als Zensur ist eine «gute Mitarbeiterinformation»
Dass man Zensur betreibe, ist für die Sprecherin aber abwegig: «Wir verwahren uns gegen den Vorwurf der Zensur.» Für private Zwecke stünden allen Mitarbeitenden Computer zur Verfügung, die ausserhalb der Arbeitszeit frei genutzt werden könnten.
Den Zugang zu bestimmten Internetseiten zu sperren, ist für PR-Berater Marcel Bernet nicht nachvollziehbar. «Auch Firmen müssen sich von der Illusion der Kontrolle verabschieden. Das funktioniert nicht.» Was er damit meint: Das Sperren von Internetseiten wegen angeblich unliebsamer Inhalte mache es doch nur noch interessanter, dieses Sites anzuschauen. «Das ist ein klassisches Eigengoal», so Bernet. Besser als Zensur sei «eine gute interne Kommunikation». Eine Firma könne doch erklären, dass ein Journalist einen Artikel geschrieben habe, mit dessen Inhalt man nicht einverstanden sei. Und indem man die eigene Sicht der Sache darlege, gebe man den Mitarbeitenden die Möglichkeit, eine eigene Meinung zu bilden. Dass man Leserkommentare einzuordnen imstande sein sollte respektive relativieren muss, versteht sich von selbst.
Leserkommentare nicht mehr automatisch auf der Website
Hässig selber sagt zum Fall Sarasin: «Das gibt es halt.» Der Journalist ist mit seiner Website nun seit knapp einem Jahr «auf Sendung». Und zu seinen Artikeln über Sarasin-Chef Strähle meint er: «Ich bin der Meinung, dass die Berichte erträglich waren.» Die Leserkommentare zu seinen Artikeln liest er nun alle durch, bevor er sie freischaltet. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 15.11.2012, 14:38 Uhr
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